Samstag, 30. Mai 2026

Stoffspielerei mit English Paper Piecing (EPP)

Was man mit EPP alles machen kann

Wenn man in diesem warmen Mai ein textiles Projekt auf dem Sofa arbeiten wollte, musste es ein kleines, kühles Projekt sein, kein dicker Wollpullover. 
Wie praktisch, dass uns Ute von 123 Nadelei aufgefordert hat, ein Handnähprojekt in der Englischen Papier Methode als Stoffspielerei zu erforschen.
 
Mein allererster Kontakt mit Paper piecing wurde zum Nadelheft
 
Ich habe mich gefreut, als das Thema Anfang des Jahres auf der Liste erschien. Denn auch wenn ich schon einige Projekte in dieser Technik  gearbeitet und vorgestellt habe, wie den "Seven Sister" Quilt beim Thema "Handnähen" hier und ein "Libellchen" beim Thema "Ornament" hier, ist es doch eine gute Gelegenheit, seine Kenntnisse zu erweitern und an neuen Ideen zu tüfteln. Vor allem bleiben ja auch immer "Restbestände", an die man anknüpfen und die man quasi vollenden kann.

Rückseite des "Chapman Überwurfs" von ca 1830, Foto aus dem Katalog zur Ausstellung
 "Quilts 1700-2010" im V & A in London
 
Um exakte Patchworkmuster zu erstellen, hat man früher wie heute gerne Papierschablonen benutzt, anhand derer man die Nahtlinien auf der Rückseite der Stoffe markiert hat, um dann die einzelnen markierten Stoffteile mit Nahtzugabe auszuschneiden und entlang der Nahtlinien von Hand zusammenzufügen. Der Vorteil hierbei ist, dass man nur eine Schablone für alle Teile braucht.

Eine andere beliebte Methode war und ist, den Stoff über eine Papierschablone zu heften und die so geformten und fixierten Teile mit Überwendlichstich aneinander zu nähen. Dazu braucht man pro Teil eine Papierschablone, die am Teil verbleibt, da das Papier erst nach dem Zusammennähen eines größeren Stückes herausgenommen und für den neuen Stoffbezug wieder verwendet werden kann. Außerdem braucht man viele, exakt gleiche Schablonen.
 
Sechseck-Schablonen aus dem Überwurf zeigen die Vielfalt der verwendeten Papiere, aus dem o.g. Katalog

 
Heutzutage ist das kein Problem, es gibt Papier im Überfluss und mit einem Drucker oder Kopierer ist das exakte Kopieren einfach zu erreichen. Im 19. Jahrhundert aber wurde Papier noch handwerklich hergestellt und jedes Stück wurde sorgsam gehütet und hier auch für Schablonen genutzt. Im unvollendeten "ChapmanÜberwurf" fand man Schablonen, die aus Kinderschreibheften, Rechnungen, Briefen und Zeitungen geschnitten wurden. Ein wunderbares Zeitdokument.


Was sich bei mir gesammelt hatte, sind Rhomben als Überreste des "Seven Sister" Quilts. Meine Papierschablonen waren damals aus Kopierpapier (ich habe einfach 60° Rastervlies auf dem Kopierer vervielfältigt), das gut geeignet war, um den Stoff durch das Papier zu heften. Der Nachteil des dünnen Papiers und dieser Technik ist, dass man beim Zusammennähen die Kanten des Papiers  manchmal durchsticht und damit für den nächsten Einsatz schwächt bzw. unexakter macht. Und außerdem muss man alle Heftfäden wieder entfernen, bevor man die Schablone aus dem Stoff herausnehmen kann.
 
 
Beim Sechseckquilt von 2023 hatte ich deshalb schon auf die "Lieseltechnik" beim Heften umgestellt. "Erfunden" von Liesel Niesner, heftet man dafür den Stoff nicht durch, sondern nur über die Kanten der Papierschablone, die dann allerdings fester sein sollte (ich habe 160g/m2 Papier zum Drucken im Kopierer benutzt). Der Faden kann dann nach dem Zusammennähen der Teile im Stoff verbleiben und die Kanten des festeren Papiers nehmen weniger bis fast gar keinen Schaden. 
 
(Technische Anmerkung: beim Heften sollte man die Richtung des Heftens so legen, dass sich der Faden in den Ecken kreuzt, also wie beim Hexenstich. Dadurch werden die Seiten besser miteinander verspannt.)
 
