Sonntag, 29. März 2020

Stoffspielereien - Draht und Stoff

Dieser Tage sortieren sich die Vorhaben und Abläufe immer wieder neu und bei alledem hätte ich fast die Stoffspielereien vergessen. Frau Nahtlust ist diesen Monat die Gastgeberin. Ihr Ideenfunke: Verbindungen von Stoff und Draht.
Da ich spät dran bin heute, konnte ich schon ganz fantastische Skulpturen und Modelle auf der Sammelliste bewundern. Wirklich schön und anregend, schaut mal rein.

Mein Beitrag ist dagegen eher profan und für den Alltag (oder Festtag?) gedacht, nicht ganz neu, aber ein Produkt, das im letzten Jahr reißenden Absatz fand: ein Haarband mit Draht.


Man benötigt dafür nicht viele Materialien und nur eine halbe Stunde Zeit und schon kann die Gartenparty steigen, wenn wir mal wieder eine feiern dürfen.

Mein Stoffstreifen ist 20 x 120cm groß und vom Aludraht braucht man ein Stück von etwa 125cm. Der Draht liegt bei meinem Modell in einem Tunnelstreifen in der Mitte des Bandes, so dass er nicht verrutschen kann.
Den Tunnel schaffe ich mir mit einer Rechts-links-Naht, auch als französischen Naht bekannt. 

Man legt dafür den Stoff der Länge nach zuerst links auf links und näht an der Schnittkante zuerst eine schmale Naht (o,5cm) über die ganze Länge. Danach fingerbügelt man die Naht am besten zu einer Seite, dann lässt sich die Kante der zweiten Naht besser glatt legen.
Nun den Schlauchstreifen auf rechts wenden und den Streifen mit einer zweiten, etwas breiteren Naht (evtl. einfach die Nadelposition verstellen) nochmal abnähen. Dabei eine ca 3cm lange Öffnung lassen, in die später der Draht eingefädelt wird. Die zweite Naht versteckt die offen Kanten der ersten Naht, weshalb sie etwas breiter als die erste Nahtzugabe sein sollte.

Die Naht auf die Mitte falten und feststecken, und für die spitzen Enden eine Markierung von 60° anbringen. Daran entlang eine Schmalseite ganz schließen, die andere Schmalseite nur zur Hälfte, um eine Wendeöffnung zu behalten. Die überstehenden Ecken abschneiden und den Schlauch wenden.


Die Wendeöffnung mit einem unsichtbaren Stich von Hand schließen.

Für den Draht die Länge des Bandes abmessen und je Seite ca 1,5cm für das Bilden einer runden Öse zugeben. Mit einer Zange die Enden zu einer Öse drehen, damit der Draht später nicht durch den Stoff sticht.

Den Draht durch die kleine Öffnung fädeln. Diese Öffnung lasse ich offen, dann kann man den Draht zum Waschen später wieder herausnehmen. Oder man lässt ihn drin, ist ja aus Alu.

Et voilà, das Haarband ist fertig.
Ich bin leider kein gutes Kopfmodell, aber ich bin sicher, der ein oder anderen Stoffspielerin steht so ein Haarband gut. Ich fertige sie meist für eine Freundin, die ethnische Mode aus farbenfrohen afrikanischen Stoffen entwirft.

Nun begebe ich mich zurück an den Nähtisch, bereit meine alte Jeans zu flicken. 
Apropos: vielleicht sollte ich mich da schon an das Werk für nächsten Monat machen? Es werden Ideen für "visible mending", also sichtbares, kunstvolles Stopfen gesucht. 
 


Die Stoffspielereien

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Bist du nächstes Mal auch dabei?

Die nächsten Termine:
26.04.2020: „Visible Mending“ bei 123-Nadelei
31.05.2020: „Blumen“ bei Petersilie & Co
28.06.2020: „Monogramme“ bei made with Blümchen
Sommerpause
27.09.2020: „Texturen aus der Natur“ bei Schnitt für Schnitt
25.10.2020: „Textile Behältnisse“ bei Feuerwerk by kaze
29.11.2020: (Thema noch offen) bei Nähzimmerplaudereien



 

Mittwoch, 11. März 2020

Alte Schichten, neuer Frühling

Temperaturmäßig, gefühlt ist die Natur noch im Wintermodus, obwohl die Winde schon ganz kräftig die alten Blätterschichten wegblasen und den darunterliegenden Frühling freilegen.

