Montag, 7. Oktober 2019

Mit Schere und Feder - Nadelbriefe 39 und 40

Letzte Woche war es etwas knapp mit einem ausführlichen Nadelbriefbericht, sodass mein Nadelbrief zum Thema Scherenschnitt nur einen flotten Auftritt auf instagram bekommen hat. Nun bin ich zurück von einem kühlen, nassen Ausritt auf zwei Rädern über's verlängerte Wochenende und zeige gerne noch ein paar Entwicklungsbilder zu No. 39.

Zuerst hatte ich tatsächlich einen traditionellen Scherenschnitt in schwarz-weiß ins Auge gefasst. Textiltechnisch ist das gut machbar, wenn man den gewählten Stoff mit Haftvlies hinterlegt, bevor man zu schneiden beginnt. Beim Wühlen in der Kiste mit vorbereiteten Stoffen, meist Batikstoffe, die sehr wenig fransen, spukte mir doch der englische Begriff "cut-outs" durch den Kopf und damit war ich unweigerlich bei Henri Matisse gelandet. Vielleicht waren es auch die vorgeschnittenen Blattformen in so typisch kräftigen "Matissefarben". Jedenfalls sollte es das sein.

Für den Nadelbrief habe ich meine Farbwahl auf nur wenige reduziert und mir zuerst einen Hintergrund gelegt.

 Und dann doch neue Formen ausgeschnitten und mit der "Komposition" gespielt. 

Ich habe mir nicht so viel Zeit genommen wie Matisse, der die gewählten Teile an die Wand gesteckt und so lange arrangiert und beschnitten hat, bis er fand, dass es gut war. Auch ist mein Format mit 11x11cm wesentlich kleiner als seine Bilder.

Aber man kann für die erste Übung gut seinen spontanen Eingebungen folgen und es dann irgendwann als 'fertig' festbügeln. Dabei sind bei mir einige weiße Flächen übriggeblieben, die ich aber dann spontan auch so 'integriert' habe.

Der Nadelbrief sollte gerne wie ein kleines Bild aussehen, weshalb ich eine Art Passepartout und einen braunen Bilderrahmen angenäht habe. 

Das Innenleben besteht aus einem Textstoff mit französischen Textcollagen, einem Filz und einem Stück Signatur, das ich von einem Plakat abgeschnitten habe.


Voilá, meine Hommage an den wohl berühmtesten Scherenschneider der Kunstgeschichte im Nadelbriefformat.

Nach dem Gestalten mit der Schere sollte es für den Nadelbrief No. 40 gerne wieder etwas Handgemachtes sein: Kalligrafie.


Ich besitze zwar einige Bücher über Schriftkunst und Lettering, musste aber doch erst einmal herausfinden, wo denn nun die Abgrenzung zur Typografie und zum Handlettering liegt. Eine gute Gegenüberstellung fand ich in Julia Kerschbaumers Buch:

Während die Typografie den Schwerpunkt auf die Gestaltung fertiger Buchstaben-Bausteine für Druckwerke, die "gesetzt" werden, legt, und es dabei verstärkt auf die Lesbarkeit ankommt, werden die Wörter bei der Kalligrafie "fließend" von Hand geschrieben, wobei Rhythmus und Druck auf das Schreibwerkzeug eine große Rolle spielen. Die Abstände und Größe der Buchstaben sollen dabei eine Textur, ein Gewebe bilden, das dem Auge gefällt. Beim dritten Typ, dem Handlettering, spricht man dagegen von "gezeichneter" Schrift, weil die (einzelnen) Wörter Schritt für Schritt anhand eines Layouts gezeichnet und herausgearbeitet werden, hauptsächlich für Plakate, Karten etc.

Um wirklich gut schönschreiben zu können, muss man lange und viel üben. Und das dann auch noch auf Stoff bringen zu wollen, war nun eine echte Herausforderung. 
Mein Kompromiss-Versuch: wenig Wörter, aber diese als Text möglichst augengefällig zu gestalten. Meine Wahl für den Text fiel auf: "Nähen verbindet", auch weil es ja beim Schreiben auch "Verbindungen" geben sollte.


