Sonntag, 22. Februar 2026

Licht und Dunkelheit - eine Stoffspielerei

Die Tage werden länger, der Schnee erhellt immer wieder die sonst düsteren Februartage und ganz allmählich verlassen wir die dunkelste Zeit im Jahr.
 
Die Stoffspielerei im Februar hat das Thema "Licht und Dunkelheit", das Anne Sophie von "heyyoskar" vorgeschlagen hat und sie sammelt heute auch alle Ideen und Lichtblitze für uns.

Sowohl "Licht" als auch "Dunkelheit" setzen gleich viele unterschiedliche Assoziationen frei: stimmungsvoll beleuchtete Szenen, wilde Blitze vor dunklem Wolkenhimmel, fantasievolle Schattenspiele und es ist eigentlich egal, ob das im Sommer oder Winter stattfindet.
 
Ich werfe ganz banal einen ersten Blick (vom Bett aus) zum Fenster. Dort beobachte ich gerne, wie sich allmählich das Licht aus der Dunkelheit entwickelt, wie Schatten über die Wand und Lichtstrahlen durch die halbgeöffneten Jalousien geworfen werden. Dabei habe ich mich gefragt, wieviel "Dunkelheit" es braucht, um das Licht auszusperren oder anderherum auch: wieviel Licht es braucht, um die Dunkelheit zu vertreiben.

Meine Idee also, dunkel auf hell und hell auf dunkel zu arbeiten. 
Die beste textile Technik, die die Lichtschichtung mittels "Dunkel auf Hell" ausdrücken konnte, schien mir sticken zu sein. Ich wollte ausprobieren, wie ich mit verschiedenen Garnen (dicker, dünner, heller, dunkler) und verschiedenen Stichanordnungen andere "Dichten" erzeugen kann.
Als Materialien habe ich weißen Baumwollstoff gewählt, verschiedene nichtfarbige Garne gewählt und mit einem Stickrahmen in den quadratischen Musterflächen gestickt.

graues Leinengarn, Wolle/Acryl Garn, 30er Nähgarn, Stickgarn

erstes Feld mit Vorzeichnung
 
Die jeweiligen ausgedachten Muster habe ich mit einem wasserlöslichen Bleistift leicht auf dem Stoff vorskizziert, mich dann aber von meiner Intuition beim Sticken leiten lassen. Insgesamt habe ich in 4 Feldern verschiedene Richtungen sowie zunehmende Garnmischung beim Sticken ausprobiert. In Feld 1 ist alles nur schwarz, in Feld 2 nur Grau, in Feld 3 findet man tonal abgestufte Grauwerte und im letzten Feld Schwarz-graue Überlagerungen.
Zudem ist in jedem Feld die Richtung der Stiche anders. Ich habe aber immer nur Geradstiche eingesetzt.


Das Ergebnis ist bewusst eher grafisch und ich mag die plastische Wirkung der Stiche, die zusätzlich Licht und Schatten erzeugen, besonders wenn man die Muster von der Seite betrachtet. Diese Art des "mark making" in Textil hat einen ganz eigenen Charakter, den man mit einem Stift auf Papier nicht erreichen könnte.
 



 
Um meine zweite Idee von "Hell auf Dunkel" umzusetzen, wollte ich Motive mit Discharge Paste aus dunklem Stoff herausfärben. "Discharge Paste" ist eine Entfärberemulsion, die man frei oder mittels Schablonen oder Stempel auf den Stoff aufbringt und einwirken lässt. Dann bügelt man den Stoff heiß und feucht und idealerweise entfärbt sich der Stoff dann dort, wo die Emulsion aufgebracht wurde.
 
Eine solche Emulsion befindet sich schon seit langem in meinem Fundus und ich war guter Dinge, sie nun endlich einsetzen zu können.

 
Die ersten Versuche, eine Entfärbung mit einer dünnen Schicht der Emulsion hatten  überhaupt keinen Effekt (kein Bild), dann habe ich die Emulsion dick mit der Spachtel aufgetragen. Meine Motive waren eine Libellenschablone aus Plastik und eine Vogelschablone aus Freezer Paper.

All meine Bemühungen waren jedoch fruchtlos. Bis auf einen leichten Chlorgeruch und eine schwache Entfärbung bei nächtlicher Trocknung hat sich da nichts (mehr) getan. Die Paste ist wohl doch zu alt gewesen und ich konnte mich nicht überwinden, einen Chlorreiniger zu kaufen, der ja zum Entfärben eine Alternative gewesen wäre.

nach dem Entfärben
 
So habe ich die Schablone für eine andere Technik benutzt und die Idee des "hell auf dunkel" in einer Schabloniertechnik ausprobiert, Textilfarbe und Stupfpinsel sei Dank.
 

 
Und weil ich bei der ersten Schablone die Hell-Dunkel-Verteilung vertauscht hatte, habe ich eine zweite, ähnliche Version geschnitten und gedruckt. Erwartungsgemäß ergibt die Schablone scharfe Kanten und keine weiche, verschwommenen Linien wie sie das Entfärben gebracht hätten. Hier habe ich auch keine weiteren Stickstiche angefügt, das schien mir nicht passend.
 
Stattdessen gibt es ein Finale mit einem "weiß auf schwarzen" Stickbild, in dem ich als Variante neben Geradstichen nun auch mit  Kettstichen, Knotenstichen, Plattstichen und Federstichen gespielt habe. Diese Anordnung wirkt auch noch grafisch, die Motive aber organischer, finde ich.

 
Auch wenn dieses Mal nicht alles nach Plan ging, bin ich ganz zufrieden mit den Ergebnissen und was die Discharge Paste angeht, wird, wenn sie entsorgt ist, auch wieder etwas mehr "Licht" in meiner Materialsammlung sein.
 
Danke an Anne für das Vorschlagen und Sammeln der Lichtblicke an diesem Sonntag.
 
 

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Stoffspielerei-Termine 2026:

29.03.2026: „Taschen“ bei Petersilie und Co

26.04.2026: „Altes in Neuem“ bei feuerwerk by KaZe

31.05.2026: „Englisch Paper Piecing“ bei 123-Nadelei

28.06.2026: „Tierisches“ bei zwisch-en-durch

Juli und August: Sommerpause

27.09.2026: „Die Kunst des Weglassens“ bei Tyche's Touch

25.10.2026: „Schablonieren“ bei Siebensachen zum Selbermachen

29.11.2026: „Teppiche“ bei made with Blümchen

Dezember: Winterpause

 

1 Kommentar:

  1. So viele Ideen, so viele tolle Umsetzungen! Das Finale mag ich sehr, die unterschiedlichen Stickstiche machen die Bäume umso mehr lebendiger. Liebe Grüße!

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