Freitag, 14. Juni 2019

Ein Wirbelwind und etwas Transparentes - Nadelbriefe 24 und 20

Heute wieder Nadelbriefe im Doppelpack. Eigentlich sollte ich zwei Posts daraus machen, damit man die Wochen besser findet, aber zwei hintereinander schafft man schon, denke ich.

Zuerst wieder der aktuelle Nadelbrief aus Woche 24: Wirbelwind. 

Es gibt sie in verschiedenen Ausprägungen, die Wirbelwinde, mit unterschiedlichen Namen wie Bhoot oder Gustnado, gut gefallen haben mir auch die Bezeichnungen "Staubteufel" für die Kleintromben und "Bilwis". Hier in der Mitte Deutschlands nimmt die Windstärke schon merkbar zu und ich denke, es wird  noch heftiger werden in den nächsten Jahren, weil sich die Luftströmungen in den hohen Schichten nachhaltig verändern. Ich erwarte noch mehr stürmische Zeiten.

Für meinen eigenen kleinen "Wirbelwind" habe ich ganz kindlich-spielerisch in die Schnipselkiste gegriffen und mir ein paar harmonisch-fröhliche Farben ausgesucht. Das Wort "Wirbelwind" war schnell auf ein extra Stück Stoff geschrieben und dann konnte das Wirbeln losgehen.

Einmal mit der Hand in den Schnipseln gewühlt und die Teile, die schon mit Haftvlies bebügelt waren, an den Stellen fixiert, an denen sie liegen geblieben waren.

Über die Schnipsel habe ich ein luftiges Stück Organzagelegt und die Mitte der Wirbel ausgeschnitten, die ich dann mit freihändig nadelmalerischen Wirbeln umkreist habe.

Von hinten kann man das ganz gut erkennen. Das verschwindet ja dann hinter der Innenseite, die eher ruhig die Aufbewahrungselemente für's Nähen bereit hält.

Nadelfilz und ein Reißverschlusstäschchen sind immer praktisch.

Ein Bändchen soll den Wirbelwind im Zaum halten und die Nadeln an ihrem Platz.


Nadelbrief No. 20: Transparenz

Luftig sollte auch der transparente Nadelbrief werden
Das kann man am besten mit durchscheinenden Materialien erreichen: leichtes Leinen, Käseleinen, Batist, Organza, Tüll, Vliese und Plastikfolie ist meine Auswahl an Zutaten.


Nähtechnisch ist die Kappnaht am besten geeignet, um diese dünnen Stoffe zu verbinden, ohne dass sie ausfransen. Man kennt diese Naht heutzutage auch unter dem koreanischen Namen 'Pojagi'. Das Schöne daran ist, dass man den entstandenen Stoff von beiden Seiten verwenden kann und die Nähte zusätzlich zu starken Gestaltungslinien werden.


Ein Stück in der passenden Größe habe ich komplett verstürzt, so dass man von Vorne nach Hinten oder auch von Innen nach Außen durchschauen kann. Weil die feinen Stoffe allein zu lapprig wären, habe ich als Verstärkung zwischen die Lagen die klare Plastikfolie eingeschoben. Ein wenig glänzt es nun durch das Käseleinen.

Zu den hellen Naturfarben gefiel mir der schwarze Verschlussknopf mit dem Band als Kontrast ganz gut.
Innen wiederholt sich das Schwarz auf dem Scherentäschchen, ein Druck meiner Freundin Eva Maria, der nun auch eine 'Heimat' gefunden hat.

Schwieriger war es, einen dünnen Nadelfilz zu finden, aber das dünne Vlies in doppelter Lage wird wohl ein paar dünne Nadel aushalten können.

Und so ist mein transparenter Nadelbrief auch vollendet. Wieder eher schlicht, und grafischer als gedacht. Ein ganz netter Kontrast zum Wirbelwind.


Meine ersten Nadelbriefe mussten schon in eine größere Kiste umziehen, aber ich finde das Format als 'Leinwand' für die unterschiedlichen Themen so reizvoll, dass ich mich gedanklich immer wieder damit beschäftige und Ideen habe. Wenn ich dann auch die Zeit finde, sie umzusetzen, werden eben solche Nadelbriefe daraus. Irgendwann finden sich bestimmt Menschen, die sie gerne benutzen werden.