Meine Tulpen kämpfen sich tapfer durch, als Inspiration für das Mittwochs-Mix Märzthema: Schicht und Tulpen habe ich aber vorerst nur das Blätterwerk in natura zur Verfügung. Oder einen Topf gekaufter Zwiebelblüher.

Beim Thema "Tulpen" falle ich leicht ins gängige Musterschema und habe beim Rückblick in meine Musterbücher schon ein paar Stempeldrucke ausprobiert.

einer der ersten Radiergummistempel und einer aus Müller'schem Workshop 2018
Auch geschichtete Tulpen aus Transparentpapier und Washitape sind aufgetaucht.



Und doch möchte ich diesmal versuchen, die Blume mal von einer anderen Seite zu entdecken, den Blickwinkel zu verändern oder mal ganz anders auf Details zu schauen.


Vielleicht gelingt es mit Fineliner und ein paar Schichten Aquarellfarbe?


Oder eine Collage mit Briefumschlagmuster? Das kann ich mir auch gut in textil vorstellen und noch ausprobieren. Applikationen sind ja Schichtungen schlechthin.


Zu guter Letzt habe ich mich diese Woche dann an einem Muster mit Schablone versucht. Denn obwohl ich nicht offiziell am Postkunstdrucken teilnehme, ist das Tulpenthema doch eine guter Kandidat, um meine eigenen Schablonen-Stoffdruckideen zu testen. Man muss da ganz andere technische Hürden meistern als wenn man einen Stempel zum Drucken benutzt.


Als extra Variante lässt sich hier wunderbar ein Muster "reinschichten", indem man ein Stück Kartoffelsacknetz unter die Schablone legt.

Ein Anfang ist gemacht, nun heißt es: ran an den Stoff und weiter experimentieren. 

Und weiter geduldig warten, bis meine Tulpen sich wieder in herrlicher Frühlingspracht entfalten.


Mehr farbenfrohe Tulpenexemplare schichten sich bei Frau Nahtlust und der Müllerin in der Märzsammlung für den Mittwochsmix.


 

Sonntag, 23. Februar 2020

Stoffspielereien - Megaknit im Februar

Als ich das Stoffspielereien-Thema von bimbambuki zum ersten Mal gelesen habe, konnte ich mir nichts wirklich Konkretes darunter vorstellen. Zum Glück hatte sie ein paar Beispiele parat und ich bin am Stricken hängen geblieben. Gerne hätte ich das Armstricken ausprobiert, aber beim Blick in meine Wollkiste wollte ich "nachhaltig" bleiben und zuerst meine Bestände  als Grundlage nehmen. Die erste Idee war, ein Kissen zu stricken, aber dann fand meine Tochter, sie könnte auch eine Decke brauchen und so soll es nun eine Kniedecke werden.

Die größte Stricknadel, die ich finden konnte, Gr. 12, war mein Maßstab, für die ich mir eine passende Wolldicke aus verschiedenen naturfarbenen Garnen zusammengewickelt habe.
Größe 12 ist nun nicht wirklich XXL, eher XL, aber wenn man sonst Socken mit Nadelstärke 2,5 strickt, ist Größe 12 schon 4 mal so groß. Und auch die Knäuel kamen mir riesig vor.

Mein Musterstück aus Dreifach-Garn mit 30 Maschen und 40 Reihen brachte ein Quadrat von 35 x 35cm. Ich wollte aber nicht allzuviel zusammennähen und habe mich für 3 Streifen à 4 Quadrate entschieden. Anfangs dachte ich, meine Wolle würde gut reichen, aber immer wieder musste ich neue Kandidaten aus der Wollkiste holen, Quadrate zählen und Stücke wiegen, und am Ende sogar noch nach Wolle in diversen Läden stöbern, damit ich meine Wunschgröße auch erreichen konnte.


Mustertechnisch wechseln sich glatt rechts gestrickte Flächen mit Perl- und Würfelmustern ab. Eingeknüpfte kurze Wollfäden geben ein paar Farbtupfer.


