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Donnerstag, 9. Januar 2020

Nadelbriefe - meine Nachholer und eine Gesamtsicht

Eine allerletzte Runde für 4 der Nadelbriefe für 2019 steht noch aus. Einige Themen waren angefangen, aber nicht rechtzeitig fertig und zu einem hatte ich anfangs gar keine Idee. Doch was lange währt, findet doch eine Lösung.

Beginnen möchte ich mit dem am längsten "gärenden" Brief aus Woche7: Schneewittchen. In den "Märchenwochen" wollte mir partout nichts Spannendes zu Schneewittchen einfallen, viele Aspekte wurden in anderen schönen Nadelbriefen schon umgesetzt. Da half nichts, ich musste das Märchen, in meiner Ausgabe von 1949, nochmal lesen und dabei sind mir ein paar Details aufgefallen, die im Laufe der Adaptionen ganz schön "geschliffen" wurden:

Schneewittchen war erst 7 Jahre alt (und nicht 17 wie immer dargestellt) als die Stiefmutter sie mit dem Jäger in den Wald schickte.
Die Zwerge waren ganz schöne Paschas, wenn sie Schneewittchen nur bleiben ließen, wenn sie ihnen den Haushalt machte und am Abend das Essen bereit stand. Aber das spricht ja für die Zeit der Entstehung.
Die Stiefmutter kam am Ende auch nicht ungeschoren davon.

Da fand ich nun ein paar nette Themen und machte mich an die Gestaltung der 7 Berge.

Auf einen der Berge wollte ich den Glassarg von Sneewittchen stellen. Das ging gut mit einer durchsichtigen Folie. Schneewittchen selbst erscheint eher zurückhaltend, erkennbar nur an den wallenden schwarzen Haaren.

Weil die Zwerge ein Schild an den Sarg gemacht haben, bekam auch meiner ein Schild, allerdings ein aktuelles aus der nun digitalen Welt. Das Vögelchen steht stellvertretend für die Eule, den Raben und das Täubchen, die das Kind besuchten. (Ähnlichkeiten mit einem digitalen Vögelchen wären rein zufällig). Wie ich nun feststellen musste, habe ich den Zwerg vergessen, der auch immer gewacht hat. Sorry.


Innen gibt es eine Referenz an den allseits bekannten Spruch, der untrennbar mit dem Märchen verbunden ist. Nur würde man heute wohl einen anderen "sprechenden Spiegel" befragen. (auch hier sind Ähnlichkeiten rein zufällig)

Am Ende des Märchens gibt es ein Hochzeit, ein Happyend, allerdings nicht für die Stiefmutter. Die wurde mit eiserenen Pantoffeln begrüßt, die auf glühenden Kohlen erhitzt wurden und "sie musste tanzen bis in den Tod". Ein bisschen martialisch, aber so geht das wohl, wenn man sich ins Topmodel-Metier einmischt.

 Ein Schneewittchen 4.0 mit einigem Augenzwinkern.

Einfacher waren dagegen die beiden Nadelbriefe für Woche 16: Anatomie und 17: Norwegen. Da hatte ich eine Idee, aber nur nicht rechtzeitig die Zeit, sie zu nähen.

Für No.16: Anatomie stand für mich gleich fest, dass ich eine Hand machen wollte. Als Gestalterinnen mit Textil und Papier sind die Hände, neben den Augen, unsere wichtigsten Werkzeuge, und das wollte ich ehren.

Vorlage für die Applikation ist meine eigene Hand, deren wichtigste Linien ich technisch, wie bei meinem Porträt, auf Transparent übertragen und auf hautfarbenen Jerseystoff genäht habe.

Das Papier kann man dann in kleinen Fitzeln abreißen und behält die Kontur. Den flexiblen Stoff hatte ich gewählt, um später die Hand plastisch ausstopfen zu können, habe mich aber später dagegen entschieden. Wenn man das nicht gut hinkriegt, hat man möglicherweise Gichtfinger. Das Weiche des Stoffes transportiert aber trotzdem gut den "Hauteffekt".