Versuchsreihen auf Papier und dann der Test mit einem calligrafie duo Stift auf einen glatten Hemdenstoff geschrieben, kleine Schriftvariationen und Fehler inklusive.

Mit etwas Vlies hinterlegt, habe ich ein paar handgestickte Ligaturen eingearbeitet, bevor ich den Außenstoff mit dem Innenleben verstürzt habe.

Die für mich so schwungvoll schöne Handschrift meiner amerikanischen Freundin (links) und meiner deutschen Freundin (rechts) hatte ich früher schon einmal auf Stoff gezogen, kleine Restschnipsel erinnern mich nun an sie im Inneren.



Das ist nun mein Schrift gewordener Nadelbrief mit ein paar Hintergedanken, der sich in die schwungvolle Gesellschaft der anderen Nadelbriefe bei Frau Nahtlust begeben wird.

Gedanklich geht es in die Bauhaus-Woche.

 

Montag, 30. September 2019

Zurück zu den 30ern - Nadelbriefe 30, 31 und 34

Meine große Nachholarbeit für das Nadelbriefjahr ist immer noch nicht abgeschlossen. Ganz allmählich füllen sich aber die verbliebenen Lücken und bevor ich wieder meine aktuellen Briefe zeige, reiche ich heute gleich 3 Nadelbriefe nach. Also Achtung: Bilderflut!

 No. 30 Dickicht

Als die 'Dickicht-Woche' anstand, wurden bei uns gerade die Felder gemäht und das herumliegende Stroh nahm ich als Bild mit in die Umsetzung.
Mir fiel ein altes Teststück ein, an dem ich Monoprint ausprobiert hatte. Man trägt ein Farbschicht auf eine Platte auf, legt ein Stück Stoff darauf und zeichnet auf der Rückseite Muster, die sich dann auf die Vorderseite durchdrücken und übertragen.


In Kombination mit 'meinem Stroh', verstürzte Stoffbänder aus verschiedenen Applikationsprojekten, habe ich daraus mein ganz eigenes Nähdickicht verwoben.


Ein paar Knöpfe durften sich außen auch noch tummeln, kleine Nähkäfer quasi.

Für innen ergab sich ein ganz anderes Dickicht, nämlich die Schnittlinien eines Schnittbogens. Ein bisschen Durchblick verschafft die Tasche, Nadeln können es sich links und rechts auf dem Filz bequem machen.

Uff, damit war ich durch, durch den Dickicht-Nadelbrief.


No. 31: Rätsel

Rätsel fallen bei mir immer unter die Kategorie "Spiele", weil man sie spielerisch am besten löst. Worträtsel gefallen mir besonders gut, aber auch Zahlen dürfen es sein. So wundert es nicht, dass sich auf dem Nadelbrief beides vereint.
Was Zahlen angeht, sind ja Sudokus lange beliebt gewesen, und weil mir der Bildtransfer immer noch ein Rätsel ist, jedenfalls teilweise, habe ich mir selbst eines nach einer Vorlage auf Stoff gezeichnet und gestempelt.
 
Aus der Buchstabenecke kommen Kreuzworträtsel und Scrabble dazu. Der Kreuzwortdruck ist tatsächlich ein Gel medium Transfer, der mal geklappt hat, aber spiegelverkehrt. Das Scrabblebord ist eine laminierte Kopie und die Buchstaben der Ausdruck eines Fotos auf Stoff.
Gemixt und collagiert entstand daraus meine Nadelbrief-Außenseite.

Nicht zu vergessen die berühmten ??? - Die Drei Fragezeichen.

Fragezeichen gab mir auch die Schrift auf einem Stoff auf, den ich mal gekauft hatte, in der Annahme, es sei vielleicht arabisch oder indisch? Ich habe es nicht herausgefunden, nun ist er aber innen in meinem Nadelbrief verewigt.

 Wie immer: ein Täschchen und ein Filz für die zweckgebundene Verwendung.

Der Bildtransfer bleibt mir immer noch ein Rätsel, aber das Nadelbriefgeheimnis habe ich gelöst bekommen. 


