Freitag, 19. Juli 2019

Springender Punkt (No.29) und Nachtrag Upside down (No. 28)

Diese Woche habe ich mich mit tropischen Vögeln beschäftigt. In einer Mischung aus dem tropischen MusterMittwoch Thema und ein paar Studien für die Sommerpost2019, bei dem Vögel den Umschlag zieren dürfen.

2 1/2 Minuten Skizzen von Kongopfau, Hoatzin und Hokko
Irgendwie hatte das wohl auch Auswirkungen auf meinen Nadelbrief, denn dieser seltsame Vogel hüpfte am Ende des Schaffensprozesses für Brief No.29: Punkte über meinen Tisch.


Ich habe zuerst erwägt, etwas aus den australischen Punktzeichnungsstoffen zu machen, die in meinem Fundus schlummern.


Die Muster sind faszinierend und erzählen eigene Geschichten, wenn man sich in der Symbolik auskennt. Aber dann wäre mein eigener kreativer Input zu klein gewesen.
Stattdessen habe ich in meinen Kisten nach gepunkteten Stoffen gestöbert und mir eine eigene Mischung zusammengestellt.



Als Farbkreis angeordnet und auf Trägervlies gebügelt  war fix die Grundlage für eine Reversapplikation fertig. Mit schwarzem Stoff überdeckt, Kreise aufgezeichnet und abgesteppt. Der Applikationsfuß ist wirklich hilfreich, wenn man so kleine Kreise steppen muss. Man sieht einfach mehr.

Dann nur noch mit einer feinen Schere die Mitten der Kreise ausschneiden.

Dass der Nadelbrief nicht eckig sein durfte, versteht sich von selbst. Zwei solcher Applikations-Punkte bilden Vorder-und Rückseite, als Verschluss dienen Kugelknöpfe (what else?) und Gummikordeln.

Auf der Rückseite habe ich noch kleine Extrapunkte, die am Ende aber eher länglich waren, mit hellem Garn aufgesteppt. Das war mir zu plakativ, also habe ich sie mit Textilfarbstiften eingefärbt. Ein bisschen viel Konfetti, aber man will ja auch experimentieren. Das klassische Schwarz-bunt gefällt mir besser.


Für die Nadeln gibt es in der Mitte einen kreisförmigen Filz. 
Ich mag, dass man mit den Knöpfen spielen und verschiedene Formen 'knüpfen' kann, sogar als Drehscheibe eignen sich die Kugeln. Ein drehender, springender Nadelbrief.

Der hüpft dann gleich mal zu Frau Nahtlust in die Nadelbrief-Galerie.

Dort finden sich auch schon ein paar Bilder vom letztwöchigen Nadelbrief: 'Ich steh Kopf', die ich auf Instagram eingestellt hatte. 

Nebenbemerkung: Ich schwanke (oder hüpfe) zwischen den beiden Plattformen, bieten Blog und Insta doch ganz unerschiedliche Vorteile. Für die Nadelbriefe möchte ich gerne weiter Entstehungsgeschichten auf dem Blog erzählen, was dann auch mehr zeit braucht. Andererseits schauen sich viel mehr Leute inzwischen Projekte und Bilder auf Instagram an. Das ist spontaner zu bedienen (was mir als 'zwischendurch' ja sogar eher entgegenkommt) und auch schneller mal durchzublättern, um sich inspirieren zu lassen. 
Ich werde die Plattformen einsetzen, wie es sich am besten ergibt. Wundert euch also nicht, wenn manches fast doppelt erscheint.

Nadelbriefgeschichte zu No. 28: Ich steh' Kopf

Hin und Her, Rauf und runter, Durcheinander sein gehört zum 'Kopf stehen'.
Auf der Suche nach Inspiration kramte ich auch in der Kinderstoffkiste, da hatte ich sowas wie Pfeile im Kopf. Tatsächlich fand sich ein Giraffenstoff, den ich mit Pfeilen und Schrift versehen habe. Getreu dem Motto: wenn ich schon keine habe, mache ich sie mir eben.


Das Format 10 x10cm habe ich hier beibehalten, für das innenleben wieder ein Reißverschlussfach und ein Täschchen für Garn und Schere angebracht.

