Samstag, 27. Juni 2026

Stoffspielereien - Tierisch(es)

Der Juni hat sich entschieden, extrem sommerlich zu werden und wir tragen derzeit alle Sorge, dass wir genug trinken, immer im Schatten oder im Haus bleiben und die Hitzewelle gut überstehen. Und wir denken auch an alle Tiere, die sich nicht selbst versorgen können, draußen im Garten, im Haus und heute speziell in unserer Nähstube.
 
"Tierisch" ist das Stoffspielerei Thema in diesem Monat und es ist wohl das erste Mal, dass ich von einem missglückten Flug- bzw. Nähversuch berichten kann, und wie ich doch noch einen "großen Fang" gemacht habe.
 
Ich freue mich, wieder Gastgeberin sein zu dürfen und stelle hier gerne die Sammlung der anderen Teilnehmerinnen zusammen.
 (Wie immer genügt ein Link zu eurem Beitrag in den Kommentaren, um auf die Liste zu hüpfen)
  •  Tyche‘s touch gestaltet einen Nachtschwärmer, Tagfalter und beginnt eine maritime Holbeinstickerei
  •  Petersilie & Co taucht tief in die Texturen von Haut und Schuppen ein
  • Gabi- langer Faden hat ihre Stickmaschine flitzen lassen und T- Shirts verschönert
  • Feuerwerk by KaZe hat eine perlend frische Käferbrosche gestaltet
  • Stoffnotizen hat sich ebenfalls eine luftige Schmetterling Origami Spielerei ausgesucht
  • Babajeza entführt uns in luftige Höhen mit einem EPP Projekt und zeigt ihre Tiersammlung
  • Merle colibri nimmt uns mit auf einen Spaziergang mit Fischtäschchen und tierischen Spazierstöcken
  • 123 Nadelei zeigt eine ungewöhnliche und tierisch „versponnene“ Idee, die Zeit zu messen
  • Heyy Oskar hat sich an ein ganz warmes Textil und einen wahren Spruch gewagt



 
 
Mein Ansatz für die tierische Stoffspielerei einer Eule geht zurück auf ein Buch, das ich seit langem im Regal habe und endlich ein Modell ausprobieren wollte. Hier werden Wald- und Wiesentiere aus einer Mischung aus verfilzten Strickwaren (wie alten Pullovern) und Baumwollstoffen mit einem rustikalen Touch, überwiegend von Hand genäht, gezeigt. 
Ich hatte zwar unlängst meine alten - und dafür vorgesehenen - Pullover doch entsorgt ("diese Tiere mache ich ja doch nicht mehr"), aber von Gabi - langer Faden kamen vor Kurzem unverhofft schöne, dünne Wollstoffmusterstücke bei mir an, die meines Erachtens auch gut dafür geeignet waren.

Die Schnittteile für eine große Eule waren schnell herausgepaust und eine feine Stoffkombination ausgewählt. Zuerst wird die Körpergrundfigur genäht und ausgestopft und dann die Applikationsteile und Stickereien angebracht. Soweit so einfach.
 

Der Boden war schnell geschlossen und eine Kiste mit Materialien bereit für das Sticheln auf dem Sofa. In der Anleitung stand, dass alle Teile inklusive Nahtzugabe sind, nur dass mir beim Anbringen des ersten Flügels schon Zweifel über die Größe aufkamen und erst recht beim Gesichtsteil.

Viel zu groß! Wahrscheinlich hätte sich ein Strickstoff beim Ausstopfen gedehnt und der Körper wäre runder und größer geworden. Mit dem gewebten Wollstoff hatte ich keinen Stretch und so blieb der Körper kleiner und eckiger. Was tun? Nachschneiden oder neu schneiden? Nach zwei Tagen lustloser Bedenkzeit habe ich beschlossen, dass ich weder - noch mache und diese Spielerei nicht vollenden werde. Wohl das erste Mal in meiner Teilnahmegeschichte. Das war letzte Woche. 
 
