Für dieses Jahr treffen wir uns ein letztes Mal, um unsere Erfahrungen mit textilen Experimenten auszutauschen.
Es ist die Zeit, in der man oft Rückblick (und Ausblick) hält und so passt das Thema von Tyche's Touch: Techniken im Dialog ganz gut zu diesem Monat.
Es kann dabei ein textiler Vergleich zweier Techniken angestellt werden oder eine Verbindung von zwei Techniken an einem Werkstück. Auch eine textile Umsetzung einer nicht-textilen Technik wäre denkbar, z.B. Flechten mit Stoff oder Stricken mit Draht.
Ich habe mich für den Vergleich von handgenähtem und maschinengenähtem Pojagi entschieden.
Pojagi oder auch: Bojagi ist einerseits die Bezeichnung für ein traditionelles koreanisches Einwickeltuch, ähnlich dem japanischen Furoshiki. Andererseits bezeichnet man damit auch die Technik des einlagigen Patchworks, einem Zusammensetzen von Stoffstücken, allerdings ohne Wattierung und Rückseite und ohne Quiltstiche.
Das Besondere dabei ist, dass man die Nähte als Kappnähte ausführt, so dass die Rückseite auch versäubert ist und man das Stück als Tischdecke, Handtuch, Schal oder oft auch als Gardine verwenden kann.
Traditionell wird ein Pojagi von Hand genäht und ich habe einmal das Nähen nach dieser japanischen Anleitung ausprobiert - und dann im Verlauf des Probestückes noch zwei andere Nahtvarianten ausprobiert. Damit das Nähergebnis gut sichtbar ist, habe ich verschiedenfarbige Stoffe und einen kontrastreichen Faden genommen.
Man zeichnet zuerst die Nahtzugaben an, dann legt man die Stoffstücke mit den offenen Kanten um eine Nahtbreite übereinander und heftet die beiden Teile mittig aufeinander. Dann faltet man einen Stoff auf die markierte Nahtzugabe des anderen Stoffes, faltet den zweiten Stoff dort auch und näht die Stoffe an den Stoffbruchkanten mit kleinen Überwendlichstichen zusammen, wie beim englischen Papiernähen. Das Vorgehen wiederholt man mit der noch lose liegenden Gegenkante.
Die Stiche werden dann auf der Rückseite auch sichtbar und sind nicht immer gleichmäßig, jedenfalls bei mir. Man bekommt immer auf beiden Sieten eine doppelte Naht, was mir, abgesehen vom komplizierten Falten, nicht besonders gefiel.
Für die nächste Naht habe ich deshalb die Technik der normalen Kappnaht ausprobiert.
Dafür braucht man an einem Stoffstück eine einfache Nahtzugabe, am anderen Stück eine doppelte Nahtzugabe. Die Stoffstücke legt man rechts auf rechts versetzt aufeinander und näht sie Entlang der einfachen Nahtzugabe aufeinander. Das geht gut von Hand. Dann schlägt man die doppelte Nahtzugabe unter die einfache und steppt den Umschlag schmalkantig sichtbar ab.
In der Folge hat man nur eine sichtbare Naht auf der Vorderseite und eine doppelte Naht auf der Rückseite.Als dritte Variante habe ich die Stoffe wie beim ersten Versuch aufeinandergeheftet, dann aber die Stoffe direkt schmalkantig abgesteppt.
Insgesamt gefiel mir die zweite Nahtvariante am besten, das Nähen von Hand schien mir für größere Stücke doch etwas mühsam. Zwar kann man sehr leicht auch schräge Stücke zusammennähen, wie bei meinem zweiten Teststück mit den Fischen im Logcabin-Muster, doch runde Formen lassen sich damit nicht nähen. Außerdem muss man ein Auge auf die "Kreuzungen" haben, an denen zwei Kappnähte aufeinandertreffen. Diese habe ich immer gerne wegen der auftretenden Dicke vermieden. So sind gestalterisch durchaus Einschränkungen hinzunehmen.
Für ein größeres Werkstück bevorzuge ich doch ein Pojagi in Maschinentechnik mit einfacher Kappnaht wie auch beim Handnähen.
Mir schwebte ein Patchworkstück aus alten Hemdenstoffen vor und zwar eine Pyjamahose, die das Pojagi Nachthemd, das ich früher mal genäht habe, ergänzen sollte.
Aus vielen Stücken mit etwa 50-60 Nähten pro Bein entstand in mühevoller Kleinarbeit (zwischendurch habe ich mich gefragt, warum ich das mache) doch eine neue Hose aus alten Stoffresten. Die Tragfähigkeit muss sich noch erweisen.
Zum Abschluss noch ein Pojagituch in Pojagitechnik von früher, auch aus alten Hemden, zusätzlich bedruckt mit dem vergößerten Motiv aus enem der Stoffe.
Damit beschließe ich das Stoffspielereien-Jahr und freue mich, dass es weitergeht im nächsten Jahr. Unter neuer Koordination von Kerstin - Stoffnotizen treffen wir uns auch in 2026 mit spannenden Themen auf den Blogs und vielleicht auch im richtigen Leben wieder.
Vielen Dank an Gabi - made with blümchen für die bisherige Zusammenführung und das Erstellen des Archivs.
Dort findet man unter https://stoffspielereien.net/ die kommenden und Beiträge der vergangenen 10 Jahre Stoffspielerei. Neu werden auch Inspirationsbeiträge verlinkt sein, wenn bestimmte Themen Erläuterungen oder Ideen benötigen.
Ich stöbere bereits in meiner textilen Bibliothek für das erste Thema nach der Winterpause: Ein Buch als Inspiration. Das hält mich über die kalten Wintertage sicher beschäftigt.
Alle Beiträge heute sammelt Tyche's Touch hier auf ihrem Blog.
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Stoffspielerei-Termine 2026:
25.01.2026: "Ein Buch als Inspiration" bei Langer Faden
22.02.2026: „Licht & Dunkelheit“ bei HeyyOskar
29.03.2026: „Taschen“ bei Petersilie und Co
26.04.2026: „Altes in Neuem“ bei feuerwerk by KaZe
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28.06.2026: „Tierisches“ bei zwisch-en-durch
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27.09.2026: „Die Kunst des Weglassens“ bei Tyche's Touch
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