Die vorbereitete Hand habe ich dann auf einen blauen Hintergrundstoff genäht. Der war zunächst ohne Schrift, was aber zu langweilig war. Ein kleiner Handarbeitstext war schnell draufgeschrieben und lautet so: On happy days when I can stitch, my life runs smooth without a hitch.

Und innen? Da habe ich diesmal nicht gemeckert, dass mein Sohn immer noch seine Bücher bei uns einlagert, sondern eine schöne Vorlage in diesem Buch gefunden.
(Unbezahlte Werbung für ein selbst gekauftes Buch)




Vor allem die superfeinen Sehnenkreuzungen in den Fingern fand ich so spannend, dass ich sie ursprünglich nachsticken wollte. Am Ende fand ich die glatte Kopie auf Stoff aber überzeugender.

Es bleib nicht viel Platz für eine Innentasche, aber damit kann ich leben. 
Meine Wahl für einen Verschluss fiel auf eine Deko-Nadel, die sich von außen in die roten und blauen Blutband-Bändern einfädeln lassen.


Maßband-Armbänder als Nähschmuck machen den Nadelbrief komplett (und verdecken einen kleinen Fleck auf dem Trikotstoff. Nobody is perfect)



Die Abende in der staden Zeit habe ich, wie geplant, genutzt, um an meinem Nadelbrief No. 17: Norwegen zu arbeiten.

Mit Norwegen verbinde ich seit unserem Aufenthalt in Schweden, abgesehen von Lachs und Hardangerstickerei, die typischen Trachtenkleider und den Silberschmuck. Die Trachten werden immer noch mit Stolz bei traditionellen Anlässen getragen und man kann an den Farben und Stickerein erkennen, aus welcher Region in Norwegen die Träger kommen. 
Am liebsten wollte ich ein Muster mit einer Wollstickerei auf einem schwarzen Wollstoff probieren, nur das Problem der Musterübertragung musste ich noch lösen. Mit einem Stift geht das nicht. 

Meinen eigene Musterentwurf habe ich schließlich wieder grob auf transparentes Papier übertragen und von Hand mit einem hellen Heftgarn die Grundstruktur durchgestickt. Danach konnte ich an den Grundranken die Blumen und Ornamante freihand farbig ergänzen.
Wollgarne hatte ich mir vor längerer Zeit einmal zugelegt. Es war etwas dünner als erwartet und so sind die Stickerein filligraner als auf den originalen Trachten. Andererseits ist die Stickfläche auch nicht supergroß gewesen.

Den Nadelbrief habe ich wieder so angelegt, dass er sich vorne wie ein Mieder schließen lässt. In meiner Trachtenknopfkiste fand sich eine passende, fast silberne Schnalle, die ein bisschen wie ein Wikingerschild wirkt.
 
 Das Fotografieren war wieder schwierig, mit all dem dunklem Stoff.


Innen gibt es mal wieder eher schlicht ein Täschchen aus Trachtentuchstoff und zwei Nadelflecken.




Und zum Abschluss kommt noch ein absoluter Exot: die No. 33: eine Qualle.
Ich hatte mich in diese Spiegeleiqualle aus meinem Meeresbuch verliebt, die in ihrer Art und Form das übliche Nadelbriefformat bei Weitem sprengt. Aber heh, man wächst mit seinen Aufgaben und sagt nicht Frau Nahtlust: das wird ein Spaß!

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Spiegeleiqualle
Im August hatte ich schon begonnen, das Unterteil zu sticken und so lag es nun unvollendet in der Kiste.



Das Problem war nämlich eher der obere Teil: das Spiegelei.
Da kam mir erst diese Woche die Eingebung, das Gelbe vom Ei mit Papier-Kleistertechnik über einem Stoffei herzustellen. Das Pappmache bietet eine stabile Form und lässt sich auch gut mit Stoff vernähen.