Die größte Herausforderung war der Verschluss. Ich wollte gerne, dass die Deckelseiten nicht überlappen, sondern sich "auf Stoß" schließen lassen, damit man die Schrift und das Durcheinander besser sehen kann.



Meine Lösung: ein Klavierband-Verschluss aus  schwarzem Köperband. Der Verschlussstift ist ein Dübelholz mit zwei kleinen Löchern (mein Modellbaubohrer durfte mal wieder ran).


So weiß man nun doch wenigstens bei diesem Nadelbrief, wo es lang geht, wenn mal wieder Verwirrung im Nähzimmer herrscht.

Ich genieße diese kleinen wöchentlichen Stegreifaufgaben, auch wenn mir immer noch drei Exemplare zur Vollständigkeit fehlen.
Und dass ich damit nicht alleine bin, zeigen die inzwischen 222 Beiträge in der Jahressammlung Nadelbriefe 2019. Ich glaube nicht, dass uns da jemals wieder Ideen ausgehen.









 

Montag, 8. Juli 2019

My Bonnie is over the ocean... (Papierliebe und Nadelbrief No27)

Der Montag ist traditionell für die Papierliebe reserviert, auch wenn ich in den letzten Wochen nicht viele Beiträge dazu erwerkelt habe. Für die Sommermonate Juli und August hat sich Frau Nahtlust jedoch ein großes, sehr interessantes Thema ausgesucht: Oceanum.

Auch wenn ich heute kein eigenes Projekt zeigen kann, möchte aber gerne ein Buch vorstellen, das mir gaaaaaanz bestimmt auf die Sprünge helfen wird. 


Selbst gekauft.
Meer! Das Wissens- und Mitmachbuch von Piotr Karski, Moritz Verlag, Frankfurt

Ich habe ja, als mitteldeutsche Landratte, wenig Kontakt mit dem großen weiten Meer, und als ich in der Buchhandlung, in der KIinderabteilung, auf dieses Buch gestoßen bin, war ich sofort begeistert.
 
Zuerst mochte ich die Aufmachung, die sehr zurückhaltende Farbgebung und die ungewöhnliche Bindung. Es ist ein Weichcover, aber der Rücken ist offen, die Lagen geheftet und anschließend verklebt, so dass man das Buch wunderbar flach aufschlagen kann. Das ist sehr praktisch, ist es doch explizit ein Mitmachbuch, in das man zeichnen, kleben, malen soll.

Inhaltlich gibt es so viele Themenbereiche rund ums Meer, dass ich bestimmt die ganzen beiden Monate brauchen werde, um mich durchzuarbeiten.

Ein par Beispielseiten.
Beeindruckend ist schon die Gegenüberstellung von Wasser- zu Landmassen auf unserer Erde (der kleine rosa Punkt auf der rechten Seite). Da wird schnell klar, wie winzig die Landfläche eigentlich ist und wie verschwindend klein die Bedeutung der Landbewohner.

Es gibt Kapitel, die von den Küstenbereichen erzählen und erklären,

 

und solche, die sich in die Tiefsee begeben.


Auch die Verschmutzungsproblematik wird nicht ausgespart.

 
Ein dickes Buch rund um Schiffe, Fische, Seile, Segeln, Wasser, große und kleine Meeresbewohner, Gezeiten und und und, auf so vielen Seiten, dass ich garnicht nachzählen kann. 
Ein Wissens- und Mitmachbuch für Seebären und Sandburgenbauer. Einfach nur entdeckenswert, egal in welchem Alter.
 (Meine eigenen Kreationen folgen dann nächste Woche.)

Nadelbrief No. 27: Für El(i)se

Von letzter Woche will ich noch meinen musischen Nadelbrief "Für Elise" vorstellen.

Gleich vorweg: ich habe mich nicht an das rechteckige Format halten können. Zu groß war die Versuchung, mir einen 'geflügelten' Nadelbrief zu nähen und das Thema bildlich zu interpretieren. 

Ich wusste, dass ich noch Klaviertastenstoff hatte und mit Hilfe einer kleinen Entwurfsskizze habe ich mein Nadelheft zusammengezimmert.


Als Außenstoff hätte ich gerne Satinstoff genommen, der den Glanz der Lackierung aufgenommen hätte. Leider fand sich keiner in meinen Kisten fand. Ein Taftstoff ist der Ersatz. Beides läst sich absolut schlecht fotografieren.