Die Fäden auf der Rückseite dürfen lose hängenbleiben
Heute waren dann endlich alle drei Streifen fertig, obwohl ich für meine Verhältnisse früh angefangen habe, und ich bereit zum Zusammennähen.

Mit Nähclips konnte ich die Streifen gut vorfixieren, Stecknadeln hätten hier versagt.

Meine Decke misst ca. 110 x 150cm, wiegt am Ende wohl 1,3kg (das ist auf alle Fälle XXL) und die Randeinfassung stricke ich heute abend noch fertig.



Mein Fazit:  Die Wollkiste ist um einiges leichter, das Stricken war nicht so schwer und für die kühlen Tage sind wir nun gewappnet. Einzig das Herumtragen könnte etwas beschwerlich werden.

Mehr supergroße und megainteressante Projekte, inklusive eines gestrickten Gartenzauns!,  sammelt heute bimbambuki. Danke dafür und für die tolle Idee.


Die Stoffspielereien
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26.04.2020: „Visible Mending“ bei 123-Nadelei
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Sommerpause
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29.11.2020: (Thema noch offen) bei Nähzimmerplaudereien

Mittwoch, 5. Februar 2020

Der Februar tröpfelt sich rein

Auf einen richtigen Winter warten wir wohl vergebens, aber Regen bietet der Februar in Mengen, die man in manchen Regionen garnicht mit Freuden empfängt.

In meiner Ecke gab es draußen keine Überschwemmungen, aber Tropfen, in meinem Fall gläserne, die sich spielerisch mit dem mittwöchlichen Mustermix - oder besser: MittwochsMix - Thema "Tropfen und Zahlen" auf meinen kreativen Tisch ergossen haben.

Eine Annäherung an das Thema, das ich erst einmal wörtlich genommen habe.


Tropfenzahlen auf Seifenblasenpapier

Tropfen können ja ganz unregelmäßige Formen haben, je nachdem, wo man sie gerade anschaut. Da steckt noch viel Potential dahinter.
Im nächsten Schritt könnte ich sie digital vermustern. Oder als Zeichenmuster verwenden, wenngleich es garnicht einfach ist, die Lichteinfälle und Spiegelungen festzuhalten.


Einfacher war die zweite Spielerei mit Moosgummistempel und der Börsenpapierseite einer Wirtschaftszeitung. Die Idee mit der etwas abstrahierten Form ist nicht von mir, aber so gut, dass ich eine eigene Interpretation probieren wollte.


Den Bogen geteilter, blauer Tropfen kann ich mir gut als Deckseite für ein Februarbuch vorstellen, in dem ich weitere Zahlen und Tropfenexperimente sammle. 
Zeit genug bleibt noch. 


So lange staune ich über die vielen Ideen, die sich schon jetzt bei bei Frau Nahlust und Frau Müllerin finden.

Sonntag, 26. Januar 2020

Stoffspielereien im Kleinformat

Der erste Monat im Jahr ist schon fast vorbei, aber das Ende des Monats bedeutet auch eine neue Stoffspielerei, die erste in diesem Jahr nach der Winterpause.
Nachdem ich für mich selbst schon ein paar größere Projekte fertig bekommen habe, kam mir das Thema "Textiler Schmuck", deren Beiträge Frau Siebensachen-zum-Selbermachen heute sammelt, gerade recht. Ich hatte mir vorgenommen, endlich Leinenperlenschmuck auszuprobieren, oder wenigstens Paramentenknöpfe. Aber nun ärgert mich eine seltsame Schulterverspannung und ich kann mich einfach nicht auf die filligrane Arbeit konzentrieren.
Stattdessen habe ich meinem Schmuckkästchen gestöbert und ein paar alte Kreationen gefunden, die ich als Beitrag zum Spielereien-Sonntag zeigen möchte. Eine kleine Anleitung ist auch dabei.

Mein allerältestes, textiles Schmuckstück, das ich schon fast vergessen hatte, ist eine Kette, die ich mir zur Hochzeit passend zum Seidenanzug aus Seidennähgarn und Elfenbeinperlen (eine alte Kette) in Makrameetechnik geknüpft habe (in der Jugend hat man noch Geduld).
Auch am Häkeln einer Kette habe ich mich später schon mal versucht. Dabei sind die Perlen am Anfang aufgefädelt und nach und nach eingehäkelt worden.


