Sonntag, 24. November 2019

Stoffspielereien - Nähen auf Papier

Zu einer letzten Stoffspielerei in diesem Jahr hat Ines aufgerufen und uns "Nähen auf Papier" um Thema gegeben. Darunter kann man eine Menge unterschiedlicher Techniken zusammenfassen, die von Hand funktionieren wie das englische paperpiecing oder das Lieseln oder sticken auf Papier, oder auch mit der Maschine gemacht werden können wie das Foundation paper piecing. Mit beiden Techniken habe ich schon Erfahrungen gesammelt und sicher hier auch schon mal darüber berichtet (zum Beispiel hier über die Methode statt mit normalem Papier mit freezer paper zu nähen).

Mit der üblichen Papiernähmethode mit der Maschine habe ich früher schon Bäumchen und Sterne genäht.

Sowohl direkt auf Papier als auch mit einer Schnellschneidemethode lassen sich die feinen Spitzen der Sterne gut bewältigen und die Ecken exakt treffen (meistens). Aber es ist doch eine ziemliche Präzisionsarbeit und das Abreißen des Papieres hinterher ist ziemlich mühsam, da man ja doch oft normales Kopierpapier benutzt.
 
Irgendwann ist mir aber ein prima Tipp für die Verwendung von Telefonbuchseiten als Grundlage fürs Paper piecing untergekommen und ich habe einen Quilt mit Rauten und vielen Reststreifen begonnen. 

Das dünne Papier lässt sich wunderbar in Grundformen, wie hier die Raute, zuschneiden, auf die man dann nach und nach die Streifen aufnäht und am Ende alles Überstehende abschneidet, so dass man eine exakte Grundform zum Zusammennähen bekommt.


Das dünne Papier lässt sich viel besser abreißen, durch den Druck ist es allerdings für mehrteilig aufgedruckte Muster nicht geeignet.

Ich habe dem Quilt, also dem "Work in progress",  den Namen "Quasselstrippe" gegegeben, und an der Tatsache, dass ich tatsächlich Telefonbuchsseiten verwendet habe, kann man erkennen, wie lange das Werk schon in Arbeit ist. Heute findet man ja kaum mehr Telefonbücher ... 


So hatte ich fest vor, dieses UFO Projekt anlässlich der Stoffspielerei zumindest als Top zu vollenden und habe meine angefangenen Blöcke rausgekramt und neu sortiert. Doch dann kamen mir andere Nähaufträge dazwischen und ich konnte lediglich ein neues Design ausdenken.


Immerhin habe ich meinen Bestand gesichtet und bin fest entschlossen, es nicht wieder jahrelang liegen zu lassen. 
Derweil tröste ich mich mit den ersten Adventsboten und schaue mir gemütlich die Nähergebnisse der anderen Stoffspielerinnen an, die Ines auf ihrer Seite Nähzimmerplaudereien schon so fleißig gesammelt hat.



Im Dezember ist Spielpause, aber für 2020 gibt es schon eine anregende Liste für neue Projekte.
Ich wünsche schon jetzt allen einen guten Beschluss für 2019 und auf ein Wiedersehen in 2020!

Die Stoffspielereien
Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.
Bist du nächstes Mal auch dabei?

Die nächsten Termine:
26.01.2020: „Textiler Schmuck“ bei Siebensachen
23.02.2020: „XXL“ bei bimbambuki
29.03.2020: „Draht und Stoff“ bei Nahtlust
26.04.2020: „Visible Mending“ bei 123-Nadelei
31.05.2020: „Blumen“ bei Petersilie & Co
28.06.2020: „Monogramme“ bei made with Blümchen
Sommerpause
27.09.2020: „Texturen aus der Natur“ bei Schnitt für Schnitt
25.10.2020: „Textile Behältnisse“ bei Feuerwerk by kaze
29.11.2020: (Thema noch offen) bei Nähzimmerplaudereien


 


 

Donnerstag, 14. November 2019

Das Riesenrad in der Hosentasche - Nadelbrief No. 46

Nun ist er vorbei, der große traditionelle Herbstmarkt im Nachbarort Hochheim am Main, einer der größten in Deutschland und schon mehr als 500 Jahre alt. Mit ihm verschwindet die große, leuchtende Landmarke, das Riesenrad, das mir aber an den Markttagen eine so passende Inspiration für den dieswöchigen Nadelbrief bot.

Ich habe die runde Grundkonstruktion übernommen, wollte aber auch gerne etwas zum Aufklappen haben. Ein gefalteter Viertelkreis kam mir als Möglichkeit in den Sinn oder eine fächerartige Konstruktion, an der ich mich schließlich auch versucht habe.


