Sonntag, 25. Januar 2026

Ein Buch als Inspiration - eine Stoffspielerei

In der kalten Jahreszeit sitzt man gerne in der warmen Stube und schmökert in einem guten Buch. Das ist auch bei textilen Künstlerinnen nicht anders und so manche neue Inspirationsquelle mag über Weihnachten noch dazugekommen sein.

Gabi vom Blog "Langer Faden" hat uns eingeladen, einmal in unseren (alten) Büchern zu stöbern und lange geplante Projekte aus Büchern nun endlich in die Tat umzusetzen oder gar eine gute Geschichte textil neu zu erzählen.
 
Für diese erste Stoffspielerei des Jahres habe ich meine textilen Bücher gesichtet und überlegt, aus wievielen der Bücher ich schon gewerkelt habe. Im Fundus sind überwiegend Bücher zum Thema Patchwork und Quilten, aber auch zum Färben und Drucken, zu verschiedenen Sticktechniken, zum Filzen, Stricken, Häklen und einige zum Kleider nähen. Alles in allem würde ich sagen, dass ich aus 75% der Bücher schon mindestens ein Teil umgesetzt habe. Das ist eigentlich nicht schlecht. Manche Bücher sind auch 'nur' zur Inspiration und Nachschlagewerke, die ich häufig in der Hand habe und insofern auch benutze.
 
Für mein Januarprojekt bin ich auf ein altes UFO von 2012 zurückgekommen, das ich mit einer Freundin zusammen aus diesem Buch erarbeitet, aber bisher nicht vollendet habe.
"Color and Composition for the creative quilter" von Katie Pasquini Masopust und Brett Barker
 
 
Es erläutert die verschiedenen Designelemente wie Linie, Form, Tonwerte und Farbe anhand von Übungen mit Stoff, ein Klassiker also.
Wir hatten und damals eine Übung zum Thema "Linie und Form" anhand eines Stilllebens ausgesucht und das wollte ich eigentlich mit Quiltlinien fertigstellen. Stattdessen habe ich die ganze Übung noch einmal nachvollzogen und eine neue Version auf meinem heutigen Stand des (auch Zeichen-)Wissens erstellt.
 
 
Im ersten Schritt nähert man sich der Komposition mit Papier und Stift und erstellt Blindkontur- und Konturzeichnungen. Dabei schaut man beim Zeichnen überwiegend auf die Objekte und nicht auf das Blatt und fährt mit den Augen das Objekt ab, während die Hand das Ganze auf Papier nachvollzieht und aufzeichnet.
 
 
So wird die Hand und das Auge geschult für den zweiten Schritt: die Elemente freihand mit der Schere aus Stoff auszuschneiden. Hier sollen gleichzeitig auch Tonwerte der Objekte und die Schatten mit eingehen, weshalb meine Stoffauswahl für die Farben des Obstes in hell-mittel-dunkel Kategorien eingeteilt ist.

Da die Stoffe später auf einen grauen Hintergrund appliziert werden sollen, ist angeraten, die Stoffe vor dem Schneiden mit Bügelvlies zu verstärken und zu hinterbügeln. Das habe ich dieses Mal nicht getan, was mir später beim Applizieren einiges an Gestaltungsfragen auferlegt hat.
Die Stoffe sollten außerdem doppelt zugeschnitten werden, weil aus den gleichen Teilen zwei verschiedene Möglichkeiten der Komposition ausprobiert werden sollten: eine realistische und eine abstrahierte.

Dann also ran an die Schere und die Formen ohne Vorzeichnung, nur aufgrund meiner Beobachtung ausgeschnitten. Krumme, 'organische' Formen sind damit vorprogrammiert. Hier habe ich die Teile schon zu den einzelnen Formen zusammengelegt.
Die ganze Komposition zählt noch zu den 'realistischen', wirkt aber in dieser Ausführung schon ansatzweise 'abstrakt'.

Um ein Gefühl für mögliche Freihandquiltlinien zu bekommen, war die nächste Übung das Konturquilten des Stilllebens direkt auf Stoff. (Inzwischen war die Orange aufgegessen und durch eine Madarine ersetzt worden)



Und so habe ich die Linienverstärkung dann auf der Applikation umgesetzt. Da ich die Stoffstücke nur mit Sprühkleber haftbar gemacht hatte, waren die offenen Kanten nicht klebeschlüssig mit dem Untergrund verbunden, ein Problem. Ich habe beschlossen, mit wasserlöslichem Stickvlies zu arbeiten, das ich über meine Komposition gesteckt habe, und später auswaschen konnte. Einige Kanten blieben lose, weil ich dort keine Nählinien haben wollte.
 
 
Für den 'abstrakten Teil' konnte ich alle Teile frei kombinieren und nach einem bestimmten Schema anordnen wie z.B. vertikal, im Kreis, diagonal, symmetrisch etc.
 
 
Die erste Eingebung ließ mich die Elemente gruppieren und dann im Kreis anordnen wie einen Strauß Blumen oder eine Art Mandala. Doch dann wollte ich die Früchte lieber marschieren oder tanzen lassen und habe sie horizontal angeordnet.