Die Kante der Flügeldeckel-Klappe verziert ein Soutacheband in blau, in Ermangeliung eines schwarzen. Aber ein bisschen Farbe ist ja nicht schlecht.

Dieser Nadelbrief kann nur Nadeln aufnehmen, die vielleicht an Saiten im Klavier erinnern. Geschlossen wird der Deckel mit einem Druckknopf.

Wenn ich an Beethoven denke, fällt mir immer auch sein größter Fan ein: Schröder von den Peanuts. Und er bekommt bei mir nun einen Ehrenplatz auf der Deckelinnenseite.

Er könnte wohl auch an meinem Flügel üben, sind bei mir die Tasten ja doch auch nur aufgemalt.

Im Übrigen kenne ich 'Für Elise' auch als moderne Version unter dem Titel 'Lonely Lover's Symphony von Giorgio Moroder. Nicht wirklich besser, aber irgendwie ein Ohrwurm geblieben.

Mein zweiter, nachträglicher Nadelbrief 'Norwegen wird sich noch gedulden müsen. 
Die Ausführung braucht definitiv länger und kommt dann erst im Herbst/Winter.

Eine guten Wochenanfang.




 



 
 

Dienstag, 2. Juli 2019

Mehr Nadelbriefe - Mensch freue dich ... in Japan

Vieles läuft derzeit auf Hochtouren: die Ventilatoren und Klimaanlagen, die Wasserspritzen und Kühlgetränke, Kofferverkäufe und Reisetransfers. 
Ich war ja gerade erst weg und kann die Zeit nutzen, mich in aller Ruhe mit den nächsten zwei Nadelbriefen zu beschäftigen. Spielerisch, und irgendwie vielleicht in die Ferienzeit passend, ist das Nadelbrief-Thema von letzter Woche

 No.26: Mensch ärgere dich nicht.

Quelle: Tourismusportal der Stadt Ambergwww.tourismus.amberg.de


Das über hundert Jahre alte Spiel war in unserer Familie nicht so sehr beliebt. Als Kinder haben wir aber viel Spaß daran gehabt, die Plastikmännchen auf die Finger zu stecken und uns so (wohl die ersten frühen) Nagelverlängerungen gebastelt. 

Für den Nadelbrief habe mir verschiedene Ausführungen des Spiels angeschaut und nach den Wiedererkennungmerkmalen geschaut.

Auffällig ist natürlich der Schriftzug, aber eigentlich mir vom Spiel vor allem die schwarz umrandeten Kreise und die Grundfarben im Gedächtnis gebllieben. Aus diesen Elementen habe ich die Außenseite meines Nadelhefts gestaltet.

Zuerst dachte ich ans Stempeln, aber es war einfacher die Kreise mit wasserfestem Stift auf den Stift zu zirkeln und mit Stoffmalstift auszufüllen.

Der vielbesuchte Start und der Zieleinlauf sind ja die interessantesten Stellen im Spiel, weshalb sie hier die Hauptrolle spielen.

Auf der Innenseite findet sich ein im Original schwarz-weißer Stoff mit ganz vielen Menschen, die einfach ein paar bunte Köpfe bekommen haben. Nicht, dass sie sich alle ärgern würden. Die meisten freuen sich bestimmt.

Die Füllung meiner Nähtasche bestückt sich aus Erste-Hilfe-Helferlein, die man brauchen kann, wenn man sich beim Nähen sonst ärgern würde:

- ein Fingerhut gegen die Löcher in den Fingern von der Nadelrückseite
- ein Magnet zum Aufsammeln, wenn einem wieder mal die Stecknadelkiste runtergefallen ist
- ein Trennmesser, wenn mal eine Naht schief gegangen ist
- Pflaster, wenn man sich bei der allerletzten Naht in den Finger sticht und sonst ein schöner roter Fleck auf das fertige Stück tropfen würde
und natürlich der Einfädler, wenn der Faden mal wieder nicht durch's Öhr will.

Für den Verschluss habe ich ein altes Holzmännchen mit zwei kleinen Löchern versehen und so zum Knopf erhoben.

Ich freue mich, dass ich diesmal ohne 'Rauswurf' ins Ziel gekommen bin  und erfülle damit wohl die Mission: Mensch-ärgere-dich-nicht.



