Samstag, 30. Mai 2026

Stoffspielerei mit English Paper Piecing (EPP)

Was man mit EPP alles machen kann

Wenn man in diesem warmen Mai ein textiles Projekt auf dem Sofa arbeiten wollte, musste es ein kleines, kühles Projekt sein, kein dicker Wollpullover. 
Wie praktisch, dass uns Ute von 123 Nadelei aufgefordert hat, ein Handnähprojekt in der Englischen Papier Methode als Stoffspielerei zu erforschen.
 
Mein allererster Kontakt mit Paper piecing wurde zum Nadelheft
 
Ich habe mich gefreut, als das Thema Anfang des Jahres auf der Liste erschien. Denn auch wenn ich schon einige Projekte in dieser Technik  gearbeitet und vorgestellt habe, wie den "Seven Sister" Quilt beim Thema "Handnähen" hier und ein "Libellchen" beim Thema "Ornament" hier, ist es doch eine gute Gelegenheit, seine Kenntnisse zu erweitern und an neuen Ideen zu tüfteln. Vor allem bleiben ja auch immer "Restbestände", an die man anknüpfen und die man quasi vollenden kann.

Rückseite des "Chapman Überwurfs" von ca 1830, Foto aus dem Katalog zur Ausstellung
 "Quilts 1700-2010" im V & A in London
 
Um exakte Patchworkmuster zu erstellen, hat man früher wie heute gerne Papierschablonen benutzt, anhand derer man die Nahtlinien auf der Rückseite der Stoffe markiert hat, um dann die einzelnen markierten Stoffteile mit Nahtzugabe auszuschneiden und entlang der Nahtlinien von Hand zusammenzufügen. Der Vorteil hierbei ist, dass man nur eine Schablone für alle Teile braucht.

Eine andere beliebte Methode war und ist, den Stoff über eine Papierschablone zu heften und die so geformten und fixierten Teile mit Überwendlichstich aneinander zu nähen. Dazu braucht man pro Teil eine Papierschablone, die am Teil verbleibt, da das Papier erst nach dem Zusammennähen eines größeren Stückes herausgenommen und für den neuen Stoffbezug wieder verwendet werden kann. Außerdem braucht man viele, exakt gleiche Schablonen.
 
Sechseck-Schablonen aus dem Überwurf zeigen die Vielfalt der verwendeten Papiere, aus dem o.g. Katalog

 
Heutzutage ist das kein Problem, es gibt Papier im Überfluss und mit einem Drucker oder Kopierer ist das exakte Kopieren einfach zu erreichen. Im 19. Jahrhundert aber wurde Papier noch handwerklich hergestellt und jedes Stück wurde sorgsam gehütet und hier auch für Schablonen genutzt. Im unvollendeten "ChapmanÜberwurf" fand man Schablonen, die aus Kinderschreibheften, Rechnungen, Briefen und Zeitungen geschnitten wurden. Ein wunderbares Zeitdokument.


Was sich bei mir gesammelt hatte, sind Rhomben als Überreste des "Seven Sister" Quilts. Meine Papierschablonen waren damals aus Kopierpapier (ich habe einfach 60° Rastervlies auf dem Kopierer vervielfältigt), das gut geeignet war, um den Stoff durch das Papier zu heften. Der Nachteil des dünnen Papiers und dieser Technik ist, dass man beim Zusammennähen die Kanten des Papiers  manchmal durchsticht und damit für den nächsten Einsatz schwächt bzw. unexakter macht. Und außerdem muss man alle Heftfäden wieder entfernen, bevor man die Schablone aus dem Stoff herausnehmen kann.
 
 
Beim Sechseckquilt von 2023 hatte ich deshalb schon auf die "Lieseltechnik" beim Heften umgestellt. "Erfunden" von Liesel Niesner, heftet man dafür den Stoff nicht durch, sondern nur über die Kanten der Papierschablone, die dann allerdings fester sein sollte (ich habe 160g/m2 Papier zum Drucken im Kopierer benutzt). Der Faden kann dann nach dem Zusammennähen der Teile im Stoff verbleiben und die Kanten des festeren Papiers nehmen weniger bis fast gar keinen Schaden. 
 
(Technische Anmerkung: beim Heften sollte man die Richtung des Heftens so legen, dass sich der Faden in den Ecken kreuzt, also wie beim Hexenstich. Dadurch werden die Seiten besser miteinander verspannt.)
 
Die Papiermethode eignet sich sehr gut für Muster, die eine Y-Naht erfordern, also alle 60° oder 30° Muster wie Sechsecke oder Dreiecke oder Trapeze, wie bei meiner neuen Quiltidee. Ich wollte nämlich mit halben Sechsecken arbeiten und ein Muster namens "Inner City ausprobieren. Trapezförmige Teile werden dabei so angeordnet, dass sich Y-Formen bilden, die durch die Tonwertanordnung räumlich wirken.

Mit meinem Handnähköfferchen habe ich es mir auf dem Sofa gut eingerichtet. Viele Hilfsmittel braucht man ja nicht. Überzogenen Büroklammern halfen mir, die Stoffe auf den Schablonen zu fixieren, bevor ich sie angeheftet habe.
 

Bald hatte ich eine Kiste voll, vier verschiedene Farben habe ich mir für den Anfang vorgenommen. Garnicht so einfach, immer drei verschiedene Schattierungen zusammenzustellen. Ich habe beim Kombinieren die Stoffe bewusst gemischt und nicht je zwei Gleiche für einen Tonwert vorgesehen.
 
 
Und dann war da noch die Frage der Reihenfolge des Zusammennähens: Erst die jeweils gleich getönten Teile mit der kurzen Seite aneinander nähen oder jeweils paarweise die Teile an der langen Kante?



Bei der ersten Variante ist es einfacher, die jeweils stimmigen Farbtöne zu kombinieren. Das ergibt am Ende einen besseren Übergang für die optische Wirkung.
 
 
Nächste Frage: sollen die Blöcke durch kleine Würfeleinheiten und in welcher Farbe aufgelockert werden?
 
Wenn die Blöcke Ton-inTon bleiben würden, könnte das funktionieren. Bei meiner bunten Farbmischung kann ich mir Bauklotzblöcke am besten in grau-schwarzen Schattierungen vorstellen. Das wirkt beruhigend.
 
Soweit bin ich nun also gekommen. Die Blöcke haben eine Ausdehnung von ca. 13x13cm und wieviele ich davon für eine Decke brauche, habe ich noch nicht ausgerechnet. Wenn der Juni so warm wird wie der Mai, werden wohl noch einige Abende ohne Stricken vergehen und mein Projekt weiter wachsen.
 
Für heute lehne ich mich erstmal zurück und freue mich auf die Papiermodelle der Mitspielerinnen. Ute sammelt heute alle Beiträge und freut sich, wenn Ihr mal reinschaut und einen Kommentar oder eine eigene Spielerei hinterlasst.
 
Im nächsten Monat geht es um "Tierisches" und ich werde als Gastgeberin nächste Woche ein paar Ideen und Anregungen in den Blog stellen.
 
Sonnigen Sonntag wünsche ich Euch.


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Stoffspielerei-Termine 2026:

28.06.2026: „Tierisches“ bei zwisch-en-durch

Juli und August: Sommerpause

27.09.2026: „Die Kunst des Weglassens“ bei Tyche's Touch

25.10.2026: „Schablonieren“ bei Siebensachen zum Selbermachen

29.11.2026: „Teppiche“ bei made with Blümchen




 



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