Zum Sticken - freihandquilten habe ich diesmal verschiedene farbige Garne gewählt und hier kann man auch das Stickvlies auf der Applikationsteile erkennen.
Für den Hintergund hatte ich noch keine Idee, aber zum Spaß habe ich meinen Früchtchen Augen gegeben, die mich nun für die nächste Stoffspielerei fröhlich stimmen.
 
Denn dieses Jahr sind wieder äußerst spannende Themen auf unserer Liste, auf die ich mich schon freue. (Im Buch gibt es auch ein Kapitel über Hell und Dunkel, was ja im Februar angeret wird. Wer weiß, vielleicht schaffe ich das ganze Buch bis zum Ende des Jahres?)

Heute sammelt Langer Faden alle unsere Buch-inspirierten Werke, schaut auch mal rein.

Und wer gerne sehen möchte, wie diesselbe Übung vor 14 Jahren ausgefallen ist, mit anderen Stoffen und noch immer ohne Quiltlinien, hier bitte.

 

Die Stoffspielereien

Bist du auch eine Stoffspielerin?

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Machst du nächstes Mal mit?

Stoffspielerei-Termine 2026:

25.01.2026: "Ein Buch als Inspiration" bei Langer Faden

22.02.2026: „Licht & Dunkelheit“ bei HeyyOskar

29.03.2026: „Taschen“ bei Petersilie und Co

26.04.2026: „Altes in Neuem“ bei feuerwerk by KaZe

31.05.2026: „Englisch Paper Piecing“ bei 123-Nadelei

28.06.2026: „Tierisches“ bei zwisch-en-durch

Juli und August: Sommerpause

27.09.2026: „Die Kunst des Weglassens“ bei Tyche's Touch

25.10.2026: „Schablonieren“ bei Siebensachen zum Selbermachen

29.11.2026: „Teppiche“ bei made with Blümchen

Dezember: Winterpause

 
 
 


 

29 Kommentare:

  1. Super! Eine wirkliche Spielerei. Die abstrakte Version ist allerliebst. Fruchmännchen. Dass du die Umsetzung von früher noch hast, macht die Arbeit noch spannender. Liebe Grüsse von Regula

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mit meiner neuen Erfahrung sollte das Fertigstellen der alten Version kein Problem mehr sein. In die Kiste kommen die Blöcke nicht zurück.

      Löschen
  2. Das ist eine ganz schön aufwendige Aufgabe, die du dir aus dem Buch ausgesucht hast. Blind malen habe ich auch mal versucht, da kommt bei mir gar nichts raus. Trotzdem hat man hinterher ein besseres Verständnis für die Farben und Formen. Dein Stilleben ist sehr interessant, richtig gut gefällt mir die freie Interpretation. Deine lachenden Früchtchen machen gute Laune. Liebe Grüße Gabi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wenn man mal dran ist, bekommt man Lust, die Varianten zu probieren. Sie ergänzen sich ja gut. Die abstrakten Figuren hatten noch keinen „Charakter“, da kamen die Augen gerade recht.

      Löschen
  3. Liebe Elvira,
    diese Patchworkarbeit bzw. die Schritte und Vorarbeiten dazu beeindrucken mich sehr. Schön zu sehen, welche Entwicklungsschritte, wieviele Versuche möglich und nötig sind. Dein Vorgehen, die Beispiele und Ergebnisse - sogar noch welche von früher - habe ich mir sehr genau angesehen. Toll, welche feine Farbnuancen an Quiltstoffen du zur Verfügung hast! Sehr inspirierend, dein Beitrag, vielen Dank, liebe Grüße von Tyche

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Reduktion auf einfarbige Stoffe macht das Ensemble grafischer, da kann man auch größere Abstufungen einbauen. Beim ersten Projekt habe ich mehr auf Übergänge geachtet und mit gemusterten Stoffen eher den ‚traditionellen‘ Geschmack getroffen.

      Löschen
  4. prima deine obstdarstellungen * war zufälligerweise am freitag in ein kurs über "art de la table" und wir sollten ein teller mit obst oder anderes mit collage darstellen und es war nicht einfach! deine collage sieht so wirklich und so hübsch aus !
    liebe grüsse
    mo

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Zeigst du uns deine Obstschale einmal? Was Collagen angeht, hast du viel Übung, die ist dir bestimmt gut gelungen. Stillleben sind ein gutes Übungsobjekt, ich mag sie.

      Löschen
  5. wow, das ist ja mal ne detallierte mehrschrittige Herangehensweise. Klasse!
    Die freie Anordnung erinnert mich an das Kunstaufräumen - nur dass es eben zu ganz neuen Figuren angeordnet wurde. Herrlich verspielt!