Mehr Inspirationen wie immer bei Frau Nahtlust.


Der Nadelbrief vor blauem Himmel
 

Mittwoch, 12. Juni 2019

Who's perfect - Nadelbriefe 23 und 21

Ich bin wieder 'drin' im 'Nadelbriefen'!
Nach einer gefühlt langen Schaffenspause, habe ich einen neuen Rhythmus für die Nadelbrief-challenge gefunden. Ein Schritt vor und einer zurück. 
Mein Plan: Zwei Nadelbriefe in einer Woche, den aktuellen und dann immer weiter rückwärts bis Woche 16. 
Heute also der Nadelbrief von letzter Woche: Who's perfect? und aus Woche 21: Unvollendet.

Who's perfect? 
Auf diese Frage gibt es eigentlich nur eine Gegenfrage: 
Who WANTS to be perfect? 
Ich glaube nicht, dass es die 'perfekte' Person gibt, und auch die meisten Dinge sind nicht für immer perfekt, weil sich alles verändert. Also nie so bleibt, wie es war.
Und das trifft den Kern von Wabi Sabi, der japanischen Mentalität, die die Natur immer im Fluss sieht und versucht, sich mit allen damit verbundenen Aspekten zu verbinden.
Und weil mir diese Einstellung so gut gefällt, habe ich die drei Leitsätze 

 Create beauty
value imperfection
live deeply

als Thermofaxschablone herstellen lassen und für mein Porträt verwendet. 
Testdrucke davon sollten nun in meinen Nadelbrief verarbeitet werden.

Die Schnittstelle hatte ich mit goldenem Faden verbunden und als Außenseite ein Stück Boro ausgesucht.

Irgendwie hat es aber nicht richtig zusammengepasst. Das Borostück war mir zu wild, ein roter japanischer Stoff zu fransig für die gedachten offenen Kanten und überhaupt ...

Auch nach ein paar Stunden handnähen blieb nur auftrennen und komplett neu beginnen. 'Value imperfection' bedeutet ja nicht, dass man schlampig näht, sondern dass man sich mit den Unzulänglichkeiten versöhnt und das Beste daraus macht. Handwerklich sollte es aber bestmöglich sein. Da gehört auch auftrennen dazu.

Neue Stoffe, andere Kombination und dann auch wieder ein Stück ruhiges Leinen haben mich auf den gefühlt passenden Weg gebracht.




Verschlüsse sind schwierig zu finden, hier ist es ein alter Druckknopf an einem gewebten Leinenband, das mir eine Freundin einmal geschenkt hat.

Innen ein gefärbtes Damasttischtuch mit meinen Lieblings-Knötchenstichen gehalten und verziert.

Die kleine Tasche bietet gerade soviel Platz wie nötig für Garn und Fingerhut.
Ein schlichter, kleiner, praktischer Nadelbrief.
Perfekt?


Woche 21: Unvollendet

Eigentlich passend, den unvollendeten Nadelbrief hinterher zu gestalten. 'Unvollendete Stücke' finden sich viele in meinen Stoffkisten und so ist der Nadelbrief eine freie Kombination aus verschiedenen Versatzteilen geworden.


Angefangen bei einem Musterstück Sashiko (das ich fü den Nadelbrief damals nicht gefunden hatte), einem Reststück japanischen Text und einem applizierten Leuchtturm, der es nicht mehr zum Schlüsselanhänger geschafft hat.
"Unvollendet" sind auch die halben Druckknöpfe, ein halber Reißverschluss und Ösen ohne Haken.

Auf der Gegenseite fliegt eine kleine paper-piecing Möwe um ein Reststück Leuchtturm. Der Möwenkopf wird zum Pinguin, appliziert auf einem Stück, das eigentlich (waagrecht gelegt) einen Himmel darstellen sollte. Auch hier finden sich halbe Druckknöpfe als Blümchen und Fliege. Die "Extraschicht" stammt von einem Ruhrpottquilt.



Zwei unterschiedliche Bindebänder helfen diesem Nadelbrief, sich unter Verschluss zu halten.


Es ist ein ganz lustiger, vollendet unvollendeter Nadelbrief geworden. 
Und für mich voller Erinnerungen. 

