Dienstag, 27. September 2016

Meine - (nur eine?) Heimat

Den Spruch vom 'Goldene Oktober' kennt man ja schon, aber dieses Jahr qualifiziert sich definitiv auch der September für diese Auszeichnung. Was die Sonnenausbeute und die reiche Apfel/ Birnen/ Pflaumen-Ernte angeht auf alle Fälle, selbst die Sonnenblumen strahlen mit den Hagebutten um die Wette.


Und da fällt mir auf, dass dies ein Teil meiner 'Heimat' ist. Der Herbst gehört zu meinem 'Lebensort', ich bin mit ihm aufgewachsen. Und er würde mir fehlen, wenn ich in einer anderen Klimazone leben würde, in der jeden Tag und Monat dieselbe Temperatur herrschen würde. Ich fühle mich 'zu Hause' mit Jahreszeiten, wechselnden Wärmezyklen und veränderten Helligkeiten.  Das ist meine klimatische

Überhaupt spricht man oft von ganz unterschiedlichen 'Heimaten': der sportlichen Heimat, der künsterlischen Heimat, der kulinarischen Heimat ...

Letztere hängt natürlich mit der Geographie zusammen und den Dingen, die hier oder dort gerade wachsen. Aber in eben diesen 'Raum' bin ich hineingeboren worden und reingewachsen, oder habe ihn mir später auch ausgesucht (Wahl-Heimat), von dem ich dann sage: hier bin ich da-heim, und fühle ich mich mit der Gemeinschaft und der Tradition dort verbunden.
Überall, wo ich diese Sicherheit finde, habe ich dann auch häufig das Gefühl von 'Heimat'. Wo die Anknüpfung fehlt oder nicht geschaffen werden kann, fühlt man sich fremd.

Die Sprache ist ein gutes  Beispiel, das einem so geläufig ist, dass man garnicht mehr darüber nachdenkt. Ich bewege mich relativ sicher im indogermanischen Sprachraum: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch etc. kann ich mir gut aneignen. 
Diese 'sprachliche Heimat' gründet sich auf verschiedenen Regeln, die alle diese Sprachen gemeinsam haben und anwenden: gemeinsame lateinische Schriftzeichen und arabische Zahlen, das Lesen und Schreiben von links nach rechts und das Blättern von Texten von rechts nach links.


Wie fremd sind dagegen die Symbolschriften, wie Japanisch oder Kyrillisch, ganz zu schweigen von den arabischen Schriften. Da ist für uns Europäer "alles anders herum". Was ja nun eine Frage des Standpunktes ist - und: womit man aufgewachsen ist, wo man sich beheimatet fühlt. 

 
Insofern ist es für mich eine ganz große Leistung, wenn man sich darauf einlässt, auch diese neue 'Heimat' zu betreten und sie sich aktiv anzueignen.


Ich bin froh und dankbar, dass es uns durch die gemeinsame Schrift leichter wird, uns an vielen neuen Orten eine zweite, dritte, vierte Heimat zu schaffen, in der wir uns verhältnismäßig sicher bewegen können. Und ich hoffe, dass es auch vielen von denen gelingen möge, die sich in unserem Land eine neue Heimat schaffen wollen.

Meine kleine symbolische Papierkarte schicke ich noch zu Frau Nahtlust, die mich mit ihrem September-Papierliebe Thema auf diesen Gedankenweg geschubst hat. 
Nun schätze ich meine Heimat(en) umso mehr.
 

Kommentare:

  1. Und was bin ich froh, dass ich deine Heimat und heimatgedanken mit betrachten, bewundern, be"nachdenken" darf. Stimmt - Sprache ist da ganz stark treibend in dem Gemeinsamen und auch zugleich in dem Unterschiedlichen. Wie spannend, sich das zu überlegen, was hier alles gemeinsam möglich ist und uns dann doch erschwert wird oder wir uns gegenseitig erschweren.
    Danke fürs Verlinken und für die schöne Heimat! LG. Susanne

    AntwortenLöschen
  2. Danke für deine Heimatgedanken, denen ich gut nachfühlen kann... Seit vergangener Woche belegen der Gefährte und ich einen Japanisch-Kurs, wir werden dort im nächsten Frühjahr zwei Wochen verbringen und möchten ein bisschen in der Sprache "zu Hause" sein, spannend, sehr spannend, besteht Japanisch doch aus einer Kombination aus drei Schriften... Die vier Jahreszeiten gibt es dort auch, jede hat ein Bildzeichen, und zwar ein chinesisches... Alles vernetzt und verwoben... Herzlichen Gruß Ghislana

    AntwortenLöschen