Die Tage werden länger, der Schnee erhellt immer wieder die sonst düsteren Februartage und ganz allmählich verlassen wir die dunkelste Zeit im Jahr.
Die Stoffspielerei im Februar hat das Thema "Licht und Dunkelheit", das Anne Sophie von "heyyoskar" vorgeschlagen hat und sie sammelt heute auch alle Ideen und Lichtblitze für uns.
Sowohl "Licht" als auch "Dunkelheit" setzen gleich viele unterschiedliche Assoziationen frei: stimmungsvoll beleuchtete Szenen, wilde Blitze vor dunklem Wolkenhimmel, fantasievolle Schattenspiele und es ist eigentlich egal, ob das im Sommer oder Winter stattfindet.
Ich werfe ganz banal einen ersten Blick (vom Bett aus) zum Fenster. Dort beobachte ich gerne, wie sich allmählich das Licht aus der Dunkelheit entwickelt, wie Schatten über die Wand und Lichtstrahlen durch die halbgeöffneten Jalousien geworfen werden. Dabei habe ich mich gefragt, wieviel "Dunkelheit" es braucht, um das Licht auszusperren oder anderherum auch: wieviel Licht es braucht, um die Dunkelheit zu vertreiben.
Meine Idee also, dunkel auf hell und hell auf dunkel zu arbeiten.
Die beste textile Technik, die die Lichtschichtung mittels "Dunkel auf Hell" ausdrücken konnte, schien mir sticken zu sein. Ich wollte ausprobieren, wie ich mit verschiedenen Garnen (dicker, dünner, heller, dunkler) und verschiedenen Stichanordnungen andere "Dichten" erzeugen kann.
Als Materialien habe ich weißen Baumwollstoff gewählt, verschiedene nichtfarbige Garne gewählt und mit einem Stickrahmen in den quadratischen Musterflächen gestickt.
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graues Leinengarn, Wolle/Acryl Garn, 30er Nähgarn, Stickgarn
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erstes Feld mit Vorzeichnung
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Die jeweiligen ausgedachten Muster habe ich mit einem wasserlöslichen Bleistift leicht auf dem Stoff vorskizziert, mich dann aber von meiner Intuition beim Sticken leiten lassen. Insgesamt habe ich in 4 Feldern verschiedene Richtungen sowie zunehmende Garnmischung beim Sticken ausprobiert. In Feld 1 ist alles nur schwarz, in Feld 2 nur Grau, in Feld 3 findet man tonal abgestufte Grauwerte und im letzten Feld Schwarz-graue Überlagerungen.
Zudem ist in jedem Feld die Richtung der Stiche anders. Ich habe aber immer nur Geradstiche eingesetzt.
Das Ergebnis ist bewusst eher grafisch und ich mag die plastische Wirkung der Stiche, die zusätzlich Licht und Schatten erzeugen, besonders wenn man die Muster von der Seite betrachtet. Diese Art des "mark making" in Textil hat einen ganz eigenen Charakter, den man mit einem Stift auf Papier nicht erreichen könnte.
Um meine zweite Idee von "Hell auf Dunkel" umzusetzen, wollte ich Motive mit Discharge Paste aus dunklem Stoff herausfärben. "Discharge Paste" ist eine Entfärberemulsion, die man frei oder mittels Schablonen oder Stempel auf den Stoff aufbringt und einwirken lässt. Dann bügelt man den Stoff heiß und feucht und idealerweise entfärbt sich der Stoff dann dort, wo die Emulsion aufgebracht wurde.
Eine solche Emulsion befindet sich schon seit langem in meinem Fundus und ich war guter Dinge, sie nun endlich einsetzen zu können.
Die ersten Versuche, eine Entfärbung mit einer dünnen Schicht der Emulsion hatten überhaupt keinen Effekt (kein Bild), dann habe ich die Emulsion dick mit der Spachtel aufgetragen. Meine Motive waren eine Libellenschablone aus Plastik und eine Vogelschablone aus Freezer Paper.
All meine Bemühungen waren jedoch fruchtlos. Bis auf einen leichten Chlorgeruch und eine schwache Entfärbung bei nächtlicher Trocknung hat sich da nichts (mehr) getan. Die Paste ist wohl doch zu alt gewesen und ich konnte mich nicht überwinden, einen Chlorreiniger zu kaufen, der ja zum Entfärben eine Alternative gewesen wäre.
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nach dem Entfärben
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So habe ich die Schablone für eine andere Technik benutzt und die Idee des "hell auf dunkel" in einer Schabloniertechnik ausprobiert, Textilfarbe und Stupfpinsel sei Dank.
Und weil ich bei der ersten Schablone die Hell-Dunkel-Verteilung vertauscht hatte, habe ich eine zweite, ähnliche Version geschnitten und gedruckt. Erwartungsgemäß ergibt die Schablone scharfe Kanten und keine weiche, verschwommenen Linien wie sie das Entfärben gebracht hätten. Hier habe ich auch keine weiteren Stickstiche angefügt, das schien mir nicht passend.
Stattdessen gibt es ein Finale mit einem "weiß auf schwarzen" Stickbild, in dem ich als Variante neben Geradstichen nun auch mit Kettstichen, Knotenstichen, Plattstichen und Federstichen gespielt habe. Diese Anordnung wirkt auch noch grafisch, die Motive aber organischer, finde ich.
Auch wenn dieses Mal nicht alles nach Plan ging, bin ich ganz zufrieden mit den Ergebnissen und was die Discharge Paste angeht, wird, wenn sie entsorgt ist, auch wieder etwas mehr "Licht" in meiner Materialsammlung sein.