Am Ende der Woche folgen Brief 24 und 20. Die sind nämlich auch schon fertig.

Das große Nadelbriefjahr 2019 bei Frau Nahtlust geht auf die Halbzeit zu. 
Schaut mal rein!



Dienstag, 11. Juni 2019

Origami-Skizzenbuchhülle

Meine asiatische Papierliebe am Montag Teil 2 kommt heute mal am Dienstag. 
Statt der angekündigten Blockbindung zeige ich eine wunderbar schnelle Hülle für Notizhefte, oder kleine Reise-Skizzenbücher wie bei mir. Eine Variante zu Frau Nahtlust's Origami-Umschlägen, die sie diese Woche vorgestellt hat.

Die Falttechnik kam mir vor zwei Jahren bei der Frühlingspost "Bücher" zum ersten Mal unter die Finger, und weil sie so anpassungsfähig ist, habe ich sie schon häufiger eingesetzt (zuletzt für die Dankes-Extrapost). 
Für die asiatische Variante habe ich ein japanisches Einpackpapier verwendet (wer kann das schon wegwerfen?), das für mein A6 Format von 7,5 x 10,5cm gerade groß genug war.

Prinzipiell benötigt man ein Papier, das ca. 2x so hoch und 3 bis 4x so breit ist wie die gewünschte Endgröße, also für ein Heft mit Größe A6 reicht ein A4 Papier.

Das Deckpapier faltet man zunächst von unten und von oben auf die Höhe des Buches (10,5cm). Als Deckel- und Rückenmuster, und zur Verstärkung, habe ich zwei  dünne Pappstücke 7,5 x 10,5cm zugeschnitten, die von innen eingeklebt werden.

Da mein Buch ein Leporello mit einer gewissen Rückendicke (1,2cm) sein wird, lasse ich in der Mitte einen Abstand zwischen den Pappen. Für ein einfaches Heft braucht man das nicht notwendigerweise. 
Dann faltet man den seitlichen Überstand um die Längskante. Das wird später die Einstecklasche für das Heft oder Buch.
Wenn man auch ein Bindeband einfügen möchte,fixiert man es am besten jetzt mittig hinter den Pappen und klebt es später auch fest. Um das Band durch das Deckpapier nach außen zu bekommen, mache ich einen kleinen Schlitz in der Falte.


Fertig geklebt und montiert sieht der Einband dann so aus. (Je nach Ausgangshöhe treffen sich die oberen und unteren Klappen nicht unbedingt. Mein Papier war größer und ich wollte es nicht abschneiden, deshalb überlappen die Klappen.)

Dann steckt man nur noch die erste und letzte Seite des Heftes oder Buches in die Laschen und fertig ist der Origami-Bucheinband.

Bereit für die Reisenotizen aus Asien, oder jedem anderen Teil der Welt. Vielleicht darf das Büchlein mit auf die nächste Reise, auch wenn es nur bis ins Trentino geht.

Mehr asiatische Papierimpressionen, Stempel, Collagen und Kalligraphie sammeln sich bei Frau Nahtlust im Juni.

Montag, 3. Juni 2019

Stille - Nadelbrief No. 22 und asiatische Papierliebe

Lange genug habe ich still und leise vor mich hingearbeitet, genäht, gezeichnet und eine fiese Erkältung auskuriert. Viele Nadelbriefe sind mir 'durch die Lappen' gegangen, auch wenn ich für einige gedankliche Planungen festgehalten habe. Es fehlte doch die Energie, sie in Stoff umzusetzen. Wahrscheinlich kommen sie so nach und nach hinterher, weil es doch zu spannend ist. Versprechen will ich nichts.

Zum Thema "Stille" von letzter Woche habe ich mir eine Weile den Kopf zerbrochen. So richtig "still" ist es ja tatsächlich auf dieser Welt fast nie. Selbst in der Nacht zirpen noch Grillen oder es huscht ein Getier durch's Gebüsch. Wer weiß, vielleicht machen auch die Sterne Geräusche? 

Auf der Minipressenmesse in Mainz ist mir ein kleines Büchlein aufgefallen, das sich, in Anlehnung an ein Puppentheaterstück, sehr poetisch mit dem Thema "Geräusche" befasst.