Die Papiermethode eignet sich sehr gut für Muster, die eine Y-Naht erfordern, also alle 60° oder 30° Muster wie Sechsecke oder Dreiecke oder Trapeze, wie bei meiner neuen Quiltidee. Ich wollte nämlich mit halben Sechsecken arbeiten und ein Muster namens "Inner City ausprobieren. Trapezförmige Teile werden dabei so angeordnet, dass sich Y-Formen bilden, die durch die Tonwertanordnung räumlich wirken.

Mit meinem Handnähköfferchen habe ich es mir auf dem Sofa gut eingerichtet. Viele Hilfsmittel braucht man ja nicht. Überzogenen Büroklammern halfen mir, die Stoffe auf den Schablonen zu fixieren, bevor ich sie angeheftet habe.
 

Bald hatte ich eine Kiste voll, vier verschiedene Farben habe ich mir für den Anfang vorgenommen. Garnicht so einfach, immer drei verschiedene Schattierungen zusammenzustellen. Ich habe beim Kombinieren die Stoffe bewusst gemischt und nicht je zwei Gleiche für einen Tonwert vorgesehen.
 
 
Und dann war da noch die Frage der Reihenfolge des Zusammennähens: Erst die jeweils gleich getönten Teile mit der kurzen Seite aneinander nähen oder jeweils paarweise die Teile an der langen Kante?



Bei der ersten Variante ist es einfacher, die jeweils stimmigen Farbtöne zu kombinieren. Das ergibt am Ende einen besseren Übergang für die optische Wirkung.
 
 
Nächste Frage: sollen die Blöcke durch kleine Würfeleinheiten und in welcher Farbe aufgelockert werden?
 
Wenn die Blöcke Ton-inTon bleiben würden, könnte das funktionieren. Bei meiner bunten Farbmischung kann ich mir Bauklotzblöcke am besten in grau-schwarzen Schattierungen vorstellen. Das wirkt beruhigend.
 
Soweit bin ich nun also gekommen. Die Blöcke haben eine Ausdehnung von ca. 13x13cm und wieviele ich davon für eine Decke brauche, habe ich noch nicht ausgerechnet. Wenn der Juni so warm wird wie der Mai, werden wohl noch einige Abende ohne Stricken vergehen und mein Projekt weiter wachsen.
 
Für heute lehne ich mich erstmal zurück und freue mich auf die Papiermodelle der Mitspielerinnen. Ute sammelt heute alle Beiträge und freut sich, wenn Ihr mal reinschaut und einen Kommentar oder eine eigene Spielerei hinterlasst.
 
Im nächsten Monat geht es um "Tierisches" und ich werde als Gastgeberin nächste Woche ein paar Ideen und Anregungen in den Blog stellen.
 
Sonnigen Sonntag wünsche ich Euch.


Die Stoffspielereien

Bist du auch eine Stoffspielerin?

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Machst du nächstes Mal mit?

Stoffspielerei-Termine 2026:

28.06.2026: „Tierisches“ bei zwisch-en-durch

Juli und August: Sommerpause

27.09.2026: „Die Kunst des Weglassens“ bei Tyche's Touch

25.10.2026: „Schablonieren“ bei Siebensachen zum Selbermachen

29.11.2026: „Teppiche“ bei made with Blümchen




 



Sonntag, 26. April 2026

Altes in Neuem - textile Spielerei

Nachhaltigkeit beim Umgang mit Textilien ist ein Dauerbrenner, wenn man die Umwelt und den Geldbeutel schonen will. Das Wissen um die Herstellung der Fasern für unsere textilen Begleiter verschwindet zunehmend und mit ihm auch das Wissen und das Handwerk für ihre Pflege und Erhaltung. Ganz zu schweigen von der Möglichkeit zur künstlerischen Aufwertung. 

Karen von feuerwerk by KaZe hat uns eingeladen, uns (wieder) mit "Altem in Neuem" zu beschäftigen. Ihr Inspirationsbeitrag ließ mich kurzfristig daran denken, ein Kleidungsstück aus meiner Zeitschrift von 1962 zu fertigen. Bei Durchblick der Modelle schien mir die "Taillenlinie" allerdings nicht mehr ganz angemessen (hust) und ich nahm davon Abstand.
 