    Lieben Dank fürs Zeigen,
    liebe Grüße,
    Maria

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Kunstaufräumen kenne ich noch nicht, ist es ähnlich der abstrakten Komposition? Ich mag das Arbeiten in Serie, sollte es öfter tun. In textil habe ich es neu wiederentdeckt. LG

      Löschen
    2. Das kommt von Elvira zwisch-en-durch, hab nicht gesehen, dass ich anonym bin.

      Löschen
    3. Ursus Wehrli hat da einiges gemacht. Im Grunde Kunstwerke in ihre Bestandteile aufgeteilt und dann sortiert

      Löschen
    4. Bei der Sendung mit der Maus gab es mal einige Beiträge mit Herrn Wehrlich. Schau mal auf Youtube unter "Herr Wehrli räumt auf".

      Löschen
    5. Danke für den Tipp! Ich hab' ihn gefunden und das ist ein sehr interessantes Konzept, auch amüsant.

      Löschen
  6. Liebe Elvira, ich bin absolut begeistert von deiner sehr kunstvollen Arbeit, in der so viel Zwischenschritte stecken und so viel Zeit, ganz bestimmt! Wirklich super! Du bist herrlich vielseitig, zeichnest so toll auf dem Papier und hier mit der Nähmaschine!
    Herzliche Grüße von Ulrike

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank für die freundliche Rezension, liebe Ulrike. Ich denke, das Zeichnen lernen in den letzten 10 Jahren hat mich erfahrener gemacht und meinen Blick geschärft . Das kommt auch den textilen Übungen zugute. Du kennst das sicher auch von deinen Schriftbildern.

      Löschen
  7. Sehr interessant! Besonders der Vergleich zu der Übung vor 14 Jahren. Ich habe den Eindruck, Du bist mutiger geworden! Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich hatte am Ende auch den Eindruck, dass ich freier an die Übungen gegangen bin. Freut mich, dass es durchschimmert.

      Löschen
  8. Die freien und abstrakten Arbeiten gefallen mir ganz besonders!!!! Frei bildhaft sticken an der Maschine habe ich noch nie probiert, nur geschrieben.
    Eine schöne Idee mit noch mehr Themen das Buch "duchzuarbeiten".
    viele Grüße karen

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es ist ein kurzer Weg vom freihand Schreiben zum Zeichnen, probier es ruhig aus. Mit der Maschine zu zeichnen ist wie eine continous line Zeichnung auf Papier, weil man den Faden auch nicht absetzt, ich hier jedenfalls nicht.

      Löschen
  9. Sehr interessant, diese Herangehensweise. Schon der erste Schritt mit dem blind zeichnen muss ausprobiert werden. Ganz besonders gefällt mir der Vergleich zwischen deinen jetzigen Spielereien und denen vor 14 Jahren. Ich finde auch dass du mutiger geworden bist. Über die Kulleraugen musste ich schmunzeln, danke für die Prise Humor.
    Liebe Grüße, heike

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Blindzeichnen fiel mir nicht schwer, freie Formen mit der Schere zu schneiden ohne Vorzeichnung war schon schwieriger. Da verdeckt man den Stoff mit der anderen Hand und kann die Teile nicht drehen. Perfektionismus muss man da zuhause lassen.

      Löschen
  10. Eine anspruchsvoll komplexe Übung, Respekt für Dein Ergebnis. All die Teilschritte sind Bereiche, in denen ich nicht so viel Erfahrung habe (malen, freies Quilten). Es gibt Bereiche, wo ich dazu lernen könnte ... Danke für Deine Einblicke ins Buch und die Übung.
    LG Ute

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich bin gewohnt, nach Anleitungen zu arbeiten und eigne mir damit Grundkenntnisse an, die ich später variieren und meine eigenen Ideen besser damit umsetzen kann. Das Malen habe ich auch neu entdeckt und lerne fleißig dazu, auch durch selbermachen. Dieses Thema hat gut gepasst.

      Löschen
  11. Wow! Eine umfangreiche und zeitintensive Arbeit, deren Ergebnis beeindruckend ist. Hier ist eine Künstlerin am Werk.
    LG
    Beate

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für den freundlichen Kommentar. Künstlerin ist zu hoch gegriffen, das sind wir ja alle hier bei den Spielereien. Die Zeit vergisst man leicht bei der Arbeit“ und beim Entdecken.

      Löschen
  12. Liebe Elvira, so eine spannende, künstlerische Herangehensweise zeigst du da, ich bin ganz fasziniert! Schön auch, dass du in einem Kommentar schreibst, dass du beim Ausprobieren die Zeit vergessen hast. Wunderbar! Deine Entwicklung in den letzten Jahren ist ganz offensichtlich. Liebe Grüße, Gabi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dank der Stoffspielereien finde ich immer wieder alte "Schätze", die mich weiterbringen und dann auch endlich vollendet werden. Ein schönes Gefühl, das in Gesellschaft zu tun.

      Löschen
  13. Dank der Stoffspielereien finde ich immer wieder alte "Schätze", die mich weiterbringen und dann auch endlich vollendet werden. Ein schönes Gefühl, das in Gesellschaft zu tun.

    AntwortenLöschen