Danke an Anne für das Vorschlagen und Sammeln der Lichtblicke an diesem Sonntag.
Die Stoffspielereien
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29.03.2026: „Taschen“ bei Petersilie und Co
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31.05.2026: „Englisch Paper Piecing“ bei 123-Nadelei
28.06.2026: „Tierisches“ bei zwisch-en-durch
Juli und August: Sommerpause
27.09.2026: „Die Kunst des Weglassens“ bei Tyche's Touch
25.10.2026: „Schablonieren“ bei Siebensachen zum Selbermachen
29.11.2026: „Teppiche“ bei made with Blümchen
Dezember: Winterpause
So viele Ideen, so viele tolle Umsetzungen! Das Finale mag ich sehr, die unterschiedlichen Stickstiche machen die Bäume umso mehr lebendiger. Liebe Grüße!
AntwortenLöschenWenn man ein Konzept hat, möchte man gerne die Möglichkeiten auch ausprobieren und ist selbst überrascht, was rauskommt.
LöschenLiebe Elvira, Deine verschiedenen Beispiele für unser Thema finde ich ganz faszinierend, die Druckversionen erinnern mich an die Scherenschnitte von Matisse. Die verschiedenen Stickvarianten gefallen mir auch gut, grafisch und platisch zugleich. Du zeigst uns schöne Spielereien, herzlichen Dank dafür und liebe Grüße von Tyche
AntwortenLöschenIch sehe, dass meine Zeichnerei inzwischen auch Einfluss auf meine textilen Ideen hat. Mit Matisse würde ich mich aber nicht "vergleichen" wollen, das ist zuviel der Ehre.
LöschenHerrlich viele Ideen und alle schwarz-weiß. Die Testreihe ist prima. An so einer typogrische Umsetzung habe ich mich auch schon versucht im Wunsch Textil und Schrift zu vereinen. Ich habe auch kurz ans Bleichen gedacht.Mit der Schabloniertechnik hast du ein viel klareres Ergebnis erreicht.
AntwortenLöschenviele Grüße Karen
Es entstanden Texturen quasi mit textilem Mark making, das fand ich spannend im Vergleich zu entdecken. Jedes Material erzeugt seine eigene Optik und Qualität, das kennst du ja auch.
Löschenwie schön deine stickexemplare * und jedesmal ein anderes motiv * das "LICHT"mit dem scharze punkt auf dem weiss prima * deine vögel auch nett sowie die "finale"!
AntwortenLöschenliebe grüsse
merlecolibri
mo
Die Vögel u d der Punkt bringen Leben in das Abstrakte, eine gute Ergänzung.
LöschenHallo Elvira,
AntwortenLöschenwunderbar hast du das Thema unterschiedlich umgesetzt. Da bekommt man gleich Lust auch etwas zu machen!
LG Doris :o)
Danke für's Reinschauen! Gerne, gerne mitmachen, spätestens im Mai könnte EPP für dich interessant sein!? Man "sieht" sich. LG
LöschenInteressant, deine verschiedenen Herangehensweisen. Bleichen ist natürlich auch eine tolle Idee. Mir gefallen am besten die ersten Stickversuche, und dort vor allem die Wellenflächen. Gerade auch wegen des Schatteneffekts.
AntwortenLöschenLiebe Grüße, heike
Bleichen ist gut, wenn nur der Chemiegeruch nicht wäre. Alternativ wäre Sonnendruck mit Seidenmalfarben möglich, geht ja auch im Ofen. Ich fand auch die erste Landschaft ganz anregend.
LöschenAuch mir gefallen deine Spielereien sehr. Bleichen ist eine schöne Idee, aber daran habe ich mich noch nie getraut. Ich mag die ganze Chemie nicht. Deine Stickereien gefallen mir sehr, ich mag die Effekte der verschiedenen Stickstiche. Die Umsetzung mit der Schabloniertechnik gefällt mir ebenfalls. Liebe Grüße Gabi
AntwortenLöschenSchablonieren kommt ja eigentlich erst im Oktober dran, hier hat es aber auch schon gepasst. Vielleicht auch als Tipps für später, welche Materialien dafür geeignet sind.
LöschenAch, wie schön! Schatz-weiß ist ein Klassiker, der hervorragend zum Thema passt. Und du zeigst eindrucksvoll, den besonderen Charakter des schwarz-weiß Gestickten (im Vergleich zum Papier, wie du selbst sagst). Deine Positiv-Negativ- Vögelchen gefallen mir ganz besonders. Als Paar unschlagbar.
AntwortenLöschenLG
Beate
Im Vergleich sieht man gut, wie sich der Schwerpunkt verschiebt, je nachdem welche Farbe der Hintergrund hat. Da hat sich das doppelte Spielen gelohnt.
LöschenDeine 4er Gruppe Stickereien und auch die Bäume im Dunkeln gefallen mir sehr gut. Textur ist immer wieder faszinierend.
AntwortenLöschenDein Entfärbe-Experiment ist spannend. Kann auch am Stoff liegen wenn es nicht entfärbt hat. Ich hatte mal ein ähnliches Ergebnis mit Chlor-Reiniger, welcher auch den Stoff angreifen kann.
Dein Plan B brauchte auch ein schönes Ergebnis.
LG Ute
Ich habe verschiedene Stoffe und Einwirkzeiten probiert und es machte keinen eklatanten Unterschied. Der Chlorreiniger war mir auch zu "gefährlich".
LöschenEin wahrer Fundus von Ideen zum Thema. So schön! Liebe Grüsse von Regula
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