An einem Papiermodell ließ sich gut ausprobieren, wie groß die Tragfläche aus feinem Stoff, die Segmente aus Filz und die Unterkonstruktion aus Holzstäben sein sollten.

Dann ging's ans Sägen, Bohren, Kleben und Nähen.

Das streubunt-farbige des Riesenrades habe ich versucht, mit den regenbogenfarbigen Filzsegmenten einzufangen, die hellen Hemdenknöpfe hängen stellvertretend für die vielen kleinen Gondeln am Rand meines Rades.

Die Rückseite habe ich mit einem zweiten Stück dünnen Stoff gecovert und mit Handstichen fixiert, die mich an die filigrane Stahlkonstruktion am Riesenrad erinnern.

Der Einsatz von Holz in diesem Nadelbrief war eine kleine Herausforderung, aber warum sollte ein Nadelbrief nicht auch mit anderen Materialien funktionieren?

In den Filzstücken kann man nun die verschiedenen Nadeln gut sortiert aufbewahren.

Und wenn man fertig ist, schiebt man den Fächer einfach wieder zu.

Mit einer kleinen Klappe und einem Bindeband verschnürt könnte man das Riesenrad fast sogar in die Hosentasche stecken. Besser ist aber vielleicht ein Plätzchen im Nähkorb.


Meine Version begibt sich auch auf die digitale Reise in Frau Nahtlusts stetig wachsende Nadelbriefsammlung.

Nächste Woche steht "Typographie" auf dem Stundenplan und wer sich schon immer gefragt hat, was das ist und wozu man das braucht, sei ein Besuch bei Roberta Bergmann empfohlen. Im Podcast #19 erklärt Prof. Dr. Jörg Petri ganz aktuell, worin der Unterschied zum Lettering und der Handschrift liegt.
 

Mittwoch, 6. November 2019

Ein Nadelbrief aus Packpapier

Erst hat mir der "Nadelbrief der Woche 45: Packpapier" noch mehr graue Haare wachsen lassen, fielen mir doch nur die gängigen Assoziationen mit Paket und Briefumschlag ein. Aber nach dem heiteren Buchbinde-Workshop mit Eva am Wochenende, bei dem es einen regen Austausch über verschiedene Bindetechniken gab, hatte ich eine neue Idee, die ich unbedingt testen wollte: ein Steckalbum sollte es sein. 

Bei meiner Recherche zu diesem Thema fand ich bei @buchundpapier schließlich auch ein prima Modell, das aus nur einem (!) Blatt Papier gefaltet werden konnte. Sie gibt Kurse im Buchbinden, ist aber leider zu weit weg. Wer jedoch im Norden wohnt, möchte vielleicht am 18.11. bei ihr reinschauen? Da wäre in einem Kurs noch ein Plätzchen frei.  
(Ich danke hiemit für die Inspiration und mache unbezahlte Werbung für Kreative.)

Ein geeignetes Testpapier für meinen Nadelbrief fand sich in der "Projektkiste", ein Stück Packpapier, das ich im Frühjahr schon zur Papierliebe mit Kleisterfarben bedruckt und 'frottiert habe. 

Und daraus wurde durch Falten und ein wenig Schneiden ein Umschlag inklusive Innenblatt und Verschluss. Ich war so angeregt dabei, dass ich vergessen habe, das unbearbeitete Blatt zu fotografieren.

Nach dem Zusammenstecken der Laschen sah die Rohversion so aus, von innen und von außen.

Am gefalteten Büchlein habe ich die offenen Kanten mit Kleber etwas fixiert und dann rundherum mit der Nähmaschine dekorativ abgesteppt.

Als Nadelträger dienen drei kleine Filzstückchen, die sich auch einfach annähen ließen. Die noch freie Seite ziert ein Hotel-Reisenähbeutel, einfach mit Klebgummi angebracht.

Einen wohlbekannten Rat für Näherinnen 'a stitch in time saves nine' habe ich gestempelt und am Ende war ich 'sew happy', dass ich diese Hürde gemeistert hatte.


Das Falten und Buch herstellen hat so viel Spaß gemacht, dass ich sicher noch mehr Varianten machen werde. Papier habe ich noch und ein solch kleinen Reisebegleiter kann man immer brauchen.