Und weil es so geflutscht ist, kommt auch der Nadelbrief No. 18: Japan noch hinterher.

Beim Thema 'Japan' lande ich immer wieder entweder bei indigo-blauen Stoffen oder bei Leinenkombinationen. Ich bin wohl für die Kokeshi und Hello-Kitty-Bewegung verloren. 

So ist mein japanischer Nadelbrief auch wieder eine Patchworkmischung aus rötlich-braunen Japandrucke, japanischem Textdruck und Naturleinen.

Mir war auch schon früh klar, dass ich den Brief mit einer japanischen Blockbindung gestaltet wollte. Als Muster habe ich das Hanfblattmuster ausgesucht.

Vorderseite
Nachdem ich also den Deckel und den Rücken gepatcht und mit dekorativen Quiltstichen versehen hatte, habe ich mir eine einfache Papierschablone gezeichnet, auf das Paket gesteckt und durch alle Lagen durchgenäht. Am Ende habe ich das dünne Papier einfach abgerissen.

Das Innenleben ist eher schlicht: ein Filz und ein "Blatt", das traditionell so gefaltet wird, dass die offenen Kanten zum Rücken zeigen. Kleine Taschen vorne und hinten schaffen Platz für das Zubehör.

Einen Verschluss braucht das Briefchen keinen.

Rückseite 
Ach, und falls ihr euch über den Hintergrund wundert: ich habe tatsächlich schon einmal Kurse in Japanisch belegt, bin aber selbst noch nie dort gewesen. Und meine Sprachkenntnisse sind auch mächtig eingestaubt. Zum Nähen reicht es meist, da die Japaner wunderbare Bilder zu ihren Anleitungen zeichnen.

Aus der Nadelbriefliste bin ich noch mit Norwegen, Anatomie und Schneewittchen hinterdran, dann kann ich auch "Halbzeit" feiern.

Derweil wird es diese Woche noch musikalisch. Lasst euch überraschen.


Samstag, 29. Juni 2019

Über Berge und durch Täler ...


 
In den vergangenen zwei Wochen war ich wieder einmal zweirädrig unterwegs. Geduldig trug uns das Motorrad über unzählige Pässe und Joche ins Trentino und zurück. 

Das Wetter war uns hold, nur ein kompletter Regentag und gemäßigte Temperaturen, im Vergleich zu jetzt. Bilder von endloser Weite, steilen Berghängen und aromatischen Weinbergen sind in Kopf und Herz gespeichert, als Atempausen zur Entspannung, aber auch als Anregung für neue kreative Spielwiesen.

Zur Vorbereitung für die Tour gehört traditionell auch das Design und Drucken eines TourT-shirts für die Gruppe, was  einige Aufmerksamkeit beansprucht hat.

Meine Nadelbriefideen habe ich darüber nicht vergessen, habe sie vielmehr mitgenommen und sie haben sich fleißig mit den Reiseimpressionen vermischt. Wie sich überhaupt bei den Nadelbriefthemen gegenseitige Befruchtungen und Inspirationen ergeben, an die man garnicht gedacht hat.

Nach der Rückkehr hat es ein paar Tage gedauert, um wieder in den kreativen Modus zu kommen (und wie schnell doch alles einstaubt, wenn man mal weg ist), aber nun sind die Nadelbriefe No. 19: Mexiko und No. 25: Baumrinde fertig zum Zeigen.

Die mexikanische Variante war eigentlich schon vor der Reise fertig, (zum Posten hat es nur nicht gerreicht) und trägt unverkennbar "Reisespuren", indem ich sie als ein Reisenähset gestaltet habe. Und falls ich einmal dorthin reisen werde, habe ich schon ein passendes Set.
Bei Mexiko fiel mir 'Sombrero' ein und 'Speedy Gonzalez', Kakteen und Frida Kahlo. Beim Blick in das digitale Lexikon blieb ich aber ganz fasziniert am Wappen auf der Flagge hängen.

Es zeigt einen Adler, der eine Schlange fängt, während er auf einem Kaktus sitzt, der auf einem Felsen steht, der in einem See liegt und stellt eine Legende um die Gründung von Tenochtitlán dar, die Hauptstadt der Azteken, die 1325 auf der gleichen Stelle entstand, auf der heute Mexiko-Stadt liegt. 