Hier ist die Grundform schon bemalt und vorbereitet, um auf ein Schabrackenvlies geklebt und genäht zu werden.



Die Unterseite bekam auch eine kleine Schabrackenverstärkung, auf der der Magnetverschluss, der beide Teile verbinden soll, montiert ist. Darauf liegt der Filzkreis als Nadelfleck, der später die Nadeln aufnehmen soll.


Ein wenig "entrückt", dieses Modell, aber damit ist mein Nadelbriefjahr komplett.

Ich habe viel gelernt, manches Bewährte einsetzen können, Neues getestet, Vielfalt geübt und vor allem in der Serienarbeit gemerkt, was mir gefällt und was meine ganz eigene Herangehensweise ist. Gut oder schlecht, es ist "meine".

Ein großer Dank geht an Susanne für dieses tolle Jahr mit so vielen Entdeckungen. Ich freue mich auf das Treffen im Mai, wenn ich auch all die anderen Nadelbriefe und ihre Erfinderinnen im wirklichen Leben sehen kann.

Manche Nadelbriefe gefallen mir nicht, einige würde ich gerne noch einmal machen.
"Und was machst du nun?" fragte mich neulich eine Freundin, vielleicht in Erwartung einer Fortsetzung. 
Ein wenig wird mir die wöchentliche Ideengymnastik fehlen, aber ich habe ein paar neue, kleinere Projekte, die meine Hirnwindungen sicher nicht einstauben lassen.

So und wer nun noch einmal alle auf einmal sehen will, für den habe ich alle 52 mal ausgelegt. Die meisten sind auch als Einzelbeiträge unter 'Nadelbrief' im Blog zu finden.


Nadelbriefe 1 bis 13

Nadelbriefe 14 bis 26

Nadelbriefe 27 bis 39
Nadelbriefe 40 bis 52


Mittwoch, 8. Januar 2020

Alles im Kasten - das Ende des Nadelbriefjahres 2019

Die letzten drei Wochen waren ziemlich gut gefüllt mit allem rund um Weihnachten und Jahreswechsel inklusive Übernachtungsbesuchern, aber ich bin gut (und fleißig) ins neue Jahrzehnt rübergerutscht.

Meine große, selbst gestellte Herausforderung, die letzten Nadelbriefe und alle fehlenden noch bis Anfang Januar fertig zu bekommen, hat mich gut beschäftigt. So manche Weihnachtspost ist darüber liegengeblieben, aber Grüße und Neujahrswünsche bekommt man ja auch gerne im Januar.

Nun kann ich verkünden, dass alle Nadelbriefe im Kasten sind. Was sich, ehrlich gesagt, etwas komisch anfühlt.

Mein Nadelbriefjahr 2019 kompakt
Alle 52 sind fertig und fotografisch vorbereitet. Die letzten drei aus diesem Jahr hatte ich schon kurz bei Instagram gezeigt, möchte aber meinem Vorsatz treu bleiben, und die Geschichten dahinter hier auf dem Blog erzählen. Für mich als Erinnerung und für manche sicher auch interessant. Es sind insgesamt noch sieben Nadelbriefe, die ich auf zwei Posts verteile, sonst schaffe ich das nicht.

Chronologisch fehlt als Erstes der Nadelbrief No. 49: Xanthippe

Ich bin bei meiner Recherche auch zunächst auf die Ehefrau von Sokrates als Namensgeberin gestoßen. Mich hat weniger gestört, dass der Name als Synonym für eine zänkische Frau benutzt wird, als vielmehr die Tatsache, dass das alles Anekdoten waren und über sie selbst eigentlich nichts dokumentiert. Ein bisschen gemein ist das schon, finde ich.

Da habe ich mich lieber an die Übersetzung von "Xanthippe" als "Blondes Pferd" gehalten und mir einen tierischen Nadelbrief gebastelt. Ein hübscher blonder Fuchs stand mir Modell und ließ sich großzügigerweise applizieren.