Den Nadelbrief No. 32: Meer hatte ich schon gezeigt und No.33: Qualle ist noch in Arbeit, weshalb nun, endlich, die No. 34: das Streuobst seinen Auftritt hat.

Ich habe recherchiert, wie so oft, was man eigentlich unter Streuobst versteht und bin auf der NABU-Seite auf eine Liste bevorzugter Streuobstsorten gestoßen. Da gibt es Empfehlungen für Kirschen, Birnen, Äpfeln und Zwetschgen. Und alle haben ganz klangvolle Namen, die ich mir unbedingt merken wollte.

Warum nicht gleich auf die Außenseite meines Nadelbriefes schreiben? Da gibt es nun die Kirschsorten in rot, die Birnen in gelb und die Apfelsorten in grün zum Nachlesen.
Und weil die Streuobstbäume ja so heißen, weil sie auf der Wiese verstreut sind, habe ich auch meine Obstfilze auf einen Wiesenstoff gestreut.


Ein Obstnetztäschchen mit Reißverschluss für Garn und Kerne versteckt sich hinter/ unter den Früchten.

Ein fruchtig-frisches Erlebnis, dieser Nadelbrief und bestens geeignet, wenn man einmal beim Kirschenpflücken einen Knopf verliert und wieder annähen muss.

Wer bis hierher durchgehalten hat, hat eine Belohnung verdient. Ich danke vorerst allen, die immer wieder reinschauen, in mein Nadelbriefkabinett. Es fehlen noch 4 der vergangenen Wochen und nun nur noch das letzte Viertel. Ein Ende ist also abzusehen.

Bei Frau Nahtlust schaue ich immer gerne auch die anderen Interpretationen an, auch wenn die aktiven Beiträge sich ein wenig ausgedünnt haben. Da kommt bestimmt noch der dicke Endspurt.

 

Sonntag, 29. September 2019

Stoffspielereien - Miniaturen

Da ist er wieder, der Stoffspieler-Sonntag. 
Bezaubernde kleine textile Kostbarkeiten sammelt heute Karen auf ihrem Blog. Sie hat uns aufgerufen, Miniaturen zu gestalten, wobei sie alles, was kleiner ist als eine Postkarte, dazu zählt. Es darf genäht, aber auch gestickt oder gehäkelt sein, textiler Schmuck oder Knöpfe würden sich qualifizieren oder auch Nadelhefte. 
Naja, Nadelhefte sind nun schon das ganze Jahr 'mein Thema' und ungefähr 30 verschiedene Exemplare finden sich unter dem Label "Nadelbrief". 
Eine andere, verwandte nähtechnische Kleinigkeit ist mir zum Thema Miniatur aber  eingefallen: das bottlecap pincushion.

Ein Nadelkissen, das auf der Basis von Flaschendeckeln, Borten und etwas Stoff gefertigt wird. Eine kleine Handarbeit für die kühlen Abende auf dem Sofa.

Ausgangsmaterial sind Flaschen- oder Tetrapackdeckel, ein bisschen Filz für den Boden, ein Stück Borte, passender Stoffkreis, ein Stück Gardinenbleiband oder ein Stück Gummi, falls es für den Finger sein soll, und Näh- oder Stickgarn.

Die Borten sollten etwa so breit sein wie der Rand des gewählten Deckels, schmalere Borten kann man aber auch verbreitern, indem man sie vorher auf ein Stück Filz aufnäht. Die alten Borten sind in der Regel durchgewebt und haben einen feinen Webrand auf beiden Seiten, was mir meist besser gefällt. Heutzutage sind sie aber schwer zu finden oder entsprechend teuer.


Moderne Borten sind farbenfroher und vielvältiger in der Motivwahl. Hier sind die Ränder aber 'abgeschweißt', da die Bänder meist aus Polyestermaterial bestehen. Die Kanten sind entsprechend härter. Das Nähgefühl ist dabei ein anderes, funktioniert aber auch.

Ich wollte hier einmal meine Nähschritte zeigen und habe mich für eine moderne, dunkelblaue Borte und einen größeren Deckel für ein Stand-Nadelkissen entschieden. Man kann diese Art Nadelkissen auch als Ring-Nadelkissen machen, dann nehme ich aber kleinere Deckel als Basis.