Es geht um ein kleines Geräusch, das sein "Ding" nicht finden kann. Auf der Suche begegnet es natürlich vielen Dingen, die ganz unterschiedliche Geräusche machen, aber alle nicht "sein" Ding sind. Am Ende finden sich das Geräusch und sein "Ding", aber welches das ist, verrate ich natürlich nicht. Eine feine kleine Geschichte aus einem feinen kleinen Verlag. (* unbezahlte Werbung


Mich hat die Geschichte auf die Spur für "meine" Stille gebracht. Es ist keine große, langanhaltende Stille, sondern eine kleine, immer wiederkehrende Stille: der Moment zwischen Aus- und Einatmen. Ein klitzekleiner Inne-Haltepunkt zwischen Bewegungen, ein unbewußter Rhythmus.

Die Stille, der Nadelbrief, sollte blau sein, als Farbe der Entspannung, der Luft, des Wassers. Und ich fand als stofflichen Startpunkt ein Restestoffdrucktuch. Wenn beim Drucken Farbe übrig bleibt, meistens auf der Schaumstoffrolle, drücke ich oft zweckfreie Muster auf ein Reststück Stoff, so auch hier. Rechts sind Tropfenformen entstanden, die bizarren Formen links sind mein 'Handabdruck', der entstanden ist, als ich den Stoff um die Rolle gelegt und sie ausgedrückt habe.
Die runden Formen symbolisieren für mich die Ein- und Ausatmenbewegung. Um das zu verstärken, habe ich meinen 'Stille-Gedanken' auf den Stoff gestempelt.

Schon beim ersten Wort "der" hatte ich den Stempel auf dem Kopf gedruckt. Nicht gut. Aber dann habe ich den "Fehler" einfach beim "und" wiederholt und auf der Innenseite auch mit anderen Worten mehrfach benutzt.

Um die "Stille" nicht zu stören, habe ich den Nadelbrief ganz von Hand genäht. Das Rattern der Nähmaschine hätte mich irritiert. 

Ergänzt durch Stickstiche bekam der Nadelbrief langsame Bewegungsmuster und kleine Orte der Stille, außen wie innen.


Die Faltung habe ich so gelegt, dass der kleine "Moment des Innehaltens" sichtbar bleibt.

So werde ich wohl immer auch beim Nähen daran erinnert, dass man Stille und Bewegung miteinander verbinden kann, oder besser: dass sie miteinander verbunden sind.


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Ein neuer Monat hat begonen und bringt eine neues Papierliebe-Thema: Asien.
Frau Nahtlust lässt uns damit ganz schön viel Freiraum, denn der asiatische Raum scheint mir riesengroß. Und da das Papier ja bekanntlich auch auch Asien kommt, sollte es nicht schwer sein, diesen Monat mit Ideen zu füllen.

Ich greife zu Beginn auf eine altes Projekt zurück. Eine Freundin hatte mir aus Thailand zwei kleine Tücher mitgebracht. Eines davon wurde schon vor längerer Zeit zu einem textilen Bucheinband.

Den Stoff hatte ich auf eine starke Vlieseinlage gebügelt und die Ränder mit einem ganz schmalen Satinstich umrandet.

Die Papierlagen sind mit einem Langstich über zwei gelbe Bänder geheftet und provisorisch an den Deckeln befestigt gewesen. Was noch fehlte, waren die Vorlagepapiere.


Ein Papier vom Februar passte als Grundlage farblich gut zum roten Einband und ich hatte die verwegene Idee, es mit einem Stempel verzieren. Meine Schnitzfähigkeiten sind leider immer noch nicht die besten (frustrierend), und ich wollte das Vorhaben schon verwerfen. Aber ich habe inzwischen gelernt, auch aus den Fehlern das Beste zu machen und habe die zweite Version dann eben mit einem fast goldenen Rand  'verschönert'.

Ein paar blaue Striche und gelbe Punkte verbinden die Formen farblich mit dem Rest vom Papier. Damit kann ich jetzt leben.

So hat mir das Papierliebethema geholfen, wieder ein unvollendetes Büchlein zum Abschluss zu bringen. win-win.


Und lässt mir Raum für weitere asiatische Kreationen. Die japanische Blockbindung habe ich schon probiert. Davon zeige ich dann nächste Woche etwas.

Einen guten Start in die sommerliche Woche.