Als Hintergrund habe ich mir einen griechischen Text ausgedacht, auf Stoff gedruckt und coloriert.

Ich kann kein Griechisch, aber bei den Schriften gibt es griechische Symbole und so habe ich kurzerhand meinen Text mit griechischen Buchstaben schreiben lassen. Wer genau hinsieht, kann in der obersten Zeile lesen:
In diesem Jahr haben wir 52 verschiedene Nadelbriefe genäht. Frau Nahtlust hat ein Nadelbriefjahr ausgerufen. Für Woche 49 ist das Thema Xanthippe, was auch so viel heißt wie „blondes Pferd“. Es hat mir viel Spaß gemacht, mich auf die Herausforderungen einzulassen und möglichst viele verschiedene Materialien und Techniken dafür einzusetzen.
Die Mähne ist aus ausgefranstem Leinenstoff, der Verschluss ein altes Hosenband.

Und weil mein Pferdchen so hübsch ist, hat es auch schon einen Preis bekommen.

Gut verpackt könnte man den Nadelbrief sicher auch bei einem Reitturnier brauchen. Oder im griechischen Restaurant.

Xanti grüßt Frau Nahtlust
Der Nadelbrief No. 51: Kitsch hat mir zunächst Kopfzerbrechen bereitet. Ich dachte, in meinem Fundus findet sich nichts Kitschiges, das dem Klischee von "rosa Plüschpantoffeln" entsprechen würde.
Aber ein Blick in die, zugegeben schwierige, Definition von Kitsch brachte mich dann weiter: Kitsch ist nicht auslegbar wie Kunst, es bietet keine Interpretationsansätze und wiederholt, was dem Betrachter geläufig ist, also ein Klischee statt Echtheit. 
Meist handelt es sich um Kitsch, wenn es falsch im Ort ist, falsch in der Zeit (wie die 'heile Welt' von früher) oder auch falsch im Material. Auch Massenanfertigung und Verniedlichung ist ein Kennzeichen. 
Darauf konnte ich mich einlassen und hab' mir durch Kombination von Plüsch, Rüschen, Rosa, Schleifchen und Perlen meinen eigenen, zuckersüßen "Sissy"-style Kitsch gestichelt.


Auch innen durfte ein Herzchen oder zwei nicht fehlen, Forever ist immer ein bisschen kitschig und was E+S zu bedeuten hat? Susanne wird die Anspielung mit einem Augenzwinkern nehmen, denke ich.






Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen, oder?




Der Jahresabschluss wurde dann wieder eher klassisch mit No. 52: maximaler Glamour

Ich habe mich tatsächlich am Silvestertag hingesetzt und versucht, maximalen Glamour auf ein Stück Seidenstoff zu zaubern, in der Pailettenschublade gekramt und Perlen hervorgeholt.

Es war sehr meditativ zum Jahresende und an den Fotos kann man sehen, dass ich bis in den Abend beschäftigt war.

Insgesamt war es echt schwierig, diesen Glamour fotografisch gut festzuhalten. Da braucht man sicher eine Profiausleichtung. Aber ich denke, man kann die Idee erkennen und dann im Mai das Original ansehen, falls der Nadelbrief es in die Ausstellung schafft.

Knopftechnisch habe ich ein sehr schönes Exemplar gefunden, das ein bisschen russisch anmutet und mich an die Fabergéeier erinnert.

Das Innenleben ist eher schlicht, ausgenommen natürlich die Gold Eye Nadeln und das goldenen Scherchen. Auch die Perlenstickerei meiner Tochter von vor vielen Jahren hat hier ein neues Zuhause gefunden.


Ja, das war der vorläufige Abschluss, bevor ich mich im Januar noch an die Nachholer gemacht habe. Die zeige ich im nächsten Post, zusammen mit einem Resumeé und der Zusammenstellung aller Nadelbriefe.

Die Linkliste bei Frau Nahtlust ist immer noch offen, und so mancher neue Nadelbrief kommt täglich dazu.