Sonntag, 27. Mai 2018

Stoffspielereien im Mai - Japan

Im Mai stehen wieder Stoffspielereien für den letzten Sonntag auf dem Programm. Gastgeberin ist dieses Mal Gabi von madewithbluemchen und ihr Thema: Japan.

Wer mich aus den intensiven Patchworkzeiten kennt, weiß, dass japanisches Nähwerk und ich eine lange, interessante Beziehung haben. Sie geht zurück bis in das Jahr 1996, als mir die ersten japanischen Quiltbücher über den Weg liefen und dauert bis heute. Ich habe inzwischen ganz unterschiedliche Techniken ausprobiert und beim Stöbern in Kisten ud Kasten doch eine ansehnliche Sammlung von Decken und Taschen gefunden.

Also dachte ich, vielleicht wäre es nett, euch ein bisschen von dieser Geschichte zu erzählen und ein paar meiner "Schätze" zu belichten. Größere und viele kleine Projekte sind 'japanisch' inspiriert, auch wenn die Bücher und Magazine oft nur in der Originalsprache zu bekommen waren und sind.


Das braune Buch war mein erstes, verfasst von Atsudo Kuroda, wie mir eine Freundin einmal übersetzte. Mein erstes Projekt daraus war eine Nähtasche.

Auch wenn man des Japanischen nicht mächtig ist, haben diese Bücher zwei unschlagbare Vorteile:
die Japaner arbeiten mit metrischen Maßen, also in Zentimeter, und zweitens sind ihre Anleitungen hervorragend bebildert, gezeichnet und vermessen. Das gibt es selbst bei deutschen Anleitungen sehr selten. 
Ich mochte auch gleich, dass die Modelle oft aus gewebten Stoffen waren und alte Hemden, Jeans und eher traditionelle Materialien verwendeten.
Kein Wunder, dass mein dritter Quilt (ganz ambitioniert) nach dem Quilt 'Spuren eines Traums' von Shizuko Kuroha entstand. Das war 1996/97.

Damals fotografierte man noch mit Filmen, wie das Foto links unten zeigt. Alte, karierte Hemden meines Mannes kombiniert mit rosa Westfalenstoffen waren damals meine Stoffauswahl für diese Logcabin-Muster-Variation. 
Als Füllung wählte ich ein Wollvlies, das jahrelang das Waschen gut ertrug. Bis auf vor kurzem, als ich die Decke doch irgendwie zu heiß gewaschen und damit gleichzeitig "gecrasht" habe. Man lernt immer noch dazu.

Im Jahr 2000 verschlug es uns beruflich in die Nähe von London und dort wurde ich Teil einer internationalen Quiltgruppe, einschließlich einer guten Handvoll Japanerinnen, die mir endlich beim Übersetzen helfen konnten. Gleichzeitig brachten sie mir das Staunen über ihr handwerkliches Geschick und ihr faszinierendes Formgefühl bei.
Ein Abschiedsgeschenk waren Quiltblöcke mit guten Wünschen, die ich später zu einem Quilt zusammengesetzt habe.


Die Feinheit der Stickerei in japanischer Schrift ist unübertrefflich. Keine Ahnung, wie sie das hinbekommen hat. Es war natürlich Ansporn, eigene Stickversuche zu starten, wie z.B. bei diesem Maiglöckchenkissen. Eine Kombination als Applikation und Sashiko.

Kissen nach einer Anleitung aus 'Fabled Flowers' von Kimiko Sudo

Eine andere Lieblingskombination der Japanerinnen ist Leinen und Stickereien oder Quiltmuster. So entstand dieses kleine Nähkörbchen, zunächst als ein Streifen mit Crazystickerei, der dann zum Körbchen wurde, indem man den Streifen als Tunnel angenäht und ausgestopft hat.

Körbchen gefunden im Buch 'Small Quilts'
Etwas größer dimensioniert ergab es bei mir auch zwei Wollkörbe. Toll auch immer wieder die Henkelvariationen, die man in diesen Büchern findet. Da spürt man die Liebe zum Detail und auch zum Material.


Die Körbe waren ursprünglich als Marktkörbe gedacht, doch dafür waren sie zu breit. Besser ist es sowieso, zum Einkaufen ein Tuch dabei zu haben, wie ein Furoshiki.

Das orangefarbene ist ein Geschenk, das rote Tuch links habe ich selbst aus alten Hemden zusammengenäht und mit den großen Blumen bedruckt.

Die Nähte sind als Kappnähte ausgebildet, sodass es keine offenen Kanten gibt und man das Tuch beidseitig verwenden kann. Diese Technik habe ich schon mal hier beschrieben für das blaue Tuch. Als Tischdecke macht sich so ein Furoshiki natürlich auch gut. Oder als Einwickeltuch für den Judoanzug, um ihn sauber im Rucksack zu verstauen, wie es mein Sohn lange Zeit gemacht hat.