Zum Schnitzen von Stempeln für Adler und Kaktus (meine erste Idee) hat es nicht gereicht, da hätte ich auch nur eine schlechte Kopie schaffen können. Stattdessen habe ich das Wappen auf Stoff gedruckt, mit Haftvlies auf die Pappsnapp-Hülle gebügelt (*)unbezahlte Produktnennung) und mit den Farben der mexikanischen Flagge umrahmt.


Auf der Innenseite klebt ein Teil einer Karte des nördlichen Mexiko, ein zufälliger Ausschnitt einer Flohmarktkarte.
 
Gefüllt ist der Reise-Nadelbrief mit einem Nadelfilz in Flaggenoptik und einem Nähset aus dem Hotel. Auch der Text ist zufällig und soll kein irgendwie geartetes politisches Statement sein (das ist mir nun erst im Nachhinein aufgefallen).

Nicht spektakulär, aber ganz nützlich ist er nun, mein Nadelbrief No. 19.

Für den aktuelleren Nadelbrief No. 25: Baumrinde liefen sich zwei getrennte Ideen über den Weg. Zum einen habe ich viele Bäume wegen ihrer Rinde betrachtet, ein altes Birkenstamm-Projekt hervorgeholt - und mich am Ende in die Rinde am Baum an unserem Hotel verliebt. Es ist eine Platane, die bei Hitze ihre Rinde abwirft.

Das Fleckige, Runde und Vielschichtige hat mich angezogen. Das wollte ich irgendwie stofflich hinkriegen.

Ausgangsmaterial sind Stoffe mit Rostfärbung, Monoprint, alte Druckstoffe. Die Technik eine Art Reversapplikation, ähnlich der Molatechnik, nur mit offenen Kanten.

 
Der erste Versuch mit einem schon strukturiert bedruckten Stoff war mir zu unruhig und zu wenig kontrastreich und wurde ausgemustert.


Dann also nochmal von vorn: zwei Lagen Stoff aufeinander legen, Grobformen mit Markierstift aufzeichnen und dann freihand die Konturen nähen.

Nach dem Ausschneiden der dunkeln Deckflächen kommt die nächste Schicht in Braun darüber und wird wieder in Form geschnitten.

Ergänzt durch innere und darüberliegende Konturlinien entstand meine ganz eigene Baumrindenstruktur.

Am Rinden-Stoffstück wollte ich die Außenkanten offen lassen und habe das Großstück mit einem Filz hinterlegt und aufgesteppt. 
Hier kommt nun nämlich die zweite Idee ins Spiel: die Wirbelwind-Bindung.

Auf diese alte chinesische Bindungsart bin ich bei einer Ausstellung im Gutenberg Museum  gestoßen und auch der letzte Nadelbrief 'Wirbelwind' war noch frisch im Kopf.

Man verwendet dabei Bätter, die von außen nach innen immer kürzer werden und aufeinanderliegen. Gebunden wird der Stapel an einer Seite, bevorzugt an einem Stab, über den man die Seite dann zur Rolle aufrollt. (Was Sinn macht, wenn man bedenkt, dass die chinesischen Zeichen ja von oben nach unten gelesen werden. Die Bindung hat sich allerdings nicht durchsetzen können.)
Für meinen Nadelbrief habe ich ein Bambusrohr gelocht und gespalten. Meine beiden Innenseiten für die Nadeln sind ein Druck 'ut i skogen', also 'draußen im Wald und ein Druck für die Gestaltung von Birkenrinden.

Dieser Druck ist entstanden, indem ich ein Aststück eingefärbt und über den Stoff gerollt habe. (im zweiten Bild sieht man oben links, wie der applizierte Stamm dann aussieht)

Eine einfache Heftbindung über das Bambusrohr hält die drei Stofflagen zusammen. Mit der angenähten Jutekordel kann man den Baumrinden-Nadelbrief schließen.

Ein wenig größer als die anderen ist er geworden, und vielleicht nicht ganz so nützlich, aber diesmal stand die Gestaltung im Vordergrund.


Beim Nadelbrief-Jahr ist nun Halbzeit, aber es gibt keine Pause, denn das nächste spannende Thema wartet schon: Mensch ärgere dich nicht.

Frau Nahtlust zeigt sie alle hier, schaut euch mal um, welch tolle Umsetzungen sich dort versammeln.