Endspurt im Nadelbriefjahr bei Frau Nahtlust

Für mich geht's an diesem Wochenende zum Hochheimer Markt. Dort steht ein super Modell für den Nadelbrief No. 46: Riesenrad 
 

Samstag, 2. November 2019

Nähen gegen den Novemberblues - Nadelbrief No. 44

Eigentlich war Anfang dieser Woche noch schönes Wetter, aber gestern hat der November mit super grauem Nieselwetter seinem Ruf alle Ehre gemacht. Umso schöner, wenn man mit einer Handarbeit zuhause bleiben und sich den goldenen Oktober verlängern kann.
In meinem Fall mit einem Nadelbrief à la Alabama Chanin, der  diese Woche auf der Themenliste stand.

Ich bin dieser, von Natalie Chanin erfundenen, Nähmethode vor etwa 5 Jahren zum ersten Mal begegnet und habe mir ein Buch dazu gekauft. Es ist eigentlich eine Mischung aus drucken und Reverse Applikation auf 2 Lagen Jerseystoff, der auch noch bestickt werden kann, um dann zu einem (meist) Kleidungsstück verarbeitet zu werden.
An einem Probestück habe ich das damals probiert und dachte, ich könnte es vielleicht auch für den Nadelbrief einsetzen. Aber das Blattmotiv ist zu groß für mein Nadelbriefformat und so habe ich ein neues Motiv genäht, warum nicht. Mehr Gelegenheit, diese Technik zu üben.

Ich bin beim Blattmotiv geblieben, und sicher spielte die Jahreszeit eine Rolle bei der Auswahl der Farben. Als Stoffe habe ich tatsächlich ausgediente T-Shirts benutzt, in Grau und Rostrot.
Der erste Schritt ist das Drucken eines Motivs mittels Schablonen (bei mir Freezerpaper)  auf den Oberstoff. Nach dem Trocknen heftet man das bedruckte Teil vollflächig auf einen Unterstoff, bei mir der rostrote (den man hier nicht sehen kann).

Dann umstickt man den Schablonendruck und näht damit die beiden Lagen zusammen.

Das ist notwendig, weil man in Schritt 3 das Mittelteil des Blätterdruckes ausschneidet und so den darunterliegenden Stoff freilegt. Ich mochte die gelblichen Schattierungen meines Druckes und habe einen Rand davon stehen lassen und auch nicht alle Blätter ausgeschnitten. 
Als Stengel habe ich mich einer weiteren Applikationsvariante bedient: dem Couching. Dazu habe ich einen schmalen Jerseystreifen in sich zu einer Art Kordel gedreht und mit Stickgarn festgenäht.

Und zu guter Letzt ergänzen ein paar Perlen die Außenseite des herbstlichen Nadelbriefs. Mein Plan war, die Kanten offen zu lassen und so habe ich die Ränder nur mit zwei Reihen Stichen umlaufend zusammengenäht.

Innen kann man die Rückseite der Stickerei sehen, an der ich dekorativ auch Blattformen ausgeschnitten habe. Die gelben Blättchen von außen durften nun auf der Innenseite mittels einer normalen Applikation auf einer Tasche Platz nehmen. Damit die offenen Innenkanten geschützt sind, habe ich eine Schicht Organza zwischen Rückseite und Tasche gelegt.

Nach Begradigung der Außenkanten fehlte nur noch ein Filzfleck für die Nadeln, um den Nadelbrief funktionstüchtig zu machen.


Ach ja, und ein Verschluss sollte auch sein. Jerseykordel und Knopf, what else?


Wer hätte das gedacht, ein Nadelbrief gegen den Novemberblues. Warm und kuschelig. Bestimmt auch im Dezember und die nächsten Jahre, ohne Nadelbriefaktion.

Die Liste bei Frau Nahtlust wächst nun doch wieder schneller und vielleicht ist die Ankündigung der Ausstellung im Mai 2020 bei der Nadelwelt in Karlsruhe Anlass für einige, doch noch ein paar Themen zu bearbeiten? Das wäre doch toll.


Ein schönes Wochenende und bis nächste Woche. 
Bin schon im Packpapierfieber.

 

Montag, 28. Oktober 2019

Stoffspielerei im Bauhausstil

Beim Stoffspielereien-Sonntag im Oktober ging es um's Handweben. Mein Beitrag war auch fertig, doch dann hatte ich keinen Zugang zum Computer und trage meine "Weberei" deshalb erst heute nach.

Bei Schnitt für Schnitt habe ich all die feinen echten Webereien bewundert und mir nun vorgenommen, meinen kleinen Webrahmen auch wieder zu aktivieren. Es macht Laune und passt bestimmt gut in die kühle Jahreszeit. Schaut mal rein.