 
Dann fiel mir die Anleitung und ein Probestück für eine alte Handwerkstechnik in die Hände, die sie erwähnte, und das wurde mein heutiges Projekt: Nadelbinden.

ein Musterstück aus einem Anfänger Workshop

Nadelbinden ist eine alte Technik, mit der man aus Fasern in einer Schlingentechnik textile Flächen herstellt, die direkt als Kleidungsstücke wie Mützen, Handschuhe, Netze etc. gearbeitet werden oder auch als Taschen und Decken zusammengefügt werden können. Nadelbinden wird als Vorläufer des Strickens und Häkelns angesehen.

Man kann pflanzliche und tierische Fasern gleichermaßen verwenden, die nur abschnittweise gesponnen oder gekordelt werden müssen. Als Nadel dient eine 8-10cm lange, flache und stumpfe Nadel aus Holz oder früher auch aus Horn bzw. Knochen.
Die angewendete Schlingentechnik ähnelt dem Sticken eines Festonstiches, nur ohne Stoffunterlage, freihand gearbeitet. Im einfachsten Fall arbeitet man eine Netzstruktur, es gibt jedoch eine große Vielfalt an komplizierteren Stichen, je nach Ursprungsregion und Schlingentechnik (ein Blick auf die Wikipediaseite lässt erahnen, wie weit verbreitet diese Technik früher war).
 
 
 
Mein Musterstück hatte ich damals aus Wolle gearbeitet, was mich schon zwei Dinge gelehrt hat: 1. es ist eine ziemlich langwierige Angelegenheit, eine Stück in dieser Technik zu schaffen und 
2. man kann nicht endlos arbeiten, also nicht vom Knäuel. Da man den Faden wie beim Sticken immer  in ganzer Länge durch die vorhergehende Schlinge ziehen muss, arbeitet immer nur in armlangen Stücken, die man dann immer wieder ansetzen muss. Bei Wolle als Material bedeutet das: gesponnenes Garn am Ende aufdröseln, mit dem neuen Faden verdrehen und dann verfilzen. Sehr mühsam!
 
Wolle als Material fiel also aus und das Projekt sollte überschaubar bleiben. Meine Wahl fiel schließlich auf ein neues Netz für meine Knoblauchknolle, die in der Küche (noch im Plastiknetz) hängt aus Leinengarn, das ich von einer Freundin geerbt hatte.
 
Bei der Suche nach einer Anleitung für eine Netzbindung blieb ich bei Sally Pointers Kanal hängen, die Netze aus Bast fertigt. Dazu dreht sie die einzelnen Baststreifen zu Kordeln, was ich mit meinem Leinengarn auch tun musste. Noch eine alte Technik: das Drehen von Kordeln von Hand.
 
Eigentlich ziemlich simpel: man hat zwei Stränge in der rechten Hand, die man gegeneinander verdreht. Man nimmt einen Strang zwischen Daumen und Zeigefinger und den anderen zwischen Ring- und kleinen Finger und kreuzt sie ein Mal übereinander. Dann dreht man den oberen Strang, den zwischen Daumen und Zeigefinger, von sich weg - nach hinten - mit ein paar Umdrehungen, hält das fest und schlägt dann den zweiten, unteren Strang von hinten nach vorne  unter den oberen. Damit kreuzt man die beiden Stränge und der untere wird zum oberen. Jetzt wechselt man die Finger und dreht den oberen, neu gefassten Strang wieder ein paar Umdrehungen nach hinten und kreuzt den neuen, unteren wieder von hinten nach vorne unter den oberen. Und so weiter. (ein Video dazu findet man bei Sally Pointer hier
 
Ich hatte mit zweifädigem Leinengarn begonnen, nur um festzustellen, dass das gekordelte Garn zu schwach war und sich beim ständigen Durchziehen auflöste. Dann bin ich auf 3-4 Fäden pro Strang umgestiegen, was sehr viel stabiler war.
 
 
Nachdem ich eine Armlänge gekordelt hatte, konnte es mit einem Ring und Festonschlaufen losgehen. Ambitioniert wie ich war, habe ich gleich eine doppelte Schlinge eingesetzt, die schon bald ein drehendes Eigenleben entwickelt hat.