Mein aktuelles, japanisches  Projekt kommt (wieder) aus dem schönen Buch von Shizuko Kuroha und hat den frischen Namen 'Wind'. Viele Viertelkreise wirbeln da herum. 
Die dunklen Stoffe sind zumeist japanische Druck- oder Webstoffe, für die hellen Hintergrundstoffe musste ich selbst zum Druckstock greifen, was die Produktionszeit etwas 'gestreckt' hat.

Aber: was lange währt, wird einmal gut. Das Top ist nun fertig und wird demnächst für das Quilten vorbereitet.


So schließt sich meine japanische Reise für heute. 

Meine Entdeckerlust ist jedoch noch lange nicht gestillt und ein paar unvollendete Shibori-Teile mahnen mich auch immer noch zum Weiterarbeiten. Es ist und bleibt eine lange Freundschaft, Japanisches Nähen und ich.

Danke, Gabi, für die Einladung zu den Stoffspielereien im Mai.

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. (Wegen zu viel Tippfehler noch einmal:)

    Liebe Elvira, danke für diesen Schatz: Du nimmst uns ja richtig mit auf eine lebenslange Reise, so vielfältig. Dass Du Dich "traust" mit japanischen Büchern zu arbeiten, ohne die Sprache zu können - großartig. Das macht richtig Lust, mal reinzuschielen. Dein letztes "Wind"-Top finde ich sehr edel, durch die zurückgenommenen Farben und Musterung. Wow, Hut ab, und vielen Dank für diese Fülle an Projekten und Inspiration! Schön, dass Du bei den Stoffspielereien mitgemacht hast! lg, Gabi

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  3. Toll, ich bin von Deinen Werken sehr begeistert und beeindruckt. Ein paar japanische Schnittmuster habe ich auch und sie gefallen mir ausgesprochen gut.
    LG
    Magdalena

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  4. Danke, dass du uns auf deine Japantour mitgenommen hast und uns deine wundervollen Arbeiten gezeigt hast.
    Liebe Grüsse
    Angy

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  5. Ein toller Beitrag, so intensiv schon deine eigenen Erfahrungen mit den japanischen Techniken.Die Viertelkreisdecke sieht schon toll aus, alles mit Maschine?
    Die Art der Anleitung mit den Zeichnungen finde ich eine perfekte Idee, es funktioniert ohne Sprache.Und ist oft klarer als eine deutsche Wortanleitung.
    viele Grüße, Karen

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    1. Von Hand hätte es wohl noch länger gedauert. Mit der Maschine hatte ich bald den Bogen raus und musste nicht mehr viel stecken.

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  6. Ach Elvira, bei dir gibt es immer einen tollen Erfahrungsschatz zu bestaunen und zu bewundern. Was du nicht alles schon gemacht hast und hervorzaubern kannst! Genial! Ich bin sehr beeindruckt von diesen feinen Quilts und ebenso wie du von dieser feinen japanischen Sticktechnik. Dass du daraus einen Quilt gezaubert hast, verstehe ich gut und finde ich ein supershcönes Erinnerungsstück!
    LG. Susanne

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  7. Liebe Elvira,
    danke für den Einblick in die japanische Näh freundschaft, wunderbar. Besonders die Marktkörbe bringen mich auf neue Ideen. Mir imponieren die japanischen Handarbeitsbücher auch sehr, ich komme sogar mit japanischen Strickanleitungen zurecht. Bitte, dürfen wir weiter an einer Japan reise teilhaben?
    Tyche

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    1. Oh, ans japanische Stricken habe ich mich noch nicht gewagt. Respekt. Die japanische Mode reizt mich da schon eher: schlicht und bequem.

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  8. Glückwunsch zu Deinen umfassenden Erfahrungen zum Thema. So viele schöne Handarbeitsstücke, alle wunderschön.
    Dazu könntest Du gerne im Einzeln mal näheres berichten.
    Auch ich schätze die cm-Angaben in japanischen Büchern und finde die Skizzen so anschaulich, dass mir eine Übersetzung nicht fehlt.
    Eine Nähtasche steht auf meiner Nähliste ganz oben, die japanischen Beispiele gefallen mir sehr.
    LG Ute

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  9. Ganz wunderbar! Vielen Dank für die Einblicke in deine Arbeiten. Gerne würde auch ich noch mehr aus deiner Werkstatt hören und sehen. Von den hier gezeigten Arbeiten ist der Quilt aus den Viertelkreisen mein Favorit.
    LG
    Siebensachen

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  10. Ich bin ja auch dem Zauber des Buches von Shizuko Kuroha erlegen und freue mich gerade riesig, den "Wind" bei zu sehen. Welche eine Arbeit und Liebe zum Detail - den würde ich ja mal gerne in Echt sehen.
    Und die Mini-Stickerei rüht mein Herz grad richtig an - das ist wirklich ein Geschenk von Freundin zu Freundin.
    Liebe Grüße
    Ines

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