Ich weiß, dass wir hier auch über unsere missglückten Projekte berichten dürfen, aber irgendwie war mir das doch zu wenig. In so einer Situation hilft meist ein Blick in "das Meer der vergangenen Ideen" und so habe ich mich kurzerhand als Fischerin betätigt:  Fische aus Leinenresten sollten es sein. Das war auch in kurzer Zeit und bei sommerlichen Temperaturen ohne lange Maschinenzeit machbar, und auch schon lange auf der "Wunschliste"
 

 
Für die Fischformen braucht man eigentlich keine komplizierten Schablonen und zwei Stoffe für Kopf und Körper sind schnell mit der Maschine zusammengesetzt und aufeinandergenäht. Die Kurven schneidet man an den Nahtzugaben am besten vor dem Wenden ein, dann legen sich die Nahtzugaben geschmeidiger in die Rundungen. Hilfreich sind zum Wenden von schmalen Teilen auch ein Trinkhalm und ein Essstäbchen (wenn es interessiert, ergänze ich gerne diesen Trick noch).
 
Dann die Fische mit Füllmaterial stopfen und die Wendeöffnung unsichtbar schließen (meine Öffnungen sind alle am Bauch, das schien mir authentisch). 
Zum Sticken habe ich dünnes Perlgarn benutzt und mich nach und nach an verschiedenen Verzierungen versucht. Beim bauchigen Fisch (oben) kam schon eine etwas vereinfachte Seitenflosse dazu, die später mit einer Borte aufgehübscht wurde.
 
 
Nach der blauen Serie kam ein gelb-orangerner Schwarm angeschwommen, bei dem auch meine alten kleinen Holzperlen endlich einmal zum Einsatz kamen.


Der große runde Fisch (oben) bekam zusätzlich eine Bauchbinde, unter die ich bequem die Seitenflossen einfügen konnte.
 


 Zwei besondere Exemplare sind die Regenbogenforelle und der kleine Gestreifte.
 
 
Als Augen dienten flache Holzscheiben mit Glasperlen oder Knöpfe.


Die Schwanzflossen sind meist gerade oder mit einem Bogen oder einer Borte versehen.
 

So bin ich am Ende doch ganz zufrieden mit meinem "Fang" und hatte eine fröhlich inspirierende Beschäftigung an den Sommerabenden.

Wir begeben uns damit in die Sommerpause, an den luftigen Strand oder in die kühlen Berge und sehen uns Ende September bei Tyche's Touch wieder.

 
Bleibt gesund und gute Erholung!
 

Die Stoffspielereien

Bist du auch eine Stoffspielerin?

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Machst du nächstes Mal mit?

Stoffspielerei-Termine 2026:

Juli und August: Sommerpause

27.09.2026: „Die Kunst des Weglassens“ bei Tyche's Touch

25.10.2026: „Schablonieren“ bei Siebensachen zum Selbermachen

29.11.2026: „Teppiche“ bei made with Blümchen





Samstag, 6. Juni 2026

Tierisches - ein paar Inspirationen zur Stoffspielerei

 
ein tierisch praktischer Türstopper
 
Ich begrüße alle neugierigen Stoffspielerinnen, die noch unentschlossen sind, wie sie das Junithema angehen sollen und / oder ein paar Ideen und Inspirationen suchen.
 
"Tierisch" kann man ganz wörtlich nehmen und Spielereien und Experimente mit tierischen Fasern ausprobieren: Wolle, Felle, Leder, Seide, da soll es keine Beschränkung geben.
 
Nicht jede/r verträgt diese Fasern, die unseren eigenen ja so ähnlich sind, oder möchte sie aus moralischen Gründen verwenden. Dann interessieren uns besonders vegane Alternativen wie "veganes Leder", Kunstseide oder Wollalternativen. Habt ihr damit schon Erfahrung gemacht und wie verwendet man sie am besten? 
 
Auch bei den Techniken und Projekten kann man aus dem Vollen schöpfen: gestrickt, gehäkelt, genäht, gedruckt, gewebt, geknotet und natürlich auch aus nicht tierischen Materialien. 
Hier ein paar Beispiele aus meinem Fundus, selbst gemacht oder selbst erstanden.
 

ein tierisches Nadelheft und Amigurumi
 
Der Sommer eignet sich auch prima zum Filzen im Freien, es müssen ja nicht gleich Fingerpuppen sein wie diese hier, Handarbeit einer Freundin.