 
Also fügte ich in der zweiten Reihe eine einfache Schlinge an und habe insgesamt immer wieder zwischen den Schlingen gewechselt.
Auch das Ansetzen von neuen Fäden war einfacher als mit Wolle, weil ich die Fäden einfach überlappend mit einarbeiten konnte statt sie verzwirbeln und verfilzen zu müssen.

 

Inzwischen war mein Knoblauch vertrocknet und ich habe als Abschlussbild Zwiebeln zur Demonstration genommen. Der Beutel ist ziemlich klein geworden und durch das Leinengarn auch nicht ganz locker. Trotzdem ist das Nadelbinden eine gemütliche Handarbeit, die man gut am Abend auf dem Sofa machen kann.
 
 
Dass man das Kordeln auch mit dünneren Stoffstreifen aus Baumwolle machen kann, habe ich früher schon einmal ausprobiert. Im Ergebnis bekommt man dann natürlich eine dickere Kordel, die Technik ist die gleiche. Ich habe sie dann als Geschenkband verwendet.

 
Auch aus 7mm breiten Jeanssstreifen habe ich schon einmal versucht, ein Kordelnetz herzustellen.
 

Das Kreuzen der Richtungen war nicht so schwer, aber was ich mit den Enden anfangen soll, weiß ich bis heute noch nicht. Ein Experiment eben, das die Hände beschäftigt hielt und ganz gut in die Stoffspielerei-Liste passt.

Nun kann ich meinen späten Beitrag doch noch zur Gastgeberin Feuerwerk by KaZe abschicken und mir die anderen "aus Alt mach Neu" Ideen bei den Mitspielerinnen anschauen. 
Gleich danach wartet schon die nächste Handarbeit: English paper piecing im Mai.
Auch eine schöne Gartenbank-Tätigkeit.

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Dezember: Winterpause







Samstag, 28. März 2026

Taschenspielerei ohne Tricks - Stoffspielerei

Als ich das März-Thema "Taschen" von PeterSilie & Co für die Stoffspielerei Challenge gelesen habe, war ich zunächst ratlos. Was kann ich aus diesem Bereich noch neu herausfinden? 

Vielleicht sollte ich eine Tasche an einem Kleidungsstück ausprobieren: eine aufgesetzte Faltentasche, eine Pattentasche an einer Weste, Hüftpassentaschen oder Klappentaschen? Derzeit habe ich nur leider keinen Kleiderbedarf, also blieb die alte Frage: Brauche ich für irgendetwas eine neue Tasche? Näh- und Strickbedarf ist schon gut untergebracht, auch zum Einkaufen gibt es bestimmt 5 Varianten an Taschen. Es gibt Taschen für Workshops und sogar kleine Köfferchen.

Aber dann fiel mir mein neues Hobby ein und dafür konnte ich einen neue Tasche brauchen.
 
Die kleine Sopran Ukulele kam mit einer sehr einfachen schwarzen Tasche, die mir zu trist war für dieses fröhliche Instrument (siehe Bild am Ende) und so war die Idee für mein "Projekt" geboren.
 
 
Der erste Schritt war, einen Schnitt zu erstellen, was allerdings nicht so schwer war, weil ich die schwarze Tasche als Muster nehmen konnte. Als Verbesserungen sollte die Tasche etwas größer sein, wattiert sein, zwei Träger bekommen (die schwarze hat nur einen), eine Tasche außen für die Notenblätter und extra eine Tasche für das Stimmgerät haben.

Bei der Stoffauswahl hatte ich eine gewisse Wetterfestigkeit im Auge, wenngleich ich auch meine begrenzten Nähmöglichkeiten für dicke Stoffe mit der Haushaltsnähmaschine berücksichtigen musste. Nicht zu vergessen: die Nachhaltigkeit und keinen neuen Stoff dafür zu kaufen.
Zum Glück gibt es immer Reste von früheren Projekten und für die Tasche habe ich schließlich Musterstücke  aus einem Möbelhaus reaktiviert und patchworkmäßig kombiniert.
 
 
Den Schnitt konnte ich gut als Maßstab benutzen, bevor ich die Teile in Form geschnitten, sie mit Bügelvlies und Futterstoff hinterlegt und die Außenkanten mit Zickzackstich versäubert habe. Ich wollte die Nähte innen haben und sie mit Schrägband später verkleiden.