Für den Boden fixiere ich ein Stück Filz mit Klebestift auf dem Deckel und schneide drumherum den Kreis aus.

Dann lege ich mein Stück Borte, mit der linken Seite außen, um den Rand und messe so den benötigten Umfang plus Nahtzugabe ab, indem ich die Borte feststecke. Den Ring wieder abnehmen und die Naht von oben nach unten zunähen. Das Nähgarn sollte so lang sein, dass man damit im Anschluss auch gleich den Bortenrand an den Filzboden nähen kann. Also nicht abschneiden, sondern hängen lassen, während man das Bortenteil auf die reche Seite wendet.

Die Nahtzugaben legt man am besten auseinander auf beide Seiten und stülpt den Bortenring dann, mit der schönen Seite nach außen, wieder auf den Deckel.

Als Verbindungsstich zwischen Boden und Rand hat sich ein Langettestich bewährt, den man einfach in der Runde arbeiten kann und der auch eine schöne Borte bildet. (Bei den dunklen Stoffen kann man das nicht so gut sehen.)

In das Bodenteil kommt dann eine Schnecke aus Gardinenbleiband zum Beschweren. Wahrscheinlich kann man auch etwas anderes nehmen, bei mir lag aber noch Material herum und das ist ja bestes Recycling. Für Gardinen verwende ich das nicht mehr.
 
Für die obere Hälfte schneidet man sich einen Stoffkreis aus (für große Deckel ca. 10cm Durchmesser) und reiht ihn mit einem reißfesten Faden (Quiltgarn) rundherum ein. Bevor man den Kreis zuzieht, kommt die Füllwatte bis zur gewünschten Härte hinein. Ich nehme gerne Rohwolle, weil es sich gut anfühlt und das Wollfett später auch die Nadeln noch gut schmiert.

Der zugezogene Kreis bildet dann eine kleine Kugel, die man kopfüber in das Bodenteil steckt. Das Nähgarn benutze ich auch oft noch zum Annähen, weshalb es gerne hängen bleiben darf.


Fixieren mit Stecknadeln ist hilfreich, ein einfacher Rückstich ist gleichzeitig Befestigung und Verzierung für den oberen Bortenrand. Ich habe zusätzlich noch einen Knötchenstich darauf gesetzt.

 
Und fertig ist das Miniatur-Recycling-Nadelkissen, bereit für den ersten Einsatz. Auch ein nettes Geschenk für eine/n Nähfreund/in.

Als Ringversion kann man mit dem Locher zwei Löcher in den Deckel machen (wie beim gelben Deckel auf dem zweiten Bild) und vor dem Verbinden ein Gummiband oder Gummikordel durch die Löcher ziehen. Das Bleiband lässt man dann weg, der Rest wird genäht wie beim Standnadelkissen.

Wie man sieht, habe ich noch eine kleine Kollektion, weil es eine Abwechslung zum Stricken oder Quilten ist, und weil meine alten Borten so ein zweites Leben bekommen.

Als Extra zum Miniatur-Sonntag möchte ich noch meine zwei Mini Stickereien anfügen. Sie sind schon ewig alt und heute würden es meine Augen auch nicht mehr so einfach mitmachen. 



Gestickt habe ich auf Nessel mit 2x2 Fäden als Maß für das Zählmuster. Der Greif ist eine Stecknadel hoch und zwei Stecknadeln breit (3 x 6cm). Das Folkoreherz war ein Geschenk für meine Schwiegermutter.
 
Karen sammelt heute all die feinen Miniaturen, in die ich mich einreihen möchte.

Im nächsten Monat wird es bei den Stoffspielereien "Handgewebtes" geben, ohne bestimmte Größenvorgabe. Webrahmen hätte ich, aber selbst das läst sich ja improvisieren.


Die Stoffspielereien
Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

27.10.2019: "Handweben" bei Schnitt für Schnitt http://schnittfuerschnitt.de/ 
24.11.2019: "Nähen auf Papier" bei Nähzimmerplaudereien https://naehzimmerplaudereien.com/

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach eine Mail oder einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein - ganz persönlich und individuell.