Sonntag, 26. April 2026

Altes in Neuem - textile Spielerei

Nachhaltigkeit beim Umgang mit Textilien ist ein Dauerbrenner, wenn man die Umwelt und den Geldbeutel schonen will. Das Wissen um die Herstellung der Fasern für unsere textilen Begleiter verschwindet zunehmend und mit ihm auch das Wissen und das Handwerk für ihre Pflege und Erhaltung. Ganz zu schweigen von der Möglichkeit zur künstlerischen Aufwertung. 

Karen von feuerwerk by KaZe hat uns eingeladen, uns (wieder) mit "Altem in Neuem" zu beschäftigen. Ihr Inspirationsbeitrag ließ mich kurzfristig daran denken, ein Kleidungsstück aus meiner Zeitschrift von 1962 zu fertigen. Bei Durchblick der Modelle schien mir die "Taillenlinie" allerdings nicht mehr ganz angemessen (hust) und ich nahm davon Abstand.
 
 
Dann fiel mir die Anleitung und ein Probestück für eine alte Handwerkstechnik in die Hände, die sie erwähnte, und das wurde mein heutiges Projekt: Nadelbinden.

ein Musterstück aus einem Anfänger Workshop

Nadelbinden ist eine alte Technik, mit der man aus Fasern in einer Schlingentechnik textile Flächen herstellt, die direkt als Kleidungsstücke wie Mützen, Handschuhe, Netze etc. gearbeitet werden oder auch als Taschen und Decken zusammengefügt werden können. Nadelbinden wird als Vorläufer des Strickens und Häkelns angesehen.

Man kann pflanzliche und tierische Fasern gleichermaßen verwenden, die nur abschnittweise gesponnen oder gekordelt werden müssen. Als Nadel dient eine 8-10cm lange, flache und stumpfe Nadel aus Holz oder früher auch aus Horn bzw. Knochen.
Die angewendete Schlingentechnik ähnelt dem Sticken eines Festonstiches, nur ohne Stoffunterlage, freihand gearbeitet. Im einfachsten Fall arbeitet man eine Netzstruktur, es gibt jedoch eine große Vielfalt an komplizierteren Stichen, je nach Ursprungsregion und Schlingentechnik (ein Blick auf die Wikipediaseite lässt erahnen, wie weit verbreitet diese Technik früher war).
 
 
 
Mein Musterstück hatte ich damals aus Wolle gearbeitet, was mich schon zwei Dinge gelehrt hat: 1. es ist eine ziemlich langwierige Angelegenheit, eine Stück in dieser Technik zu schaffen und 
2. man kann nicht endlos arbeiten, also nicht vom Knäuel. Da man den Faden wie beim Sticken immer  in ganzer Länge durch die vorhergehende Schlinge ziehen muss, arbeitet immer nur in armlangen Stücken, die man dann immer wieder ansetzen muss. Bei Wolle als Material bedeutet das: gesponnenes Garn am Ende aufdröseln, mit dem neuen Faden verdrehen und dann verfilzen. Sehr mühsam!
 
Wolle als Material fiel also aus und das Projekt sollte überschaubar bleiben. Meine Wahl fiel schließlich auf ein neues Netz für meine Knoblauchknolle, die in der Küche (noch im Plastiknetz) hängt aus Leinengarn, das ich von einer Freundin geerbt hatte.
 
Bei der Suche nach einer Anleitung für eine Netzbindung blieb ich bei Sally Pointers Kanal hängen, die Netze aus Bast fertigt. Dazu dreht sie die einzelnen Baststreifen zu Kordeln, was ich mit meinem Leinengarn auch tun musste. Noch eine alte Technik: das Drehen von Kordeln von Hand.
 
Eigentlich ziemlich simpel: man hat zwei Stränge in der rechten Hand, die man gegeneinander verdreht. Man nimmt einen Strang zwischen Daumen und Zeigefinger und den anderen zwischen Ring- und kleinen Finger und kreuzt sie ein Mal übereinander. Dann dreht man den oberen Strang, den zwischen Daumen und Zeigefinger, von sich weg - nach hinten - mit ein paar Umdrehungen, hält das fest und schlägt dann den zweiten, unteren Strang von hinten nach vorne  unter den oberen. Damit kreuzt man die beiden Stränge und der untere wird zum oberen. Jetzt wechselt man die Finger und dreht den oberen, neu gefassten Strang wieder ein paar Umdrehungen nach hinten und kreuzt den neuen, unteren wieder von hinten nach vorne unter den oberen. Und so weiter. (ein Video dazu findet man bei Sally Pointer hier
 
Ich hatte mit zweifädigem Leinengarn begonnen, nur um festzustellen, dass das gekordelte Garn zu schwach war und sich beim ständigen Durchziehen auflöste. Dann bin ich auf 3-4 Fäden pro Strang umgestiegen, was sehr viel stabiler war.
 
 
Nachdem ich eine Armlänge gekordelt hatte, konnte es mit einem Ring und Festonschlaufen losgehen. Ambitioniert wie ich war, habe ich gleich eine doppelte Schlinge eingesetzt, die schon bald ein drehendes Eigenleben entwickelt hat.

 
Also fügte ich in der zweiten Reihe eine einfache Schlinge an und habe insgesamt immer wieder zwischen den Schlingen gewechselt.
Auch das Ansetzen von neuen Fäden war einfacher als mit Wolle, weil ich die Fäden einfach überlappend mit einarbeiten konnte statt sie verzwirbeln und verfilzen zu müssen.

 

Inzwischen war mein Knoblauch vertrocknet und ich habe als Abschlussbild Zwiebeln zur Demonstration genommen. Der Beutel ist ziemlich klein geworden und durch das Leinengarn auch nicht ganz locker. Trotzdem ist das Nadelbinden eine gemütliche Handarbeit, die man gut am Abend auf dem Sofa machen kann.
 
 
Dass man das Kordeln auch mit dünneren Stoffstreifen aus Baumwolle machen kann, habe ich früher schon einmal ausprobiert. Im Ergebnis bekommt man dann natürlich eine dickere Kordel, die Technik ist die gleiche. Ich habe sie dann als Geschenkband verwendet.

 
Auch aus 7mm breiten Jeanssstreifen habe ich schon einmal versucht, ein Kordelnetz herzustellen.
 

Das Kreuzen der Richtungen war nicht so schwer, aber was ich mit den Enden anfangen soll, weiß ich bis heute noch nicht. Ein Experiment eben, das die Hände beschäftigt hielt und ganz gut in die Stoffspielerei-Liste passt.

Nun kann ich meinen späten Beitrag doch noch zur Gastgeberin Feuerwerk by KaZe abschicken und mir die anderen "aus Alt mach Neu" Ideen bei den Mitspielerinnen anschauen. 
Gleich danach wartet schon die nächste Handarbeit: English paper piecing im Mai.
Auch eine schöne Gartenbank-Tätigkeit.

Die Stoffspielereien

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Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

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Stoffspielerei-Termine 2026:

31.05.2026: „Englisch Paper Piecing“ bei 123-Nadelei

28.06.2026: „Tierisches“ bei zwisch-en-durch

Juli und August: Sommerpause

27.09.2026: „Die Kunst des Weglassens“ bei Tyche's Touch

25.10.2026: „Schablonieren“ bei Siebensachen zum Selbermachen

29.11.2026: „Teppiche“ bei made with Blümchen

Dezember: Winterpause