Das Modell hat sich nicht bewährt, die einzelnen Stränge verwirren sich immer wieder. Die Kette ist noch ungetragen, ein Kistenmodell.
Etwas häufiger kam dagegen mein Rüschenring schon ans Licht. Das Gummiband hält alles in Form.


Und last but not least ist auch etwas für's Ohr dabei.

Aus Libertystoff sind diese Jojo-Ohrhänger genäht und mit Perlen am Rand verziert.

Jojos kann man ja ganz ohne Hilfsmittel aus einem Kreis nähen oder sich japanische Jojomaker kaufen. Aus einfachen Plastikdeckeln kann man sich aber auch selbst Jojoschablonen basteln.

Der Durchmesser der Plastikschablone sollte doppelt so groß sein wie die fertige Größe des zu nähenden Jojos. Den Kreis teilt man in 12 - 16 Segmente und knipst mit der Lochzange Halbkreise ans Ende der Markierungsstriche bzw. dazwischen.
Drei ganze Löcher in der Mitte dienen als Befestigungslöcher für den Stoffkreis, den man so groß wie die Schablone plus 1 - 1,5cm Nahtzugabe zuschneidet.

drei Stecknadeln halten den Stoff fest
Die Nahtzugabe faltet man Schritt für Schritt oder besser: Loch für Loch um den Schablonenrand und heftet ihn gleichzeitig fest, indem man den Stich in die Halbkreis-Aussparung setzt, rein und raus.


Wenn man ganz rum ist, kann man die Schablone herausnehmen und den Faden fest anziehen. Fertig ist das Jojo.



Viele zusammen kann man auch zu einer Kette zusammennähen oder sich an den Hut stecken, wie hier bei den "Kopfputz" Spielereien.

Oder man macht sich ein schickes Boho-Armband. In Kombination mit Jeans Armbändern liegt man da im Sommer bestimmt ganz im Trend.

Ich zerbreche mir einstweilen den Kopf über das Thema "XXL", das uns im Februar zu Spielereien anregen soll. Ob ich wirklich Armstricken ausprobieren will? 
Ich lasse mich überraschen.


Die Stoffspielereien
Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.
Bist du nächstes Mal auch dabei?

Die nächsten Termine:
23.02.2020: „XXL“ bei bimbambuki
29.03.2020: „Draht und Stoff“ bei Nahtlust
26.04.2020: „Visible Mending“ bei 123-Nadelei
31.05.2020: „Blumen“ bei Petersilie & Co
28.06.2020: „Monogramme“ bei made with Blümchen
Sommerpause
27.09.2020: „Texturen aus der Natur“ bei Schnitt für Schnitt
25.10.2020: „Textile Behältnisse“ bei Feuerwerk by kaze
29.11.2020: (Thema noch offen) bei Nähzimmerplaudereien





 

Donnerstag, 9. Januar 2020

Nadelbriefe - meine Nachholer und eine Gesamtsicht

Eine allerletzte Runde für 4 der Nadelbriefe für 2019 steht noch aus. Einige Themen waren angefangen, aber nicht rechtzeitig fertig und zu einem hatte ich anfangs gar keine Idee. Doch was lange währt, findet doch eine Lösung.

Beginnen möchte ich mit dem am längsten "gärenden" Brief aus Woche7: Schneewittchen. In den "Märchenwochen" wollte mir partout nichts Spannendes zu Schneewittchen einfallen, viele Aspekte wurden in anderen schönen Nadelbriefen schon umgesetzt. Da half nichts, ich musste das Märchen, in meiner Ausgabe von 1949, nochmal lesen und dabei sind mir ein paar Details aufgefallen, die im Laufe der Adaptionen ganz schön "geschliffen" wurden:

Schneewittchen war erst 7 Jahre alt (und nicht 17 wie immer dargestellt) als die Stiefmutter sie mit dem Jäger in den Wald schickte.
Die Zwerge waren ganz schöne Paschas, wenn sie Schneewittchen nur bleiben ließen, wenn sie ihnen den Haushalt machte und am Abend das Essen bereit stand. Aber das spricht ja für die Zeit der Entstehung.
Die Stiefmutter kam am Ende auch nicht ungeschoren davon.