Beim Entspannen im Garten oder auf dem Balkon fliegt auch schon mal der ein oder andere Vogel oder ein Insekt vorbei.
 
Appliziert

gestickte Patches als Flicken für die Jeans

 
Ich bin sicher, es wurden auch schon Wünsche für Kleidung und Accessoires von Freunden, Kindern und Kindeskindern an euch herangetragen, wie z.B. Babyschuhe aus Lammfell , ein Kimono aus Seide, eine Mütze aus Wolle, Kostüme für Fasching oder ganz spezielle Kuscheltiere. Alles ist willkommen!


eine Tasche aus dem "Minecraft" Universum
 
Damit fliege ich nun in mein Arbeitszimmer und versuche mein Glück mit einer tierischen Spielerei, die schon lange auf meiner Liste steht.
 
 
Wir sehen und am Sonntag, 28. Juni wieder hier auf diesem Blog, denn ich habe das Vergnügen, die Beiträge im Juni zu sammeln und zu verlinken.
 
Eine gute Zeit und frohes Schaffen!
 

Die Stoffspielereien

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Stoffspielerei-Termine 2026:

28.06.2026: „Tierisches“ bei zwisch-en-durch

Juli und August: Sommerpause

27.09.2026: „Die Kunst des Weglassens“ bei Tyche's Touch

25.10.2026: „Schablonieren“ bei Siebensachen zum Selbermachen

29.11.2026: „Teppiche“ bei made with Blümchen

 

Samstag, 30. Mai 2026

Stoffspielerei mit English Paper Piecing (EPP)

Was man mit EPP alles machen kann

Wenn man in diesem warmen Mai ein textiles Projekt auf dem Sofa arbeiten wollte, musste es ein kleines, kühles Projekt sein, kein dicker Wollpullover. 
Wie praktisch, dass uns Ute von 123 Nadelei aufgefordert hat, ein Handnähprojekt in der Englischen Papier Methode als Stoffspielerei zu erforschen.
 
Mein allererster Kontakt mit Paper piecing wurde zum Nadelheft
 
Ich habe mich gefreut, als das Thema Anfang des Jahres auf der Liste erschien. Denn auch wenn ich schon einige Projekte in dieser Technik  gearbeitet und vorgestellt habe, wie den "Seven Sister" Quilt beim Thema "Handnähen" hier und ein "Libellchen" beim Thema "Ornament" hier, ist es doch eine gute Gelegenheit, seine Kenntnisse zu erweitern und an neuen Ideen zu tüfteln. Vor allem bleiben ja auch immer "Restbestände", an die man anknüpfen und die man quasi vollenden kann.

Rückseite des "Chapman Überwurfs" von ca 1830, Foto aus dem Katalog zur Ausstellung
 "Quilts 1700-2010" im V & A in London
 
Um exakte Patchworkmuster zu erstellen, hat man früher wie heute gerne Papierschablonen benutzt, anhand derer man die Nahtlinien auf der Rückseite der Stoffe markiert hat, um dann die einzelnen markierten Stoffteile mit Nahtzugabe auszuschneiden und entlang der Nahtlinien von Hand zusammenzufügen. Der Vorteil hierbei ist, dass man nur eine Schablone für alle Teile braucht.

Eine andere beliebte Methode war und ist, den Stoff über eine Papierschablone zu heften und die so geformten und fixierten Teile mit Überwendlichstich aneinander zu nähen. Dazu braucht man pro Teil eine Papierschablone, die am Teil verbleibt, da das Papier erst nach dem Zusammennähen eines größeren Stückes herausgenommen und für den neuen Stoffbezug wieder verwendet werden kann. Außerdem braucht man viele, exakt gleiche Schablonen.
 
