Nach der langen, warmen Sommerpause mit nur wenig textilen Aktivitäten, genießen wir die kühleren Abendtemperaturen und regen wieder fleißig die Hände mit Stoffspielereien.
Sabine von Tyche's Touch hat uns mit dem Septemberthema "Die Kunst des Weglassens" zunächst einmal ziemliche Hirnarbeit abverlangt. Was kann man bei textilen Arbeiten überhaupt weglassen oder reduzieren? Man möchte ja ein "Gewirk" erstellen, ein komplettes Kleidungsstück nähen oder eine ganze Fläche gestalten. Die Aufgabenstellung zielt eher auf die Ausführung bzw. die Gestaltung, auf Muster oder Designelemente, die man sparsam oder stark reduziert einsetzen kann, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen.
Ajourmuster beim Stricken fielen mir da spontan ein, Lochmuster bei Spitzen oder auch beim Sticken, wie Hohlsaummuster.
Verschiedene Hohlsaummuster habe ich einmal in einem Kurs zur Schwälmer Weißstickerei ausprobiert. Auch wenn die Technik sehr meditativ ist, wollte ich sie an meinem Mustertuch nicht weiter vertiefen.
Was mir aber daran gefiel, war die Reduktion der Farbigkeit. Weiß auf weiß, das kenne ich auch vom Trapunto oder einfarbigen Quilts. Ein Weißquilt mit Spitzen hätte es als Spielerei werden können, Material dafür wäre vorhanden gewesen. Nur eigentlich passt ein solcher nicht zu meinem Wohnstil.
Was aber auch im Fundus lag, waren noch Probestücke meiner Indigofärbung, die ich im Juni letzten Jahres beim Thema "Wasser" produziert hatte: ein Stück dunkelblauer Stoff mit 8 runden Ausschnitten, die wie ein Mond am Abendhimmel aussehen.. Und da ich mich zeichnerisch im September mit "Nachtbildern" beschäftigt habe,entstand die Idee einer Art Nachtstickerei.
Zusammen mit Garn, das in derselben Küppe mitgefärbt wurde, habe ich ein festes Design weggelassen, ohne Rahmen gestickt und Ton in Ton gearbeitet.
Als erste Orientierung habe ich mir einen Horizont (mit der Nadelspitze) und ein paar Wasserlinien markiert und mit einfachen Geradstichen eine glatte Wasserfläche gestichelt.
Durch die unterschiedliche Stichlänge und Dichte bzw. den Abstand der Linien entsteht so etwas wie eine Perspektive. Eine sehr ruhige See. Das ließ sich sicher bewegter gestalten.
In der zweiten Variante habe ich die Stiche gruppiert und viele Leerflächen gelassen.
Wenn man das Stück auf den Kopf dreht, könnten es auch Wolken vor dem Mond sein.
Bei der dritten Geradstichvariante wollte ich 'Wellenspitzen' erzeugen, was ganz gut ging mit einer Art flachem, geradem Kettstich. Vielleicht hat der Stich einen eigenen Namen?
Auch hier erzeugt das Umdrehen eine neue Optik: es könnte ein Vogelschwarm sein.
Der flache Kettstich (und eine Inspiration aus dem Netz) brachte mich auf eine neue Idee. Ich wollte einen gerundeten Stich ausprobieren, der an 'Schaum auf den Wellen' erinnern sollte.
Der Stich ist nicht ohne Tücken, wenn man große Rundungen erzeugen will. Auch ändert man bisweilen die Richtung von rechts nach links, was den Faden wieder in eine 'eckige' Richtung ziehen kann.Hier habe ich dann auch ein paar Knötchenstiche eingefügt, um Lichtreflexe zu imitieren. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die rechte Seite noch hätte füllen sollen?Es folgte noch eine Variante mit wirklich 'eckigen' Kettstichen und hellen Geradstiche als Reflektionen.
Die letzte Variante sollte große, offene 'Blasen' erzeugen. Das Garn erzeugt leider auf der rechten Seite keinen ausreichenden Kontrast mehr, Garn und Hintergrund sind zu gleich. Ich wollte das Garn aber auch nicht wieder 'entfärben'. So schaffen Knötchenstiche einen Übergang von der dunklen Seite zum hellen Mond.
Diese Spielerei ist sehr monochrom geworden und sie mag ein wenig monoton aussehen, ich hatte aber viel Spaß an diesen Teststücken, die mit ganz wenig Konzept und ziemlich viel "Weglassen" verbunden waren.
(Und ganz nebenbei kam mir eine Idee für ein mögliches zukünftiges Thema: was wurde eigentlich aus ...? Frühere Projekte zu zeigen, die an einer bestimmten Stelle zum Halten kamen und zwischenzeitlich fortgeführt wurden)
Danke an Sabine für diese Anregung!
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27.09.2026: „Die Kunst des Weglassens“ bei Tyche's Touch
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