Da fand ich nun ein paar nette Themen und machte mich an die Gestaltung der 7 Berge.

Auf einen der Berge wollte ich den Glassarg von Sneewittchen stellen. Das ging gut mit einer durchsichtigen Folie. Schneewittchen selbst erscheint eher zurückhaltend, erkennbar nur an den wallenden schwarzen Haaren.

Weil die Zwerge ein Schild an den Sarg gemacht haben, bekam auch meiner ein Schild, allerdings ein aktuelles aus der nun digitalen Welt. Das Vögelchen steht stellvertretend für die Eule, den Raben und das Täubchen, die das Kind besuchten. (Ähnlichkeiten mit einem digitalen Vögelchen wären rein zufällig). Wie ich nun feststellen musste, habe ich den Zwerg vergessen, der auch immer gewacht hat. Sorry.


Innen gibt es eine Referenz an den allseits bekannten Spruch, der untrennbar mit dem Märchen verbunden ist. Nur würde man heute wohl einen anderen "sprechenden Spiegel" befragen. (auch hier sind Ähnlichkeiten rein zufällig)

Am Ende des Märchens gibt es ein Hochzeit, ein Happyend, allerdings nicht für die Stiefmutter. Die wurde mit eiserenen Pantoffeln begrüßt, die auf glühenden Kohlen erhitzt wurden und "sie musste tanzen bis in den Tod". Ein bisschen martialisch, aber so geht das wohl, wenn man sich ins Topmodel-Metier einmischt.

 Ein Schneewittchen 4.0 mit einigem Augenzwinkern.

Einfacher waren dagegen die beiden Nadelbriefe für Woche 16: Anatomie und 17: Norwegen. Da hatte ich eine Idee, aber nur nicht rechtzeitig die Zeit, sie zu nähen.

Für No.16: Anatomie stand für mich gleich fest, dass ich eine Hand machen wollte. Als Gestalterinnen mit Textil und Papier sind die Hände, neben den Augen, unsere wichtigsten Werkzeuge, und das wollte ich ehren.

Vorlage für die Applikation ist meine eigene Hand, deren wichtigste Linien ich technisch, wie bei meinem Porträt, auf Transparent übertragen und auf hautfarbenen Jerseystoff genäht habe.

Das Papier kann man dann in kleinen Fitzeln abreißen und behält die Kontur. Den flexiblen Stoff hatte ich gewählt, um später die Hand plastisch ausstopfen zu können, habe mich aber später dagegen entschieden. Wenn man das nicht gut hinkriegt, hat man möglicherweise Gichtfinger. Das Weiche des Stoffes transportiert aber trotzdem gut den "Hauteffekt".


Die vorbereitete Hand habe ich dann auf einen blauen Hintergrundstoff genäht. Der war zunächst ohne Schrift, was aber zu langweilig war. Ein kleiner Handarbeitstext war schnell draufgeschrieben und lautet so: On happy days when I can stitch, my life runs smooth without a hitch.

Und innen? Da habe ich diesmal nicht gemeckert, dass mein Sohn immer noch seine Bücher bei uns einlagert, sondern eine schöne Vorlage in diesem Buch gefunden.
(Unbezahlte Werbung für ein selbst gekauftes Buch)




Vor allem die superfeinen Sehnenkreuzungen in den Fingern fand ich so spannend, dass ich sie ursprünglich nachsticken wollte. Am Ende fand ich die glatte Kopie auf Stoff aber überzeugender.

Es bleib nicht viel Platz für eine Innentasche, aber damit kann ich leben. 
Meine Wahl für einen Verschluss fiel auf eine Deko-Nadel, die sich von außen in die roten und blauen Blutband-Bändern einfädeln lassen.


Maßband-Armbänder als Nähschmuck machen den Nadelbrief komplett (und verdecken einen kleinen Fleck auf dem Trikotstoff. Nobody is perfect)



Die Abende in der staden Zeit habe ich, wie geplant, genutzt, um an meinem Nadelbrief No. 17: Norwegen zu arbeiten.