Sechseck-Schablonen aus dem Überwurf zeigen die Vielfalt der verwendeten Papiere, aus dem o.g. Katalog

 
Heutzutage ist das kein Problem, es gibt Papier im Überfluss und mit einem Drucker oder Kopierer ist das exakte Kopieren einfach zu erreichen. Im 19. Jahrhundert aber wurde Papier noch handwerklich hergestellt und jedes Stück wurde sorgsam gehütet und hier auch für Schablonen genutzt. Im unvollendeten "ChapmanÜberwurf" fand man Schablonen, die aus Kinderschreibheften, Rechnungen, Briefen und Zeitungen geschnitten wurden. Ein wunderbares Zeitdokument.


Was sich bei mir gesammelt hatte, sind Rhomben als Überreste des "Seven Sister" Quilts. Meine Papierschablonen waren damals aus Kopierpapier (ich habe einfach 60° Rastervlies auf dem Kopierer vervielfältigt), das gut geeignet war, um den Stoff durch das Papier zu heften. Der Nachteil des dünnen Papiers und dieser Technik ist, dass man beim Zusammennähen die Kanten des Papiers  manchmal durchsticht und damit für den nächsten Einsatz schwächt bzw. unexakter macht. Und außerdem muss man alle Heftfäden wieder entfernen, bevor man die Schablone aus dem Stoff herausnehmen kann.
 
 
Beim Sechseckquilt von 2023 hatte ich deshalb schon auf die "Lieseltechnik" beim Heften umgestellt. "Erfunden" von Liesel Niesner, heftet man dafür den Stoff nicht durch, sondern nur über die Kanten der Papierschablone, die dann allerdings fester sein sollte (ich habe 160g/m2 Papier zum Drucken im Kopierer benutzt). Der Faden kann dann nach dem Zusammennähen der Teile im Stoff verbleiben und die Kanten des festeren Papiers nehmen weniger bis fast gar keinen Schaden. 
 
(Technische Anmerkung: beim Heften sollte man die Richtung des Heftens so legen, dass sich der Faden in den Ecken kreuzt, also wie beim Hexenstich. Dadurch werden die Seiten besser miteinander verspannt.)
 
Die Papiermethode eignet sich sehr gut für Muster, die eine Y-Naht erfordern, also alle 60° oder 30° Muster wie Sechsecke oder Dreiecke oder Trapeze, wie bei meiner neuen Quiltidee. Ich wollte nämlich mit halben Sechsecken arbeiten und ein Muster namens "Inner City ausprobieren. Trapezförmige Teile werden dabei so angeordnet, dass sich Y-Formen bilden, die durch die Tonwertanordnung räumlich wirken.

Mit meinem Handnähköfferchen habe ich es mir auf dem Sofa gut eingerichtet. Viele Hilfsmittel braucht man ja nicht. Überzogenen Büroklammern halfen mir, die Stoffe auf den Schablonen zu fixieren, bevor ich sie angeheftet habe.
 

Bald hatte ich eine Kiste voll, vier verschiedene Farben habe ich mir für den Anfang vorgenommen. Garnicht so einfach, immer drei verschiedene Schattierungen zusammenzustellen. Ich habe beim Kombinieren die Stoffe bewusst gemischt und nicht je zwei Gleiche für einen Tonwert vorgesehen.
 
 
Und dann war da noch die Frage der Reihenfolge des Zusammennähens: Erst die jeweils gleich getönten Teile mit der kurzen Seite aneinander nähen oder jeweils paarweise die Teile an der langen Kante?



Bei der ersten Variante ist es einfacher, die jeweils stimmigen Farbtöne zu kombinieren. Das ergibt am Ende einen besseren Übergang für die optische Wirkung.
 
 
Nächste Frage: sollen die Blöcke durch kleine Würfeleinheiten und in welcher Farbe aufgelockert werden?
 
Wenn die Blöcke Ton-inTon bleiben würden, könnte das funktionieren. Bei meiner bunten Farbmischung kann ich mir Bauklotzblöcke am besten in grau-schwarzen Schattierungen vorstellen. Das wirkt beruhigend.
 
Soweit bin ich nun also gekommen. Die Blöcke haben eine Ausdehnung von ca. 13x13cm und wieviele ich davon für eine Decke brauche, habe ich noch nicht ausgerechnet. Wenn der Juni so warm wird wie der Mai, werden wohl noch einige Abende ohne Stricken vergehen und mein Projekt weiter wachsen.
 