Die vorbereiteten Taschenteile habe ich von Hand sowie - unter der Außentasche - mit der Maschine mit Zierstichen verziert und gleichzeitig verstärkt. Die kleine Außentasche bekam einen Reißverschluss, der mit einer Seite auf das Vorderteil gesteppt wurde. Die Außenkante konnte offen auf dem Vorderteil fixiert und später mit dem Seitenteil mitgefasst werden.
Als Träger habe ich Gurtbänder verwendet, die mal als Transportsicherung für unsere neuen Fenster fungiert haben. Man soll ja nichts wegwerfen. Farblich passen sie perfekt.
 
 
Das Seitenteil ist ein durchgehender Streifen, der auch wattiert und abgesteppt wurde.
 
 
Etwas fummelig ist es immer, die Reißverschlüsse einzuarbeiten. Für die Tasche brauchte ich einen langen Endlosreißverschluss mit zwei Zippern. Es hat sich bewährt, an den Enden des Reißverschlusses Stoffstücke als Übergang zu den Stoffteilen anzunähen. So reduziert man die Stoffdicke und bekommt glattere Kanten.
 
 

Normalerweise nähe ich diese Übergangsstücke von beiden Seiten an den Reißverschluss an. Wie es aussieht, wenn man es nur von außen macht, konnte ich dann hier sehen: nicht schön. Das würde ich beim nächsten Projekt wieder anders machen.
Hier kann man auch sehen, wie die Innennähte mit Schrägband versäubert wurden. Eine Seite wurde mit der Nähmaschine aufgenäht, das Band dann um die Nahtzugabe, oder wie hier, die Kante des Reißverschlusses geschlagen, und dann von Hand angenäht. 
 

So hat die Ukulele nun ein neues Zuhause, und auch für das Stimmgerät ist ein extra Täschchen dabei. Sieht das nicht viel anregender aus als die Originaltasche?
Ich bin froh über diesen Zuwachs (man kann DOCH nicht zuviele Taschen haben ;-)) und werde wohl beim Lesen der Taschenbeiträge ein paar fröhliche Töne anschlagen.
 
 
PeterSilie & Co sammelt heute alle Ideen und Varianten. Danke dafür!

Die Stoffspielereien

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Stoffspielerei-Termine 2026:

26.04.2026: „Altes in Neuem“ bei feuerwerk by KaZe

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Dezember: Winterpause


 


  
 
 

Sonntag, 22. Februar 2026

Licht und Dunkelheit - eine Stoffspielerei

Die Tage werden länger, der Schnee erhellt immer wieder die sonst düsteren Februartage und ganz allmählich verlassen wir die dunkelste Zeit im Jahr.
 
Die Stoffspielerei im Februar hat das Thema "Licht und Dunkelheit", das Anne Sophie von "heyyoskar" vorgeschlagen hat und sie sammelt heute auch alle Ideen und Lichtblitze für uns.

Sowohl "Licht" als auch "Dunkelheit" setzen gleich viele unterschiedliche Assoziationen frei: stimmungsvoll beleuchtete Szenen, wilde Blitze vor dunklem Wolkenhimmel, fantasievolle Schattenspiele und es ist eigentlich egal, ob das im Sommer oder Winter stattfindet.
 
Ich werfe ganz banal einen ersten Blick (vom Bett aus) zum Fenster. Dort beobachte ich gerne, wie sich allmählich das Licht aus der Dunkelheit entwickelt, wie Schatten über die Wand und Lichtstrahlen durch die halbgeöffneten Jalousien geworfen werden. Dabei habe ich mich gefragt, wieviel "Dunkelheit" es braucht, um das Licht auszusperren oder anderherum auch: wieviel Licht es braucht, um die Dunkelheit zu vertreiben.