Meine Weberei ist eigentlich ein Doppelpack, wurde daraus doch auch eine Kombination mit meinem Nadelbrief No. 41: Bauhaus wird 100.
 
Schon lange habe ich mich in die Teppiche von Otti Berger, Gunta Stölzl und Anni Albers "verguckt" und versucht, das Geheimnis ihrer Gestaltungkunst zu ergründen. Es war klar, dass ich es nie mit originalem Handweben nachempfinden könnte, dazu reichen meine Webkenntnisse bei weitem nicht. Auch wenn ich ein wunderbares Handbuch besitze, das mich dorthin führen könnte. Allein, ich habe kaum Übung im Weben.

(Ein ausführliches Portrait von Anni Albers hat le monde de kitchi auf ihren Blog geschrieben. Absolut lesenswert!)
Wandbehang von Anni Albers, 1926. aus: Bauhaus Archiv Berlin, Die Sammlung
Stattdessen habe ich mich für das Weben mit Stoffstreifen entschieden. Meine Schwerrpunkt der Übung bestand mehr in der Gestaltung als in der Verfeinerung der Webtechnik. Ich habe mich an der Farbgestaltung und den Proportionen orientiert und mich dann davon überraschen lassen, welche Musterung ich mit meinen Mittel erreichen kann.

Das Logo vom Bauhaus sollte zentral auch auf den Umschlag, weshalb die Weberei einen extra Mittelstreifen bekam. Farblich bewege ich mich im moderaten Bereich der Grundfarben des Bauhausspektrums. Mein Format von 15 x 9cm für den Nadelbrief hat die Größe der Streifen bestimmt, also eher klein. 

Die Kettfäden sind 10mm breit, die Schussfäden 5mm. Die Stoffe habe ich vor dem Zuschneiden mit Haftvlies bebügelt, damit ich das Gewebe später durch Bügeln fixieren kann. Als "Schiffchen" (oben in der Mitte) habe ich ein Stückchen Karton gefaltet und innen mit etwas Knetkleber versehen, so dass ich die Streifen einklemmen und gut durchziehen konnte.


Ein Rastervlies als Unterlage hat mir geholfen, einigermaßen in der Rechteckform zu bleiben, und natürlich viele, viele Stecknadeln.

Das fixierte Webteil vor dem Vernähen mit dem Deckelteil. Es ist viel unruhiger als die Vorlage, aber das ist der Streifentechnik geschuldet. Farbwechsel innerhalb der Streifen waren dabei nicht möglich.


Für das Deckelteil wollte ich gerne das Logo einfügen. Es besteht auch nur aus 4 verwebten Streifen, was mich in der Einfachheit fasziniert hat. Den Schriftzug habe ich einem Plakat von 1923 entlehnt und angepasst.

Stilgerecht habe ich für das Innenleben des Nadelbriefes meinen Stoffdruck von der Stoffspielereien im April benutzen können. 

Auch wenn ich weit, weit entfernt bin von der Kunstfertigkeit der Bauhaus Weberinnen, habe ich schon einiges gelernt im Nachmachen und Nachempfinden. Das ist ja wohl der erste Schritt. Diese Kenntnisse ins richtige Weben umzusetzen ein ganz langer Weg.


Nun darf auch N0. 41 auf den Weg in die Nadelbrief Sammlung bei Frau Nahtlust, und wer weiß, vielleicht auch ein bisschen weiter. Ich hab da so was gehört ...




Freitag, 25. Oktober 2019

Nadelbriefe 42 und 43

Letzte Woche war ich anderweitig beschäftigt, in anderen Höhen quasi, neue Inspirationen und Einblicke finden.
 
Manches davon hat Eingang gefunden in meine neuen Nadelbriefe, die ich nun, mit etwas Abstand, fertig bekommen habe.

Die Beschäftigung mit No. 41: Bauhaus wird 100 dauert noch an und kommt voraussichtlich am Sonntag, anlässlich der Stoffspielerei auf den Blog. 
Die Ausrichtung und Zielsetzung des Bauhauses ist aber eng verknüpft mit der Aufgabe No. 42: Industriedesign, was mir bei der Lektüre meines Bauhaus Nachschlagewerks wieder klar wurde. Stand in den Anfangsjahren des Bauhauses die Kombination "Kunst und Handwerk" im Fokus, so verlagerte sich seit 1922, auch aus finanziellen Gründen, der Schwerpunkt auf die Verknüpfung von "Kunst und Technik". Immer schon war geplant, die Produkte des Bauhauses zu vermarkten, nun aber setzte man sich die "zeitgemäße, industriegerechte Formgebung" zum Ziel, "für die sich bis dahin kaum jemand interessiert hatte. Erst nach 1945 bürgerte sich hierfür bei uns das Wort Design ein." (aus: Bauhaus, taschen verlag)