Für heute lehne ich mich erstmal zurück und freue mich auf die Papiermodelle der Mitspielerinnen. Ute sammelt heute alle Beiträge und freut sich, wenn Ihr mal reinschaut und einen Kommentar oder eine eigene Spielerei hinterlasst.
 
Im nächsten Monat geht es um "Tierisches" und ich werde als Gastgeberin nächste Woche ein paar Ideen und Anregungen in den Blog stellen.
 
Sonnigen Sonntag wünsche ich Euch.


Die Stoffspielereien

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Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

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Stoffspielerei-Termine 2026:

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Juli und August: Sommerpause

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Sonntag, 26. April 2026

Altes in Neuem - textile Spielerei

Nachhaltigkeit beim Umgang mit Textilien ist ein Dauerbrenner, wenn man die Umwelt und den Geldbeutel schonen will. Das Wissen um die Herstellung der Fasern für unsere textilen Begleiter verschwindet zunehmend und mit ihm auch das Wissen und das Handwerk für ihre Pflege und Erhaltung. Ganz zu schweigen von der Möglichkeit zur künstlerischen Aufwertung. 

Karen von feuerwerk by KaZe hat uns eingeladen, uns (wieder) mit "Altem in Neuem" zu beschäftigen. Ihr Inspirationsbeitrag ließ mich kurzfristig daran denken, ein Kleidungsstück aus meiner Zeitschrift von 1962 zu fertigen. Bei Durchblick der Modelle schien mir die "Taillenlinie" allerdings nicht mehr ganz angemessen (hust) und ich nahm davon Abstand.
 
 
Dann fiel mir die Anleitung und ein Probestück für eine alte Handwerkstechnik in die Hände, die sie erwähnte, und das wurde mein heutiges Projekt: Nadelbinden.

ein Musterstück aus einem Anfänger Workshop

Nadelbinden ist eine alte Technik, mit der man aus Fasern in einer Schlingentechnik textile Flächen herstellt, die direkt als Kleidungsstücke wie Mützen, Handschuhe, Netze etc. gearbeitet werden oder auch als Taschen und Decken zusammengefügt werden können. Nadelbinden wird als Vorläufer des Strickens und Häkelns angesehen.

Man kann pflanzliche und tierische Fasern gleichermaßen verwenden, die nur abschnittweise gesponnen oder gekordelt werden müssen. Als Nadel dient eine 8-10cm lange, flache und stumpfe Nadel aus Holz oder früher auch aus Horn bzw. Knochen.
Die angewendete Schlingentechnik ähnelt dem Sticken eines Festonstiches, nur ohne Stoffunterlage, freihand gearbeitet. Im einfachsten Fall arbeitet man eine Netzstruktur, es gibt jedoch eine große Vielfalt an komplizierteren Stichen, je nach Ursprungsregion und Schlingentechnik (ein Blick auf die Wikipediaseite lässt erahnen, wie weit verbreitet diese Technik früher war).
 
 
 
Mein Musterstück hatte ich damals aus Wolle gearbeitet, was mich schon zwei Dinge gelehrt hat: 1. es ist eine ziemlich langwierige Angelegenheit, eine Stück in dieser Technik zu schaffen und 
2. man kann nicht endlos arbeiten, also nicht vom Knäuel. Da man den Faden wie beim Sticken immer  in ganzer Länge durch die vorhergehende Schlinge ziehen muss, arbeitet immer nur in armlangen Stücken, die man dann immer wieder ansetzen muss. Bei Wolle als Material bedeutet das: gesponnenes Garn am Ende aufdröseln, mit dem neuen Faden verdrehen und dann verfilzen. Sehr mühsam!
 
Wolle als Material fiel also aus und das Projekt sollte überschaubar bleiben. Meine Wahl fiel schließlich auf ein neues Netz für meine Knoblauchknolle, die in der Küche (noch im Plastiknetz) hängt aus Leinengarn, das ich von einer Freundin geerbt hatte.
 