Meine Idee also, dunkel auf hell und hell auf dunkel zu arbeiten. 
Die beste textile Technik, die die Lichtschichtung mittels "Dunkel auf Hell" ausdrücken konnte, schien mir sticken zu sein. Ich wollte ausprobieren, wie ich mit verschiedenen Garnen (dicker, dünner, heller, dunkler) und verschiedenen Stichanordnungen andere "Dichten" erzeugen kann.
Als Materialien habe ich weißen Baumwollstoff gewählt, verschiedene nichtfarbige Garne gewählt und mit einem Stickrahmen in den quadratischen Musterflächen gestickt.

graues Leinengarn, Wolle/Acryl Garn, 30er Nähgarn, Stickgarn

erstes Feld mit Vorzeichnung
 
Die jeweiligen ausgedachten Muster habe ich mit einem wasserlöslichen Bleistift leicht auf dem Stoff vorskizziert, mich dann aber von meiner Intuition beim Sticken leiten lassen. Insgesamt habe ich in 4 Feldern verschiedene Richtungen sowie zunehmende Garnmischung beim Sticken ausprobiert. In Feld 1 ist alles nur schwarz, in Feld 2 nur Grau, in Feld 3 findet man tonal abgestufte Grauwerte und im letzten Feld Schwarz-graue Überlagerungen.
Zudem ist in jedem Feld die Richtung der Stiche anders. Ich habe aber immer nur Geradstiche eingesetzt.


Das Ergebnis ist bewusst eher grafisch und ich mag die plastische Wirkung der Stiche, die zusätzlich Licht und Schatten erzeugen, besonders wenn man die Muster von der Seite betrachtet. Diese Art des "mark making" in Textil hat einen ganz eigenen Charakter, den man mit einem Stift auf Papier nicht erreichen könnte.
 



 
Um meine zweite Idee von "Hell auf Dunkel" umzusetzen, wollte ich Motive mit Discharge Paste aus dunklem Stoff herausfärben. "Discharge Paste" ist eine Entfärberemulsion, die man frei oder mittels Schablonen oder Stempel auf den Stoff aufbringt und einwirken lässt. Dann bügelt man den Stoff heiß und feucht und idealerweise entfärbt sich der Stoff dann dort, wo die Emulsion aufgebracht wurde.
 
Eine solche Emulsion befindet sich schon seit langem in meinem Fundus und ich war guter Dinge, sie nun endlich einsetzen zu können.

 
Die ersten Versuche, eine Entfärbung mit einer dünnen Schicht der Emulsion hatten  überhaupt keinen Effekt (kein Bild), dann habe ich die Emulsion dick mit der Spachtel aufgetragen. Meine Motive waren eine Libellenschablone aus Plastik und eine Vogelschablone aus Freezer Paper.

All meine Bemühungen waren jedoch fruchtlos. Bis auf einen leichten Chlorgeruch und eine schwache Entfärbung bei nächtlicher Trocknung hat sich da nichts (mehr) getan. Die Paste ist wohl doch zu alt gewesen und ich konnte mich nicht überwinden, einen Chlorreiniger zu kaufen, der ja zum Entfärben eine Alternative gewesen wäre.

nach dem Entfärben
 
So habe ich die Schablone für eine andere Technik benutzt und die Idee des "hell auf dunkel" in einer Schabloniertechnik ausprobiert, Textilfarbe und Stupfpinsel sei Dank.
 

 
Und weil ich bei der ersten Schablone die Hell-Dunkel-Verteilung vertauscht hatte, habe ich eine zweite, ähnliche Version geschnitten und gedruckt. Erwartungsgemäß ergibt die Schablone scharfe Kanten und keine weiche, verschwommenen Linien wie sie das Entfärben gebracht hätten. Hier habe ich auch keine weiteren Stickstiche angefügt, das schien mir nicht passend.
 
Stattdessen gibt es ein Finale mit einem "weiß auf schwarzen" Stickbild, in dem ich als Variante neben Geradstichen nun auch mit  Kettstichen, Knotenstichen, Plattstichen und Federstichen gespielt habe. Diese Anordnung wirkt auch noch grafisch, die Motive aber organischer, finde ich.

 
Auch wenn dieses Mal nicht alles nach Plan ging, bin ich ganz zufrieden mit den Ergebnissen und was die Discharge Paste angeht, wird, wenn sie entsorgt ist, auch wieder etwas mehr "Licht" in meiner Materialsammlung sein.
 
Danke an Anne für das Vorschlagen und Sammeln der Lichtblicke an diesem Sonntag.
 
 

Die Stoffspielereien

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Stoffspielerei-Termine 2026:

29.03.2026: „Taschen“ bei Petersilie und Co

26.04.2026: „Altes in Neuem“ bei feuerwerk by KaZe

31.05.2026: „Englisch Paper Piecing“ bei 123-Nadelei

28.06.2026: „Tierisches“ bei zwisch-en-durch

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