Der Begriff "Industriedesign" beschreibt also im weitesten Sinne die Planung und Gestaltung von Produkten für den Alltag oder die Produktionstechnik, die so weit reduziert sind, dass eine serielle Produktion möglich wird. Man hat dabei die Möbel von Marcel Breuer vor Augen wie den Lattenstuhl aus Holz oder seine Modelle aus Stahlrohr mit Eisengarnbespannung.
Bekannt sind vielleicht auch die Vorratsgefäße vonTheodor Bogler, die man auch heute noch herstellt und kaufen kann.

Quelle: www.hedwig-bollhagen.de/bauhaus-design
Das war auch meine Initialidee für meinen Nadelbrief: ein Behälter mit der Aufschrift 'Nadeln'. Im Laufe der Umsetzung kam ich dann jedoch von der Porzellan-Imitation ab und habe mich eines anderen Elements des Industriedesigns bedient: dass man Materialien aus der Industrieproduktion für Alltagsgegenstände einsetzt, z.B. wie Stahlrohre und Alubleche für Möbel, die aus dem Flugzeugbau kommen.


Für mich durfte es etwas kleiner sein: eine Dose und ein Stück Umzugsfilz, Filz aus Stoffresten, der auch als Isoliermarial eingesetzt wird, sind meine Grundstoffe.

Die Dose konnte ich leicht aufschneiden, die Kanten umbiegen und meine Außenseite mit Ösen auf dem Filzstück montieren. Die Schrift auf Metall aufzubringen war schwieriger, schließlich haften Acrylfarben nicht auf Metall. Dunkel habe ich mich an meinen kleinen Döschen Metallfarben erinnert und tatächlich fanden sich Restbestände im Keller.

Eine Schriftschablone, wie sie zur Kennzeichnung von Transportkisten verwendet wird, gab mir den passenden Schrifttyp. 

Ein metallischer Nadelbrief ist auch deshalb nicht unpraktisch, weil er auch magnetisch sein könnte. Mein Blech selbst war zu dünn dafür, aber kurze, aufgeklebte Magnetstreifen schafften hier Abhilfe.

Die Buchringe in den Ösen dienen als Scherenhalter und können gleichzeitig als Verschluss genutzt werden.

Die rauen Außenkanten des Filzes habe ich mit etwas Acrylmedium gegen das Ausfransen gesichert. Eigentlich hätte es aber auch fluffig bleiben können.


Ich weiß nicht, ob man damit in Produktion gehen könnte, die Kombination der beiden näh-nahen, aber doch ganz nähfremden Materialien war spannend.




Etwas einfacher war dagegen der Nadelbrief dieser Woche 43: Hexies.
Hier liefert die Natur schöne Muster und Vorbilder und ich habe mich auch schon an eigenen Produktionen versucht: gestempelt und ... what else? handgenäht.


Schon der erste Nadelbrief: Schnee hatte eine sechseckige Form und ja, eine ganze, handgenähte Hexagondecke liegt bei mir auch auf dem Bett. Kein Wunder also, dass es eine Tasche mit angefangenen Sechsecknähereien gibt und aus dieser habe ich mich großzügig bedient.

Ich war ganz unverfroren und habe meinen Nadelbriefschnitt einfach 2 Mal aus dem handgenähten Stück herausgeschnitten. Die beiden Teile sind mit Vlies hinterlegt und gegeneinandergenäht.

Eine bunte Erinnerung an alte Stoffe, inklusive den Stichen meiner Freudin und meiner Tochter. Ein bisschen handquilten meinerseits hält die drei Lagen traditionell und dekorativ zusammen.

Hier verschließen mal wieder Druckknöpfe den Nadelbrief.


Zwei sechseckige Nadelflecken mussten dabei sein. Kein Scherenhalter oder Tasche diesmal.

Kein Hexenwerk, aber trotzdem schön und nützlich.

Nun läuft der Coutndown: nur noch 9 Nadelbriefe bis zum Ende des fantastischen Nadelbriefjahres bei Frau Nahtlust. Es stehen noch einige knifflige (Packpapier?) und spannende (Riesenrad) Themen auf der Liste. Aber nun habe ich, glaube ich, den Dreh raus.