Bei der Suche nach einer Anleitung für eine Netzbindung blieb ich bei Sally Pointers Kanal hängen, die Netze aus Bast fertigt. Dazu dreht sie die einzelnen Baststreifen zu Kordeln, was ich mit meinem Leinengarn auch tun musste. Noch eine alte Technik: das Drehen von Kordeln von Hand.
 
Eigentlich ziemlich simpel: man hat zwei Stränge in der rechten Hand, die man gegeneinander verdreht. Man nimmt einen Strang zwischen Daumen und Zeigefinger und den anderen zwischen Ring- und kleinen Finger und kreuzt sie ein Mal übereinander. Dann dreht man den oberen Strang, den zwischen Daumen und Zeigefinger, von sich weg - nach hinten - mit ein paar Umdrehungen, hält das fest und schlägt dann den zweiten, unteren Strang von hinten nach vorne  unter den oberen. Damit kreuzt man die beiden Stränge und der untere wird zum oberen. Jetzt wechselt man die Finger und dreht den oberen, neu gefassten Strang wieder ein paar Umdrehungen nach hinten und kreuzt den neuen, unteren wieder von hinten nach vorne unter den oberen. Und so weiter. (ein Video dazu findet man bei Sally Pointer hier
 
Ich hatte mit zweifädigem Leinengarn begonnen, nur um festzustellen, dass das gekordelte Garn zu schwach war und sich beim ständigen Durchziehen auflöste. Dann bin ich auf 3-4 Fäden pro Strang umgestiegen, was sehr viel stabiler war.
 
 
Nachdem ich eine Armlänge gekordelt hatte, konnte es mit einem Ring und Festonschlaufen losgehen. Ambitioniert wie ich war, habe ich gleich eine doppelte Schlinge eingesetzt, die schon bald ein drehendes Eigenleben entwickelt hat.

 
Also fügte ich in der zweiten Reihe eine einfache Schlinge an und habe insgesamt immer wieder zwischen den Schlingen gewechselt.
Auch das Ansetzen von neuen Fäden war einfacher als mit Wolle, weil ich die Fäden einfach überlappend mit einarbeiten konnte statt sie verzwirbeln und verfilzen zu müssen.

 

Inzwischen war mein Knoblauch vertrocknet und ich habe als Abschlussbild Zwiebeln zur Demonstration genommen. Der Beutel ist ziemlich klein geworden und durch das Leinengarn auch nicht ganz locker. Trotzdem ist das Nadelbinden eine gemütliche Handarbeit, die man gut am Abend auf dem Sofa machen kann.
 
 
Dass man das Kordeln auch mit dünneren Stoffstreifen aus Baumwolle machen kann, habe ich früher schon einmal ausprobiert. Im Ergebnis bekommt man dann natürlich eine dickere Kordel, die Technik ist die gleiche. Ich habe sie dann als Geschenkband verwendet.

 
Auch aus 7mm breiten Jeanssstreifen habe ich schon einmal versucht, ein Kordelnetz herzustellen.
 

Das Kreuzen der Richtungen war nicht so schwer, aber was ich mit den Enden anfangen soll, weiß ich bis heute noch nicht. Ein Experiment eben, das die Hände beschäftigt hielt und ganz gut in die Stoffspielerei-Liste passt.

Nun kann ich meinen späten Beitrag doch noch zur Gastgeberin Feuerwerk by KaZe abschicken und mir die anderen "aus Alt mach Neu" Ideen bei den Mitspielerinnen anschauen. 
Gleich danach wartet schon die nächste Handarbeit: English paper piecing im Mai.
Auch eine schöne Gartenbank-Tätigkeit.

Die Stoffspielereien

Bist du auch eine Stoffspielerin?

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

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Stoffspielerei-Termine 2026:

31.05.2026: „Englisch Paper Piecing“ bei 123-Nadelei

28.06.2026: „Tierisches“ bei zwisch-en-durch

Juli und August: Sommerpause

27.09.2026: „Die Kunst des Weglassens“ bei Tyche's Touch

25.10.2026: „Schablonieren“ bei Siebensachen zum Selbermachen

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Dezember: Winterpause