Mit Norwegen verbinde ich seit unserem Aufenthalt in Schweden, abgesehen von Lachs und Hardangerstickerei, die typischen Trachtenkleider und den Silberschmuck. Die Trachten werden immer noch mit Stolz bei traditionellen Anlässen getragen und man kann an den Farben und Stickerein erkennen, aus welcher Region in Norwegen die Träger kommen. 
Am liebsten wollte ich ein Muster mit einer Wollstickerei auf einem schwarzen Wollstoff probieren, nur das Problem der Musterübertragung musste ich noch lösen. Mit einem Stift geht das nicht. 

Meinen eigene Musterentwurf habe ich schließlich wieder grob auf transparentes Papier übertragen und von Hand mit einem hellen Heftgarn die Grundstruktur durchgestickt. Danach konnte ich an den Grundranken die Blumen und Ornamante freihand farbig ergänzen.
Wollgarne hatte ich mir vor längerer Zeit einmal zugelegt. Es war etwas dünner als erwartet und so sind die Stickerein filligraner als auf den originalen Trachten. Andererseits ist die Stickfläche auch nicht supergroß gewesen.

Den Nadelbrief habe ich wieder so angelegt, dass er sich vorne wie ein Mieder schließen lässt. In meiner Trachtenknopfkiste fand sich eine passende, fast silberne Schnalle, die ein bisschen wie ein Wikingerschild wirkt.
 
 Das Fotografieren war wieder schwierig, mit all dem dunklem Stoff.


Innen gibt es mal wieder eher schlicht ein Täschchen aus Trachtentuchstoff und zwei Nadelflecken.




Und zum Abschluss kommt noch ein absoluter Exot: die No. 33: eine Qualle.
Ich hatte mich in diese Spiegeleiqualle aus meinem Meeresbuch verliebt, die in ihrer Art und Form das übliche Nadelbriefformat bei Weitem sprengt. Aber heh, man wächst mit seinen Aufgaben und sagt nicht Frau Nahtlust: das wird ein Spaß!

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Spiegeleiqualle
Im August hatte ich schon begonnen, das Unterteil zu sticken und so lag es nun unvollendet in der Kiste.



Das Problem war nämlich eher der obere Teil: das Spiegelei.
Da kam mir erst diese Woche die Eingebung, das Gelbe vom Ei mit Papier-Kleistertechnik über einem Stoffei herzustellen. Das Pappmache bietet eine stabile Form und lässt sich auch gut mit Stoff vernähen.

Hier ist die Grundform schon bemalt und vorbereitet, um auf ein Schabrackenvlies geklebt und genäht zu werden.



Die Unterseite bekam auch eine kleine Schabrackenverstärkung, auf der der Magnetverschluss, der beide Teile verbinden soll, montiert ist. Darauf liegt der Filzkreis als Nadelfleck, der später die Nadeln aufnehmen soll.


Ein wenig "entrückt", dieses Modell, aber damit ist mein Nadelbriefjahr komplett.

Ich habe viel gelernt, manches Bewährte einsetzen können, Neues getestet, Vielfalt geübt und vor allem in der Serienarbeit gemerkt, was mir gefällt und was meine ganz eigene Herangehensweise ist. Gut oder schlecht, es ist "meine".

Ein großer Dank geht an Susanne für dieses tolle Jahr mit so vielen Entdeckungen. Ich freue mich auf das Treffen im Mai, wenn ich auch all die anderen Nadelbriefe und ihre Erfinderinnen im wirklichen Leben sehen kann.

Manche Nadelbriefe gefallen mir nicht, einige würde ich gerne noch einmal machen.
"Und was machst du nun?" fragte mich neulich eine Freundin, vielleicht in Erwartung einer Fortsetzung. 
Ein wenig wird mir die wöchentliche Ideengymnastik fehlen, aber ich habe ein paar neue, kleinere Projekte, die meine Hirnwindungen sicher nicht einstauben lassen.

So und wer nun noch einmal alle auf einmal sehen will, für den habe ich alle 52 mal ausgelegt. Die meisten sind auch als Einzelbeiträge unter 'Nadelbrief' im Blog zu finden.


Nadelbriefe 1 bis 13

Nadelbriefe 14 bis 26

Nadelbriefe 27 bis 39
Nadelbriefe 40 bis 52