Donnerstag, 27. August 2015

Muster-Mittwoch

oder: sind meine Hausschuhe Folkore?

Bei Michaela gibt es eine durchgehende Rubrik, den Muster-Mittwoch. Hier stellt sie, meist im wöchentlichen Rhythmus, Muster zu den unterschiedlichsten Inspirationen und Ideen vor und lädt dazu ein, selbst Gefundenes oder noch besser Er-Fundenes zu teilen.
Im Sommer war der Themenwechsel monatlich, August wurde als Folklore-Muster-Monat ausgerufen. Ein nicht ganz einfaches Thema, und wie sie selbst sagt "die bunte Grauzone zwischen Volkskunst und Kitsch."

Auf der Suche nach einer Antwort, was "Folklore" denn ausmacht und warum wir sie so schnell als "Kitsch" verstehen, bin ich über diesen Artikel in der ZEIT vom Mai 2014 gestolpert. (Passen die Hausschuhe nicht prima zum Thema?)


Es geht um die Frage, ob man "den sichtbaren Ausdruck von Traditionen einer ethnischen Gemeinschaft" - so eine Definition von "Folkore" einfach kopieren oder verpflanzen kann oder darf? Und haben Trachten und Bräuche der Vergangenheit überhaupt noch etwas mit der heutigen Art zu leben zu tun?
Bei Michaela geht es eigentlich mehr um grafische, nicht um inhaltliche Muster. Aber irgendwie spürt man doch den Spagat, den man macht, wenn man in der "heutigen Zeit" traditionelle Handwerke ausprobiert, die im Alltag kaum mehr vorkommen.

Das Beispiel, das ich in meiner Musterkiste gefunden habe, und das ich kurz vor Ende des Monats doch noch teilen möchte, ist eines aus der Hessischen Folklore: die Weißstickerei. 
(Passend dazu finden sich in meinem Fundus auch ein paar Krüge, die ich von meiner Oma geerbt habe und als Dekoration in der Küche aufbewahre.)


Vor einiger Zeit habe ich mich auch an dieser Sticktechnik versucht. Gestickt wird auf Leinen mit weißem Garn, es gibt hübsche Durchbruchsmuster und man muss viel zählen.
Die Muster haben schöne Namen wie "Vorwitzchen", "Röserich" und "Verflixtes Himmelreich". Wie man sieht, ist dieses Werk unvollendet. Was ich aber geschafft habe, ist, ein kleines Nadelheft zu sticken, in dem ich die feinen Nadeln aufbewahren kann.


Dieses wiederum war nun Vorbild für einen Satz Stempel, die ich gerne vermustern würde.  Ich habe extra zwei Stempel geschnitzt, positiv-negativ, und versucht, die Schnörksel zu spiegeln, mit individueller Note.



Ich kann sie mir gut als Borte auf einem Leinenband oder als Bucheinband für einen Gartenkalender vorstellen. Mal sehen, wann sich die Zeit findet, das in Druck umzusetzen. Die Farben dazu stehen schon bereit, zufälligerweise auch von Blauweißchen, über die Mano ja hier so anschaulich berichtet hat. (Ich habe übrigens Modeln dort erworben.)

Mich wird die Folkore also noch in den September begleiten. 
Vielleicht führt sich die Verbindung zu Michaelas neuem Muster-Thema "Küche" über die Krüge ?
Mal sehen.



Kommentare:

  1. Oh, dass diese Weißstickerei aus Hessen kommt, war mir nicht klar. Ich mochte sie immer sehr viel lieber als die "bunte", vor allem diese grafischen Muster bei der Durchbruchstickerei. Schön, dass du das noch in die Mustermittwochsammlung gebracht hast! Lieben Gruß Ghislana

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  2. Ich mag das Weiß auf Leinen auch gerne. Die Stickerei kommt genauer aus der Gegend von Schwalm in Nordhessen. Sie ähnelt der Ajourstickerei, bei der man die "Löcher" durch das Zusammenziehen der Fäden erreicht. Für die breiten gewickelten Borten muss man aber Fäden rausziehen. Die vielen Zierstiche um die Grundformen sind ein bisschen wie "Doodeln" mit dem Faden. Da kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen.
    Wie schön, dass wir so unsere Kenntnisse austauschen können.
    Lieben Gruß, Elvira

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  3. Wie schön, deine Mustergedanken und Beispiele.
    Es faziniert ja besonders die Folkore, mit der man nicht aufgewachsen ist, die einem etwas exotisch erscheint und davon darf man sich doch inspirieren lassen. Trotzdem würde ich nicht in einem Dirndl durch Köln laufen...Ich mag die Stickerei sehr und wäre viel zu ungeduldig dafür, lustige Namen haben die Muster und die Stempel sind ganz süss. Ich danke fürs Mustern und Mitdenken und sende herzliche Grüße
    Michaela

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    1. Man sollte sich unbedingt inspirieren lassen! Und wenn Folklore lebendig bleiben soll, muss sie sich auch weiterentwickeln dürfen (Das Oktoberfest steht vor der Tür!)
      Mustern ist eine gute Möglichkeit, neue Wege dahin zu entdecken. Danke für die Anregung.
      Liebe Grüße, Elvira

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  4. ich bin ganz begeistert von den entzückenden namen der schwälmer stickerei! und hübsch ist sie noch dazu! ich kenne aus der schwalm nur die maler, die in willingshausen schon mitte des 19. jh eine kolonie gegründet haben. und natürlich die wunderbaren schwälmer trachten, die allein ja schon für ein ganzes folklore thema herhalten könnten!
    deine stickerei und auch die stempel sind toll geworden. ich bin gespannt auf deine gedruckten bordüren!
    liebe grüße von mano, die für den link dankt!

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